Christenverfolgung im Nahen Osten
Christenverfolgung im Irak

16.01.2019

Wieso nimmt die Anzahl verfolgter Christen so drastisch zu? Besorgniserregende Zahlen

Gewaltsame Übergriffe auf christliche Gläubige und Einrichtungen haben von China bis Afrika südlich der Sahara deutlich zugenommen. Teilweise können junge Christen keinen Gottesdienst besuchen. Was sind die Gründe?

DOMRADIO.DE: Allein die Zahl der dokumentierten Morde an Christen ist von 2782 im Vorjahreszeitraum auf nun 4136 gestiegen. Wie erklärt sich das?

Markus Rode (Leiter von​ Open Doors): Vorweg muss man sagen, dass dies nur die dokumentierten Morde sind, die aufgrund des Glaubens von Christen geschehen sind. Der größte Anstieg liegt mit großem Abstand bei Nigeria. Da waren es 2018 etwa 2000 dokumentierte Morde und jetzt sind es 3731. Das heißt, der mit Abstand größte Teil der ermordeten Christen, wude in Nigeria dokumentiert.

Das liegt daran, dass gerade muslimische Fulani-Hirten mit Allahu Akbar-Rufen immer mehr christliche Dörfer überfallen haben. Christen wurden getötet und Kirchen angezündet. Das ist eine der dramatischsten Entwicklungen, die Nigeria auch hinsichtlich der Gewalt gegen Christen ganz nach oben katapultiert hat.

DOMRADIO.DE: Am allerschlimmsten, so belegt es auch der Verfolgungsindex 2019, sieht es nach wie vor für Christen in Nordkorea aus. Man hätte denken können, dass zum Beispiel das Treffen zwischen US-Präsident Trump und Machthaber Kim Jong-Un zu gewissen Erleichterungen geführt hätte.

Rode: Das hätten wir uns sehr gewünscht. Wir haben auch hoffnungsvoll nach Nordkorea geschaut, aber leider hat sich die Situation nicht verbessert. Ganz im Gegenteil, haben wir festgestellt, dass die Grenzen noch engmaschiger gesichert wurden. Außerdem hat sich der Personenkult um Kim Jong- Un verstärkt. Wir haben beispielsweise einen BBC-Bericht vom 6. November, der das erste offizielle Porträt von Kim enthüllte.

Es gibt ein 90-seitiges Handbuch, welches an alle Mitarbeiter des Propagandaministerium ausgegeben wurde. In dem Buch wird das große Vermächtnis der Kims gerühmt. Insgesamt ist die Situation in den Arbeitslagern nach wie vor unfassbar. Christen werden zu Tode gefoltert und Wärter, denen es gelingt einen Christen zum Aufgeben seines Glaubens zu bewegen, werden befördert. Man kann sich vorstellen, was das dann bedeutet.

DOMRADIO.DE: Äußerst ungünstig hat sich auch die Lage der Christen in der Volksrepublik China entwickelt. China ist beim Negativ-Ranking von Platz 43 auf den 27. Platz gestiegen. Was ist da der Hintergrund?

Rode: In China gibt es eine neue Ära der kommunistischen Vorherrschaft und Partei unter Xie Jinping. Dieser strebt die absolute Kontrolle des kommunistischen Systems an, auch über die Religion.

Wenn man überlegt, dass Christen die weitaus größte gesellschaftliche Gruppe mit etwas über 80 Millionen Gläubigen darstellen - es gibt aber auch Schätzungen von 130 Millionen - dann ist diese Anzahl sogar größer als die Mitgliederzahl der Kommunistische Partei. Man merkt also, wie versucht wird, die Daumenschrauben enger zu ziehen. Zwar gibt es seit dem 1. Februar letzten Jahres ein neues Religionsgesetz. Dieses wurde zur Umsetzung von einer Zentralabteilung für religiöse Angelegenheiten in die Hände der kommunistischen Arbeiterpartei gelegt. Das hat dazu geführt, dass direkt vor Ort bei den Kirchen dieser Druck ankommt.

Man hat nicht nur die Kreuze von den Kirchen gerissen, sondern man hat 60 Prozent der Kirchen allein in der Provinz Henan geschlossen. Viel verrückter ist noch, dass neben den Kreuzen Porträts von Mao und Xie gehängt werden. Dadurch soll gezeigt werden, dass die Kommunistische Partei auch in den Gottesdiensten präsent ist. In den großen Gottesdiensten der staatseigenen Kirchen müssen jetzt Kameras hängen, die die Menschen scannen. Letztendlich wird außerdem gesagt, dass junge Christen, womit Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gemeint sind, grundsätzlich keine Gottesdienste besuchen dürfen. Hierdurch sollen sie von der christlichen Lehre komplett ferngehalten werden.

DOMRADIO.DE: Die Plätze zwei bis neun des Rankings zeigen das Staaten mit islamistischen Tendenzen oder Regierungen besonders unterdrückerisch Christen gegenüber sind.

Markus Rode: In der Tat gibt es eine Ausweitung des streng konservativen Islam, der sich weiter ausbreitet. Wir haben auf der einen Seite zwar positive Nachrichten, wenn wir auf Syrien und den Irak schauen. Der IS ist dort weitestgehend militärisch besiegt. Aber die Ideologie des IS lebt weiter in den Köpfen. Gleichzeitig haben sich viele dieser Splittergruppen, die jetzt aus dem Nahen Osten geflohen sind, in Subsahara-Afrika und Asien festgesetzt.

Sie gehen von dort speziell in die sogenannten "failed states", also in die Staaten, die gescheitert sind. Besipiele dafür sind Somalia und Lybien. Dort haben sie ein großes Potenzial, dort leben Menschen in Armut und Korruption bestimmt den Tag. Dort können sie sich neu sammeln, neu rekrutieren und dann erleben wir auch, dass Übergriffe in mehr christlichen Staaten stattfinden. Christliche Mehrheiten werden attackiert. Beispielsweise liegt in Kenia eine muslimische Mehrheit an der Grenze zu Somalia. Dort kommen immer wieder Kämpfer von der militanten islamistischen Bewegung al-Shabaab rüber und Christen werden ermorden.

DOMRADIO.DE: Das alles klingt sehr besorgniserregend. Was können wir Christen in sicheren Staaten tun, um unsere Solidarität mit den Verfolgten Glaubenssgeschwistern zu zeigen?

Rode: Das Wichtigste ist zunächst natürlich, dass es eine Öffentlichkeit für die Situation der verfolgten Christen gibt und versteht, wie es ihnen überhaupt geht. Außerdem müssen besonders wir als Christen, aber auch die Regierungen in den westlichen Staaten ihre Stimme erheben und intervenieren. Deutlich gemacht werden muss, dass gesehen wird, was dort geschieht. Wir haben Informationen, alleine schon durch den Weltverfolgungsindex, und wir prangern das Geschehen in diesen Staaten an.

Außerdem können wir den verfolgten Christen selber zeigen, dass wir für sie beten, für sie eintreten und wir ihnen natürlich in ihrer Situation vor Ort helfen. Das geschieht durch Projekte, die vor Ort umgesetzt werden. Es gibt sehr viele traumatisierte Kinder und Jugendliche aus christlichen Kreisen, die einfach behandelt werden müssen, denen geholfen werden muss. Diese Verntwortung von uns Christen hier im Westen müssen wir übernehmen.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(DR)

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