Zerstörter Kirchturm der christlichen Kirche Al-Tahira Al-Kubra auf Karakosch
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Christen in Indien
Christen in Indien
Kruzifix in katholischer Kirche in China
Kruzifix in katholischer Kirche in China

16.01.2019

Open Doors sieht weitere Zunahme religiöser Verfolgung weltweit Immer mehr Christen ermordet

Eine alarmierende Zunahme der Christenverfolgung in China und Indien sieht das Hilfswerk Open Doors. An der Spitze des Weltverfolgungsindex bleibt Nordkorea. Jährlich veröffentlicht das Hilfswerk die 50 Staaten mit der stärksten Christenverfolgung.

Digitalisierung kann Fluch und Segen bedeuten - auch wenn es um Menschenrechte geht. Seit 2003 veröffentlicht das Hilfswerk Open Doors den Weltverfolgungsindex; eine Liste von 50 Ländern, in denen die Situation von Christen besonders schlecht ist.

Leichtere Ermittlungen durch Digitalisierung

Internet und digitale Kommunikation erleichtern es, Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln, heißt es in dem am Mittwoch in Kelkheim veröffentlichten Index 2019. Umgekehrt machen es digitale Geräte autoritären Regierungen leichter, Menschen zu überwachen. Zum Beispiel in China, wo Christen vom Staat gezwungen werden, Überwachungskameras in Kirchen zu installieren.

Weltweit registriert das überkonfessionelle christliche Hilfswerk evangelikaler Prägung eine weitere Zunahme der Verfolgung: Die Zahl der dokumentierten Morde an Christen stieg von 2.782 im Jahr 2017 auf 4.136 im vergangenen Jahr.

Rangfolge wird durch unterschiedliche Kategorien bestimmt

Und das ist nur ein Anzeichen: Fiel vor fünf Jahren allein Nordkorea in die Kategorie "extremer Christenverfolgung", so erreichen im aktuellen Index ganze 11 Ländern die entsprechende Punktzahl, die sich aus Kategorien wie staatliche Gewaltmaßnahmen, Gewalt von gesellschaftlichen Gruppen, Unterdrückung von Glaubensfreiheit, Unterdrückung religiöser Betätigung und soziale Isolierung zusammensetzt.

Drei Gründe nennt Open Doors für diese Entwicklung: Totalitäre Herrscher und militante islamistische Bewegungen sind es nicht allein, die für Verfolgung und Ausgrenzung von Christen verantwortlich sind. Auch die Globalisierung hat dramatische Folgen: Nationalistische Regierungen und Gruppierungen suchen nach Abgrenzung und Identität. Die herrschende Ideologie oder Religion wird zum gesellschaftlichen Klebstoff - und religiöse Minderheiten werden als Anhänger einer "fremden Religion" gebranntmarkt.

Nordkorea wird erneut als "erdrückendstes autoritäres Regime" der Welt bezeichnet. "Jede Abweichung von der Verehrung des obersten Führers gilt als Verbrechen", heißt es. Afghanistan und Somalia bleiben weiter auf den beiden folgenden Plätzen der Negativ-Liste; Libyen springt von Platz sieben auf Platz vier.

Alarmierende Zunahme in China und Indien

Eine alarmierende Zunahme von Christenverfolgung bescheinigt die Hilfsorganisation China (von Platz 43 auf 27) und Indien, das auf Rang 10 vorrückt. China sei ein Paradebeispiel für ein immer repressiveres Regime: Ausgestattet mit einer seit Mao ungekannten Machtfülle, versuche Staatschef Xi Jinping, die wachsenden christlichen Gemeinschaften zur absoluten Loyalität gegenüber Staat und Partei zu zwingen, heißt es.

Im Berichtszeitraum seien dort mehr Christen als in jedem anderen Land inhaftiert worden: 1.131 gegenüber 134 im Vorjahr. Pastoren würden gezwungen, die Nationalhymne vor dem Gottesdienst singen zu lassen und die chinesische Flagge in der Kirche aufzuhängen - oberhalb des Kreuzes. Bilder von Jesus mussten bisweilen durch ein Porträt von Präsident Xi ersetzt werden.

In Indien dagegen treiben die von Hindu-Nationalisten geführten Regierungen ihre religiös-nationalistische Agenda voran. Extremistische Hindu-Gruppen und Mob würden nicht an Gewalt gegen Christen gehindert. So wurden 2018 Angriffe auf 100 Kirchen und 12.500 Christen dokumentiert. Mehr als 200 von ihnen wurden wegen ihres Glaubens verhaftet und mindestens 10 getötet.

Radikale Islamisten bleiben Problem

Auch die Regierungen in der Türkei (Rang 26), Myanmar (18) und Laos (19) ziehen laut Bericht zunehmend eine religiös-nationalistische Karte. In Nepal (32) und Bhutan (33), in denen Hindus und Buddhisten in der Mehrheit sind, hätten Appelle an die national-religiöse Identität Konjunktur.

Ein wachsendes Problem bleiben die radikalen Islamisten. Nach den Verlusten im Irak und Syrien hätten sich ehemalige Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in anderen Ländern der Region, aber auch in Asien und im südlichen Afrika festgesetzt. "An Nigerias Boko Haram zeigt sich, wie Gewalt sich übergangslos von der Sahelzone über das Tschadseebecken ausbreitet", so Open Doors. Zwar habe die Intensität der Verfolgung etwas abgenommen. Dennoch wurden in Nigeria mit 3.731 mehr Christen um ihres Glaubens willen ermordet als in allen Ländern zusammen. Auch bei Angriffen auf Kirchen (569) steht Nigeria ganz vorn. (KNA)

Christoph Arens
(KNA)

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