Menschenrechte werden vielerorts eingeengt
Religionsfreiheit und Menschenrechte sind vielerorts eingeengt
Martin Lessenthin
Martin Lessenthin

20.11.2018

Blick auf die Religionsfreiheit im Jahr 2018 Muskelspiele mit dem Glauben

Ob es Sunniten und Schiiten sind, die Rohingya in Myanmar oder das Blasphemie-Gesetz rund um die Verfolgung von Asia Bibi in Pakistan: Viele Konflikte weltweit sind religiös motiviert. Wie steht es also um die Religionsfreiheit im Jahr 2018?

DOMRADIO.DE: Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte und die Weltweite Evangelische Allianz haben jetzt die Jahrbücher zur Religionsfreiheit und Christenverfolgung 2018 veröffentlicht. Wo drückt der Schuh denn im Moment besonders, wenn man über das Thema Religionsfreiheit spricht?

Martin Lessenthin (Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte / IGfM): Im Moment blicken wir nach Pakistan. Dort beherrschen militante Extremisten die Straße und fordern den Tod von Asia Bibi. Wir blicken aber auch nach Ägypten, wo es Anschläge auf Angehörige der christlichen Minderheit gibt. Bombenanschläge, Brandschatzung von Kirchen oder Häusern koptischer Christen gehören leider mittlerweile zur Tagesordnung. Es gibt leider viele dieser Schauplätze.

Wenn wir aus 2018 Bilanz ziehen, wird deutlich, dass es den Minderheiten dort, wo es Blasphemie-Gesetze gibt oder wo religiöse Extremisten darauf verweisen können, dass religiöses Denken auch Teil der Verfassungen ist, sehr schlecht geht.

Zu diesen Minderheiten gehören Christen, aber auch in Ländern wie zum Beispiel dem Iran oder Pakistan Bahai oder Ahmadiyya-Muslime. Diese Minderheiten werden von einer intoleranten, anderen muslimischen Mehrheit in Furcht und Schrecken versetzt. In Pakistan sind diese ebenfalls vom Blasphemie-Gesetz betroffen.

DOMRADIO.DE: Es wird oft gesagt, dass das Christentum die meist verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt sei. Trifft das im Jahr 2018 auch noch zu?

Lessenthin: Das Christentum ist die auf unserem Planeten am meisten verbreitete Religion. Wenn die Frage gestellt wird, in welchen Ländern Angehörige einer bestimmten Religion nicht im Staatsdienst arbeiten können, dann sind Christen auf jeden Fall die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft.

Wenn auf andere Kriterien Bezug genommen wird, können differenziertere Ergebnisse verzeichnet werden. Beispielsweise, wenn man die Frage stellt, in welchem Land am meisten religiöse Opfer im Gefängnis oder in Zwangsarbeitslagern sitzen. Dann müsste man zu dem Resultat kommen, dass alleine in China eine Million Uiguren in Umerziehungslagern und psychiatrischen Kliniken gefoltert werden.

DOMRADIO.DE: Ist es denn wirklich so, dass das Thema Religion momentan ein so großes Konfliktpotenzial bietet?

Lessenthin: Es ist ganz deutlich, dass dieses Thema wichtiger geworden ist und dass religiöser Eifer genutzt wird, um Machtfragen zu entscheiden. Das Problem ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Mittlerweile sind auch Länder betroffen, in denen vorher Toleranz an erster Stelle stand.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn Dinge, die sich verbessert haben? Kann man in mancher Hinsicht sagen, dass es den religiösen Minderheiten besser als im letzten Jahr geht?

Lessenthin: Es gibt Länder, die als positive Beispiele dargestellt werden. Schaut man beispielsweise auf Albanien, ein Land mit einer großen muslimischen Mehrheit, die in Frieden und Toleranz mit einer christlichen Minderheit zusammenlebt. Daran sieht man, dass Religion positiv und konfliktverhindernd wirken kann, weil sich die religiösen Führer miteinander verstehen. Sie führen Dialog miteinander und leben partnerschaftlich. Sie betrachten sich nicht als Feinde. In anderen Ländern könnte man negative Beispiele anführen. Dennoch sollte dieses positive Beispiel als Vorbild genommen werden.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

Die schönsten Lieder des Mitmach-Chorfestivals

Das Mitmach-Chorfest in der Kölner Lanxess-Arena mit 15.000 Teilnehmern aus allen kirchenmusikalischen Gruppen des Erzbistums. Jetzt alle Videos verfügbar!

Programm im Advent und an Weihnachten

Das volle Programm im DOMRADIO und auf DOMRADIO.DE!

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 10.12.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Die Warnstreiks bei der Deutschen Bahn
  • Buch über das Thema "Mut"
  • Der Vatikan und die UN-Menschenrechte
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Konferenz in Marrakesch zum "Migrationspakt"
  • Mut-Mach-Geschichten im Adventskalender
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Konferenz in Marrakesch zum "Migrationspakt"
  • Mut-Mach-Geschichten im Adventskalender
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Blättern im neuen Gotteslob
    10.12.2018 20:00
    Anno Domini

    Mystiker des 20. Jahrhundert

  • Matthäusevangelium
    11.12.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 18,12–14

  • "Die Nacht ist vorgedrungen" - Adventslied von Jochen Klepper
    11.12.2018 09:20
    Anno Domini

    Dichter geistlicher Lieder

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.