Smartphone als Museumswegweiser
Smartphone als Museumswegweiser

28.03.2020

Museen bieten in Coronakrise virtuellen Kunstgenuss Geschlossen und doch geöffnet

Immer mehr Museen in Deutschland digitalisieren ihre Bestände und machen sie per Internet zugänglich. Die Corona-Pandemie könnte diese Entwicklung beschleunigen. Viele der Häuser haben besondere Initiativen entwickelt.

Mehr als 6.800 Museen gibt es in Deutschland - mit rund 114 Millionen Besuchern pro Jahr. Derzeit haben alle ihre Tore geschlossen. Doch ein Hoch auf die Digitalisierung: Viele Häuser haben rasch reagiert und bieten jetzt virtuelle Rundgänge oder präsentieren einzelne Ausstellungsstücke im Netz. Und kommen damit dem Bedürfnis vieler Bürger nach Abwechselung in der bleiernen Coronavirus-Zeit entgegen.

Schlendern und staunen von zu Hause aus. Damit beschleunigt die Corona-Pandemie einen bereits bestehenden Trend: Ohnehin sind viele Museen und Archive dabei, ihre Bestände zu digitalisieren und der Öffentlichkeit im Internet zu präsentieren.

Einblicke in seine Bestände und Ausstellungen ermöglicht unter #staydelathome das Frankfurter Städel-Museum, das unter Experten als Vorreiter bei der Digitalisierung gilt. Der Schauspieler Sebastian Blomberg führt durch einen Online Kurs zur Kunst von 1750 bis heute.

Sammlung aus 700 Jahren Kunstgeschichte

Mit einem Click landet der Besucher in der Digitalen Sammlung aus 700 Jahren Kunstgeschichte. Den Audio Guide zur viel gerühmten Ausstellung "Making van Gogh" kann man kostenlos herunterladen. Auch eine spannende Podcast-Serie über ein verschwundenes Bild im Stil einer Krimiserie ist zu hören.

Unter dem Motto #closedbutopen (geschlossen, doch geöffnet) bietet auch die Museumslandschaft Hessen Kassel eine digitale Reise durch die Kunstgeschichte an, und zwar in kurzen Video-Clips und Mitarbeiter-Talks.

Durch die Räume der Staatliche Kunsthalle Karlsruhe können Internetnutzer bequem mit Hilfe des Cursors wandeln. Und Online in den Beständen aus 800 Jahren Kunstgeschichte stöbern. Auch die Staatlichen Museen zu Berlin laden auf ihrer Homepage dazu ein, die Berliner Museumsinsel online zu erkunden. Das Pergamonmuseum etwa erlaubt einen 3-D-Blick auf den berühmten Pergamonaltar.

Seuchenhistorische Objektgalerie im Internet

Thematisch ganz aktuell ist das Deutsche Medizinhistorische Museum (DMM) in Ingolstadt. Passend zur Corona-Krise zeigt es eine seuchenhistorische Objektgalerie im Internet. Bis auf Weiteres wird dort alle ein, zwei Tage ein Sammlungsstück eingespeist und die Geschichte dazu erzählt. Als Kurzfassungen gibt es die Beiträge demnach auch auf den Museums-Seiten bei Facebook und Instagram zu sehen.

Auf allen Social-Media-Kanälen versucht das Museum Ludwig in Köln, den Kunst-Hunger der Bürger zu stillen. "Wir vermissen unser Publikum bereits sehr. Wir freuen uns daher ganz besonders über Ihre Kommentare", animiert Direktor Yilmaz Dziewior zum Austausch.

Einzelne Kunstwerke werden in den bestehenden Serien #MondaysatLudwig oder #newatludwig vorgestellt. Unter den Highlights bei Instagram finden sich als digitale Rundgänge die aktuellen Ausstellungen "Blinky Palermo. Die gesamten Editionen. Die Schenkung Ulrich Reininghaus" ebenso wie die Präsentation im Fotoraum "Stille Ruinen.

F. A. Oppenheim fotografiert die Antike". Der Instagram-Kanal "WDR3imMuseum" hat zudem seine neue Video-Reihe #alleinimmuseum mit Yilmaz Diewior gestartet. Darin führt der Direktor seine Lieblingsarbeit und weitere Highlights aus der Sammlung des Museum Ludwig vor.

Virtuelle Reise durch das Franziskanerkloster

Die Städtischen Museen Zittau in Sachsen, bekannt durch die bedeutenden Fastentücher, haben eine virtuelle Reise durch das Franziskanerkloster und die reichen Sammlungen entwickelt. Es seien Räume zu sehen, die normalerweise nicht zugänglich sind, heißt es.

Darunter die eindrucksvollen Dachböden der Klosterkirche und des Heffterbaus. "Dieser Rundgang kann natürlich keinesfalls einen wirklichen Museumsbesuch ersetzen, in dem man in die Stimmungen der Räume eintauchen und den Originalen näher kommen kann" schreiben die Museumsmacher. "Aber es zeigt, welche Schätze der Stadt Zittau in ihren Museen erhalten geblieben sind und macht neugierig auf einen realen Besuch."

Ganz anders versucht das Lindenau-Museum im thüringischen Altenburg die Kreativität der Nutzer zu wecken: Die Idee des "Web-Museums": Kunstbegeisterte Menschen und Personen, die sich schon immer mal künstlerisch betätigen wollten oder Menschen, die interessante Kunstwerke in ihrem Umfeld gesehen haben, schicken Fotos an das Museum. Die "Exponate" können dann auf der Homepage bestaunt werden.

Christoph Arens
(KNA)

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