Coronabedingt sind die Weihwasserbecken derzeit leer
Kein Weihwasser im Kölner Dom
Leerer Kölner Dom
Leerer Kölner Dom
Hamburger Michel
Hamburger Michel
 St.-Paulus-Dom in Münster
St.-Paulus-Dom in Münster

20.03.2020

Verwaister Kölner Dom und Hamburger Michel "Da wollte ich doch eben eine Kerze anzünden"

Wegen Corona sollen keine öffentlichen Gottesdienste mehr stattfinden. So ein Verbot gab es nicht einmal im Zweiten Weltkrieg. Viele Kirchen bleiben aber zum Gebet geöffnet, um den Menschen gerade jetzt beizustehen.

Die Stille ist neu. Wer dieser Tage den Kölner Dom, die bedeutendste Kirche Deutschlands, betritt, hört ein Rauschen durch die Bodengitter, unter denen die historischen Ausgrabungen liegen.

Sonst fast nichts. Vor Ausbruch der Corona-Epidemie strömten jeden Tag mehrere Tausend Besucher in die Kathedrale. Ein kaum unterdrücktes Flüstern, Kichern, Klicken und Rascheln erfüllte den sakralen Raum. Jetzt kommen nur Einzelne, oft Ältere, in Stille.

Einfach so in eine Kirche zu gehen oder gar gemeinsam Gottesdienst zu feiern, ist in Corona-Zeiten undenkbar geworden. Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, wollen Bund und Länder öffentliche Messfeiern verbieten. Das gab es nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs. Viele Kirchen schließen aber nicht ganz. Für das Gebet bleiben sie offen - sozusagen als abgespeckter seelsorgerlicher Beistand.

Hamburger Michel für Gottesdienstbesucher tabu

Auch der Hamburger Michel, das beliebte Wahrzeichen der Hansestadt, ist für Gottesdienstbesucher und Touristen im Moment tabu. In der großen barocken Kirche rauscht die Heizungsanlage leise, ab und zu knacken die Holzbänke. Antje Schneemann nimmt für einige Minuten Platz. Nach einem Termin in der Nähe ist sie in das evangelische Gotteshaus gekommen, um sich in Zeiten der Krise kurz zu sammeln, wie sie sagt. "Das finde ich richtig angenehm."

Für ein Stück Normalität sorgt der Michel-Türmer. Wie seit mehr als 300 Jahren trompetet er weiter jeden Tag seinen 10-Uhr-Choral vom Turm der Hauptkirche. Das ist nun auch auf dem Instagram-Kanal von Sankt Michaelis zu sehen und zu hören. In der benachbarten katholischen Kirche Sankt Ansgar, dem sogenannten kleinen Michel, lädt Pfarrer Philipp Görtz per Hinweisschild am Eingang zum persönlichen Gebet ein - und bittet die Kirchenbesucher, möglichst wenig anzufassen.

Nahezu Leere im Münsteraner Paulusdom

Auch im Paulusdom in Münster herrscht nahezu Leere. Eine ältere Ordensfrau stellt Blumen vor eine Madonna und versinkt in ein Gebet.

Ein junger Mann sitzt mit gefalteten Händen in einer Bank und blickt auf das große Kreuz über dem Altar. Insgesamt findet an diesem Vormittag etwa ein Dutzend Besucher den Weg in die Kathedrale.

"Gestern, am Markttag, waren es am Nachmittag ganze 17", sagt die diensthabende Küsterin. Sie ist in diesen Tagen, in denen das Coronavirus das Seelenleben der Menschen durcheinanderbringt, mehr als eine Wärterin. "Die meisten sind froh, auch ein paar Worte reden zu können", sagt sie.

Am Morgen hat hier Bischof Felix Genn einen Gottesdienst gefeiert, der live ins Internet übertragen wurde. Die Küsterin war dabei, der Domorganist und der Domkantor - sonst niemand. Der Dom wird erst nach der morgendlichen Live-Übertragungen für Betende freigegeben. "Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen", sagt der Bischof hinterher.

Aber er weiß, dass er nicht wirklich allein ist. "Ich spreche nicht in den leeren Kirchenraum hinein, ich bete und singe in Gedanken mit den Gläubigen Zuhause."

"Es ist eine Katastrophe"

Zwei Frauen machen Fotos von der Statue der Heiligen Corona, die seit einigen Tagen samt Blumen im Altarraum steht. "Wir kommen aus Stuttgart und sind für eine Woche in der Stadt", berichtet die eine.

Sie möchten trotz allem das Beste aus dem Besuch machen - mit "Abstand halten und Hände waschen". Und dann kommt noch eine Hochschwangere mit ihrer vierjährigen Tochter herein. "Wir stehen kurz vor der Geburt", erzählt sie. "Da wollte ich doch eben eine Kerze anzünden."

Im Kölner Dom brennen vor einer überlebensgroßen Darstellung der schmerzhaften Gottesmutter nur weinige Kerzen. Sonst zünden die vielen Besucher aus der ganzen Welt reihenweise Opferlichter an. Zwei Schwestern aus Köln, beide in ihren Achtzigern, blicken auf die verlassenen Bänke.

"Ich bete immer zu Gott, das Virus aus der Welt zu nehmen, damit die Welt wieder das ist, was sie war", sagt die Jüngere mit Tränen in den Augen. Sie sei enttäuscht gewesen, als öffentliche Gottesdienste abgesagt wurden. Wenigstens blieben die Kirchen für das Gebet geöffnet. "Denn jetzt braucht man seelsorgerliche Unterstützung. Es ist eine Katastrophe."

Michael Althaus, Johannes Schönwälder und Anita Hirschbeck
(KNA)

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