Blick auf dem Petersdom
Blick auf dem Petersdom
Ulrich Nersinger trifft Franziskus
Ulrich Nersinger trifft Franziskus

15.03.2020

Vatikanexperte mit Ideen für Ostern in der Quarantäne "Urbi et Orbi" vor der Webcam?

An den Kar- und Ostertagen wird es wegen der Corona-Quarantäne im Vatikan keine öffentlichen Gottesdienste geben. Etwas völlig neues für die katholische Kirche. Wie kann solch ein Osterfest ablaufen?

DOMRADIO.DE: Gab es das schon einmal: Keine öffentlichen Messen im Vatikan?

Ulrich Nersinger (Vatikanexperte): Ich habe bisher nichts Vergleichbares gefunden, nicht mal, als in Rom die Cholera wütete, oder in den Kriegszeiten. Man hat immer gewisse Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Aber man hat nie ganz auf die Zeremonie öffentlicher Gottesdienste verzichtet.

DOMRADIO.DE: Erstmals wird es in diesem Jahr auch keine öffentlichen Feierlichkeiten der Kar- und Ostertage geben. Wie könnte das denn ablaufen?

Nersinger: Wie sind denn früher päpstliche Liturgien abgelaufen? Diese großen Liturgien, die wir aus den letzten Jahrzehnten kennen, gab es zwar früher in Rom auch, aber in einem anderen Maßstab und Umfeld. So sind viele Liturgien der Karwoche bis zum Jahre 1929, also bis zur Gründung des Vatikanstaates, nicht in St. Peter oder im Lateran gefeiert worden, sondern größtenteils in der Sixtinischen Kapelle. Das ist ein Punkt, wo man nachhaken könnte, ob man die Osterliturgien 2020 nicht auch jetzt in der Sixtina feiert. Das klingt vielleicht erst mal nicht sehr klug, weil ja die Sixtina ein abgeschlossener Raum ist. Aber man darf nicht vergessen, dass die Kapelle über eines der modernsten Belüftungssysteme der Welt verfügt – damals gedacht zum Schutz der Kunstwerke. Da überlegen auch momentan die Techniker im Vatikan, ob das nicht eine gute Möglichkeit ist.

Aber wir haben ja auch im Vatikan andere große Räume und Säle, wo man Liturgien feiern könnte. Ich denke, da ist es auch wichtig, dass man das entsprechende Ambiente nimmt. Das Gästehaus Santa Marta oder die Audienzhalle wären vielleicht das falsche Zeichen.. In diesen Zeiten erweckt das einen kühlen Eindruck, fast wie im Krankenhaus. Ich denke, man muss versuchen, Liturgien zu feiern in einem Rahmen, der auch das Gemüt anspricht.  

DOMRADIO.DE: "Urbi et Orbi" vor der Webcam – ist das denkbar?

Nersinger: Eine Papstliturgie im Petersdom ohne Volk kann ich mir schwer vorstellen. Aber ich sehe seit ein paar Tagen einige Internet-Auftritte von Priestern, die doch sehr beeindrucken. Wo ein Priester mit dem Allerheiligsten in Italien allein, oder mit einer Begleitung, durch die Straßen geht und die Leute mit dem Allerheiligsten segnet. Es gab einen Priester, der auf einen kleinen Lastwagen mit der Madonna durch seine Stadt fuhr. Das sind Sachen, die ich sehr beeindruckend finde, die auch ein Gefühl vermitteln, dass Kirche bei einem ist.

Daher könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man von der Loggia des Petersdoms den Segen durchaus erteilt, auch wenn niemand auf dem Petersplatz ist. Ich denke, das könnte sogar eine viel stärkere Wirkung haben. Ich könnte mir auch theoretisch vorstellen, dass der Papst die Palmensegnung auf dem leeren Petersplatz vornimmt und dann nach St. Peter zieht. Das wären Bilder, die sich doch sehr einprägen und die dann auch eine gewisse religiöse Bedeutung haben. Ich denke. Wir brauchen in der Kar- und Osterwoche Zeichenhaftes. Man muss zeigen, dass Kirche in der Welt präsent ist, für den Menschen da ist.

DOMRADIO.DE: Können wir Katholiken überhaupt Ostern feiern ohne die direkte Gottesdienst-Gemeinschaft mit dem Papst?

Nersinger: Das ist die Frage. Die ‘communio ecclesia’, all das, was wir nun mit der Liturgie, mit dem religiösen Leben verbinden - können wir darauf verzichten? Wir müssen Möglichkeiten finden, auf der einen Seite natürlich den Schutz zu gewährleisten, aber dann doch zu zeigen, dass es uns um etwas geht, das gerade in diesen Zeiten wichtig ist: Natürlich die Verbundenheit zu Gott, das Gebet zu ihm. Aber auch die Verbundenheit zu den Menschen. Wenn ich mir vorstelle, dass zum Beispiel Priester nicht mehr Kranke besuchen können, nicht mehr die Krankensalbung spenden können, das wäre etwas, was der Kirche schadet und was Kirche an sich vielleicht auch unmöglich macht.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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