Wie geht die Kirche in die Zukunft?
Wie geht die Kirche in die Zukunft?

24.03.2020

Kirchen entwickeln kreative Formate in Corona-Zeiten Glocken, Kerzen und ein Spaziergang mit dem Allerheiligsten

Auch wenn es keine öffentlichen Gottesdienste mehr gibt, wollen viele Pfarreien für die Menschen da sein. Mit Kerzen, Glocken und einem Sonntagsspaziergang soll trotz Distanz ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen.

In Oberhausen stellen die Menschen Kerzen ins Fenster, in Bayreuth erinnert ein Trompetenspieler an die Gottesdienstzeiten und von Bremen bis Altötting läuten die Glocken. Seitdem wegen der Corona-Krise keine Gottesdienste mehr stattfinden, entwickeln Gemeinden in ganz Deutschland kreative Formate, um ein Gefühl von Gemeinschaft herzustellen. Dabei folgen viele Ideen dem Motto: Wenn die Leute nicht mehr in die Kirche kommen, kommt die Kirche eben zu den Leuten.

Gemeinsam das Vaterunser beten

Zum Beispiel in Oberhausen. Dort rief Pfarrer Christoph Wichmann dazu auf, jeden Abend sichtbar eine Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vaterunser zu beten. "So bleiben wir in dieser schwierigen Zeit Lichtzeugen und eine solidarische Gebetsgemeinschaft", erklärte er dem "Neuen Ruhr-Wort". Die Aktion hat mittlerweile bundesweit Nachahmer gefunden.

Genauso wie das Glocken-Läuten. Im Erzbistum Köln lassen die Kirchen jeden Abend um 19.30 Uhr ihre Glocken erklingen. Verbunden ist die Initiative ebenfalls mit einem Gebetsaufruf.

Menschen singen an Fenstern und Haustüren

Das Format gibt es so ähnlich an vielen anderen Orten. In Bayreuth etwa erklingen am Sonntag erst die Glocken und dann ein Trompetenchoral. Dafür steigt Dekanatskantor Michael Lippert auf den Turm der Ordenskirche und spielt das jeweilige Wochenlied. "Uns ist es wichtig, in irgendeiner Art und Weise die Zeit zu markieren, in der der Gottesdienst stattfinden würde", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. An den Fenstern und vor den Haustüren rund um die Kirche hätten vergangenen Sonntag einzelne Zuhörer mitgesungen und gebetet, berichtete der Sender.

Mit der Monstranz durch die Straßen

Auch im oberpfälzischen Teublitz können sich Menschen an die Fenster stellen und mitbeten. Einmal die Woche ziehen Pfarrer Michael Hirmer und Pater John Mathew mit dem Allerheiligsten in einer Monstranz durch die Straßen; in dem reich verzierten Behältnis befindet sich Hostie, in der nach katholischem Verständnis nach einer Wandlung Jesus selbst gegenwärtig ist. "Wir machen einen Sonntagsspaziergan", erklärte Hirmer auf Anfrage. Da der Pater und er ohnehin in einer Wohngemeinschaft lebten, hielten sie sich auch an die strengen bayerischen Auflagen. Anders als in vielen Bundesländern dürfen in dem Freistaat nur Menschen zusammen an die frische Luft gehen, die auch zusammen wohnen.

In ganz Deutschland bleiben viele Kirchen zum Gebet geöffnet. Das machen sich manche Gemeinden zunutze, etwa im oberbayerischen Mühldorf. Dort können die Besucher in einer Kirche ihre Anliegen und Bitten auf Zettel schreiben und auf einem großen Kreuz vor dem Altar ablegen.

Material für eine Hausandacht

Wer die Gebäude derzeit nicht betreten will, kann im rheinischen Erkelenz Material für eine Hausandacht vor der Kirche abholen. Pfarrer Robin Banerjee von der evangelischen Gemeinde Schwanenberg packt die Impulse in Butterbrottüten und hängt sie draußen auf eine Leine. Gottesdienst "to go" nennt er das. Eine Schritt für-Schritt-Anleitung gibt es zudem auf der Internetseite der Gemeinde Sankt Antonius im westfälischen Rheine. "Do-it-yourself-Gottesdienst" heißt das Format.

Messfeiern ohne Besucher

Nach Ansicht des Bonner Stadtdechanten Wolfgang Picken spricht nichts dagegen, dass Menschen in die Kirche kommen - auch für die Kommunion, aber unter Beachtung des Kontaktverbots. Vergangenen Sonntag nahmen laut Picken rund 70 Gläubige in der Bonner Kirche Sankt Remigius dieses Angebot wahr. Dort teilten zwei Seelsorger nach einer Messfeier ohne Besucher die Kommunion aus. Die Menschen mussten zwei Meter Abstand halten und durften nur einzeln an die Altarstufe treten. Nach jeder Einzelkommunion desinfizierten die Seelsorger ihre Hände. "Es kam zu keinerlei Kontakten oder Annäherungen unter den Gläubigen", berichtete Picken.

Die Pfarrei habe sich auf Bitte einiger Gemeindemitglieder dafür entschieden, erklärte der Stadtdechant. Manche Menschen sähen sich in einer seelischen Notlage, wenn sie längere Zeit keine Kommunion empfingen. Andere wollten sich gerade jetzt innerlich stärken. Das hätten er und sein Team ernst genommen. "Die Kommunionempfänger waren tief bewegt", so Picken. "Zu Teilen standen ihnen die Tränen in den Augen."

Anita Hirschbeck
(KNA)

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