Christenverfolgung im Nahen Osten
Christenverfolgung im Nahen Osten
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller

04.02.2019

Kardinal Müller zur Lage der Christen weltweit "Es wird andauernd schlecht über Kirche berichtet"

In vielen Ländern der Erde werden Christen weiterhin verfolgt. Aber auch in der westlichen Gesellschaft beobachtet Gerhard Kardinal Müller Diskriminierung gegen das Christentum. Es werde vielfach systematisch angeprangert, kritisiert er.

f1rstlife (christliches Online-Jugendmagazin): Wir führen dieses Interview am Rande einer Veranstaltung von "Kirche in Not" in Köln. Wie nehmen Sie das derzeitige Ausmaß der Christenverfolgung wahr?

Gerhard Kardinal Müller: Es gibt Christenverfolgungen in islamisch geprägten Ländern durch Terrorgruppen und Zwangsmaßnahmen der Regierung, aber auch immer noch in kommunistisch geprägten Ländern und Diktaturen, die sich in ihrer absoluten Macht bedroht fühlen. Auch bei uns in Europa gibt es eine subtile Form von Christenverfolgung. Wenn man jemanden wegen seines Glaubens lächerlich macht, ist das eine Form des Angriffs auf die Religionsfreiheit. Viele Menschen rufen nach Toleranz, nutzen sie aber nur als Waffe gegen andere. Sie erwarten Toleranz für sich, sind aber nicht bereit anderen Ansichten ebenfalls Respekt zukommen zu lassen.

f1rstlife: Wie gehen Sie persönlich mit Kritik am Glauben um?

Müller: Es ist auch innerkirchlich so, dass man dafür kritisiert wird, wenn man den katholischen Glauben so vertritt, wie er ist. Es wird oft getrennt zwischen progressiv und konservativ. Konservativ ist heute für viele Menschen ein Schimpfwort, dabei passt es überhaupt nicht auf die Kirche. Es gibt in der Kirche höchstens die Unterscheidung zwischen rechtgläubig – also den Glauben anzunehmen, wie er offenbart worden ist – oder ihn zu verfälschen. Die Wahrheit, die Christus offenbart hat, ist nicht konservativ. Seine Botschaft veraltet nie.

f1rstlife: Christen erleben weltweit nicht nur Verfolgung, sondern auch Diskriminierung – nicht nur in Brennpunktländern. Schenken Medien und Öffentlichkeit dieser Diskriminierung zu wenig Beachtung?

Müller: Christen werden vielfach systematisch über die Medien angeprangert. Es wird andauernd schlecht über Kirche und ihre Geistlichen berichtet. Dabei vergisst man, dass es so viele Priester gibt, die immer für andere da sind. So viele Priester, aber auch engagierte Laien, sterben jedes Jahr für ihren Glauben. Da frage ich mich: Wer schafft den Märtyrern Gerechtigkeit? Sie hätten es verdient, dass sie zumindest wegen ihrer Glaubwürdigkeit und ihrer Einsatzbereitschaft von unseren Medien gewürdigt werden, gerade auch von den kirchlichen. Als Katholiken dürfen wir uns nicht nur beschweren, wenn Christen verfolgt werden. Wir müssen uns für alle einsetzen, wenn sie wegen ihres Glaubens diskriminiert werden.

f1rstlife: Das Christentum wächst weltweit stark, nur nicht in Europa. Ist daher die Rede vom "christlichen Abendland" obsolet geworden?

Müller: Der Begriff vom "christlichen Abendland" hat eine lange Tradition. Er beginnt mit dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches. Die Menschen vereinte neben ihrem christlichen Glauben auch eine politische Haltung. Es ging darum, wie ein Sauerteig die Gesellschaft zu durchdringen. Wir ziehen auch heute die positiven Ideen und Visionen daraus: Das friedliche Zusammenleben in Europa ist eine Idee, die aus der christlichen Tradition und Überzeugung geboren ist. Für jeden Menschen stellt sich von Anfang an die Frage, ob er in diese positive Tradition mit seinem Glauben eintreten will.

f1rstlife: Was kann und muss die Kirche Ihrer Ansicht nach tun, damit auch im säkularen Europa die Frohe Botschaft wieder Gehör findet?

Müller: Wir müssen uns voll bewusst sein, dass es wirklich eine Frohe Botschaft ist. Wir dürfen uns nicht einfach zurückziehen und Angst davor haben, wie das Kaninchen von der Schlange vertilgt zu werden. Wir können uns als Christen nicht aus der Verantwortung nehmen, ganz gleich, ob wir nun eine Familie haben oder Priester und Ordensleute sind.

f1rstlife: Was möchten Sie gerade jungen Christen mitgeben für ein entschieden christliches Leben in der heutigen Gesellschaft?

Müller: Ich wünsche ihnen, dass sie ihren Glauben kennenlernen und verstehen, was wir glauben. Der Glaube ist nicht bloß ein Gefühl. Der Glaube ist auch ein Erkennen Gottes. Wer Christ ist, muss die wesentlichen Stationen des Heilsgeschehens kennen, die Sakramente und das, was wir hoffen. Ein vernünftig verantworteter Glaube bedeutet auch, seinen Erkenntnisstand immer wieder zu erweitern und mit der Gnade die Bereitschaft zur Nachfolge Christi aufzubringen.

f1rstlife: Sie waren bereits mehrmals bei Treffen von "Kirche in Not" zu Gast. Was schätzen Sie an dem Hilfswerk?

Müller: "Kirche in Not" zeigt einen selbstverständlichen Einsatz für die Christen in anderen Weltteilen. Das setzt das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit voraus, so wie es der Apostel Paulus sagt: Die Kirche ist ein Leib mit vielen Gliedern, die in Christus geeint sind. Ich schätze das Engagement vieler Wohltäter durch ihre Spenden und ihr Gebet, aber auch die Mitarbeiter, die sich in konfliktreiche Länder wagen.

f1rstlife: Auch die Bildungs- und Informationsveranstaltungen von "Kirche in Not" sind wertvoll: Wenn man etwas liest, ist es nochmal etwas Anderes, als wenn man es von Zeugen hört. Außerdem ist es wichtig, die Sensibilität zu wecken, dass wir hier nicht auf einer Insel der Seligen sind. In anderen Ländern ist das Bekenntnis zu Christus in viel größerer Gefahr als bei uns. Das, was bei uns passiert, ist nichts im Vergleich zu dem, was Menschen anderswo mitmachen. Ich finde, das ist eine gute Gelegenheit, etwas getröstet zu sein und unsere Klagen hier nicht zu übertreiben.

Das Interview führte Roman Kris.

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