Neues Prüfsystem in der Pflege: Lob und Skepsis
Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame

26.03.2020

Altenheimseelsorge in Corona-Zeiten Ist die Krankensalbung weiter möglich?

Alte und schwache Menschen sind besonders gefährdet am Coronavirus zu erkranken. Wie gehen Pflegekräfte und Seelsorger damit um? “Pflege ohne Körperkontakt ist nicht möglich“, sagt der Altenheimseelsorge-Referent des Erzbistums Köln. 

DOMRADIO.DE: Sie organisieren die katholische Seelsorge in den Alten- und Pflegeeinrichtungen im Erzbistum Köln. Was hören Sie von den Kollegen vor Ort?

Dr. Peter Bromkamp (Diözesanreferent für Altenheimseelsorge im Erzbistum Köln): Das die Seelsogre natürlich unter diesen Rahmenbedingungen sehr schwierig und sehr, sehr begrenzt ist. Wir haben in vielen Einrichtungen inzwischen vom Erzbistum beauftragte Begleiter in der Seelsorge. Das heißt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Einrichtungen, die eben auch einen seelsorglichen Auftrag wahrnehmen. Über diejenigen können natürlich auch weiterhin seelsorgliche Angebote stattfinden, wenn auch unter begrenzten Möglichkeiten und Rahmenbedingungen.

DOMRADIO.DE: Bei der Seelsorge ist die menschliche Nähe besonders wichtig. Wie gehen Sie damit um, sie im Moment nicht herstellen zu können?

Bromkamp: Pflege ohne Körperkontakt ist gar nicht möglich. Da müssen sich die entsprechenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen, mit Handschuhen und Mundschutz. Aber selbst da ist dann körperlicher Kontakt notwendig. Ansonsten geht es darum: Wie kann man Nähe zum Menschen zeigen, auch wenn man ihm körperlich nicht nahe kommen kann? Auch wenn ich auf Distanz bleibe, kann ich mit Menschen sprechen, mit Sicherheitsabstand. Ich kann mit Menschen gemeinsam beten, kann Menschen freundlich begrüßen, ihnen Zeichen geben. Das sind alles Dinge, die weiterhin in der Altenpflege möglich sind und selbstverständlich auch so praktiziert werden.

DOMRADIO.DE: Wie gehen die Seelsorger vor Ort mit der Ansteckungsgefahr um – in beide Richtungen?

Bromkamp: Im Moment ist in fast allen Einrichtungen der Zugang für pastorale Mitarbeiter von außen gesperrt. Nur in wirklichen Notfällen, also da wo es um Sterbebegleitung geht oder bei Beerdigungen, ist es in Einzelfällen immer noch möglich, dass jemand von außen in die Einrichtungen direkt kommt. Ansonsten sind wir darauf angewiesen, dass auch die Seelsorge mehr von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen wird.

DOMRADIO.DE: Kann das Sakrament der Krankensalbung im Moment noch gespendet werden?

Bromkamp: Das kann unter erschwerten Voraussetzungen durchgeführt werden, wenn es dringend notwendig ist. Das ist dann natürlich die Frage: Was heißt dringend notwendig? Aber in dem Fall ist es möglich. Es wird vereinzelt auch weiterhin gewünscht und auch gespendet.

DOMRADIO.DE: Wie gehen die Patienten und Gäste selber mit der aktuellen Lage um?

Bromkamp: Für Menschen, die in einer Einrichtung leben und die vieles von dem, was draußen läuft, nicht so wirklich direkt mitbekommen, ist es noch mal schwieriger zu begreifen: Was passiert hier eigentlich? Man sieht und erlebt Reaktionen, wie auch in der Gesellschaft. Es gibt Menschen, für die geht der Alltag fast genau so weiter, dann gibt es aber auch Menschen, die werden sehr nervös und unruhig. Sie machen sich Sorgen oder bekommen Angst.

Es gibt aber eben auch die, die letztlich davon fast nichts mitbekommen, weil es für sie einfach nicht zu begreifen ist. Das ist ja selbst für uns mitunter schwierig. Eine Bedrohung, die eigentlich weder greifbar noch sichtbar ist, und trotzdem da ist.

DOMRADIO.DE: Wie gehen die Pfleger denn psychisch mit dieser besonderen Belastung um? Gibt es auch Kollegen, die sagen: Unter diesen Umständen kann und möchte ich nicht arbeiten – auch im Blick auf die Ansteckungsgefahr.

Bromkamp: Die gibt es auch. Es gibt auch Menschen, die unter dieser jetzigen Anspannung schon Auszeiten brauchen und sich melden. Wobei für sie dann der Druck noch größer wird, weil sie noch mehr den Eindruck haben: Ich lasse die Kolleginnen und Kollegen im Stich. Das erhöht den Druck also sogar noch mal.

Man merkt auch jetzt schon, wenn ich an seelsorgliche Begleitung denke: Wie können wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen unterstützen und entlasten? Wir können ihnen von außen nichts abnehmen, aber durch Telefonanrufe, Material, Texte, Ermutigungen, per Skype oder anderen Wegen,  die man ihnen per Mail schickt, gibt es schon die Möglichkeiten. Und die sind dringend notwendig.

In der Pflege gibt es ohnehin schon eine große Anspannung. Die wächst natürlich jetzt auch. Auch die Angst. Was ist, wenn ich jetzt den Virus in die Einrichtung trage? Das ist eine Angst, die man gerade bei den Mitarbeitern nicht unterschätzen darf, die auch stark geäußert wird.

DOMRADIO.DE: Bekommen die Mitarbeiter vor Ort noch strengere Auflagen?

Bromkamp: Sie leben jetzt nicht in Quarantäne. Die Sicherheitsvorkehrungen beim Betreten und Verlassen der Einrichtungen sind aber schärfer. Händewaschen, Schutzkleidung, da wird mehr drauf geachtet.

Wobei man sagen muss, dass für die Altenpflege eine Virusbedrohung nichts Neues ist. Das ist in den vergangenen Jahren immer wieder vorgekommen, zum Beispiel durch den Norovirus. Der ist noch hartnäckiger, noch ansteckender. Viele alte und geschwächte Menschen sind dadurch noch viel mehr gefährdet. Das sind die Einrichtungen eigentlich gewohnt. Diese Wellen gehen jedes Jahr ein bis zwei Mal durch jede Einrichtung.  

Das Gespräch führte Dagmar Peters.

(DR)

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