Weltweit werden Christen verfolgt
Weltweit werden Christen verfolgt

11.01.2017

Open Doors veröffentlicht Weltverfolgungsindex 2017 Direkte Gewalt und diskriminierende Gesetze

Christen sind die meistverfolgte Gruppe der Welt - betont Open Doors. Jährlich veröffentlicht die Hilfsorganisation den Weltverfolgungsindex. Glaubt man dem neuesten Bericht, ist die Zahl der Verfolgten stark gestiegen.

Die Farbmarkierungen auf der Weltkarte von "Open Doors" sind eindeutig: Vor allem im Mittleren Osten, aber auch im Norden und Osten Afrikas sowie im südlichen Asien häufen sich rote und orangefarbene Fähnchen, die auf starke Christenverfolgung hinweisen. Zum wiederholten Mal hat die international agierende evangelikale Organisation am Mittwoch einen "Weltverfolgungsindex" veröffentlicht, der eine Rangliste der 50 Länder mit der schlimmsten Christenverfolgung enthält.

Von einer weiter zunehmenden Verfolgungsdynamik ist die Rede. Hatte Open Doors im vergangenen Jahr von deutlich mehr als 100 Millionen verfolgten Christen gesprochen, so bezifferte die Hilfsorganisation diese Zahl jetzt aufgrund einer "Neueinschätzung" auf rund 200 Millionen. Schuld daran sei vor allem radikaler Islamismus. Aber auch ein wachsender Nationalismus in hinduistisch oder buddhistisch geprägten Staaten Asiens setze Christen massiv unter Druck, heißt es.

Was ist Christenverfolgung?

Die Zahlen von Open Doors sind umstritten, weil eine exakte Definition von Verfolgung äußerst schwierig ist. Sie reicht von direkter Gewalt über diskriminierende Gesetze bis hin zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. Oft gibt es Verbindungen zwischen sozialen, politischen und religiösen Gegensätzen. Die beiden großen Kirchen verzichten lieber darauf, konkrete Zahlen zu nennen. Doch Open Doors verteidigt die Statistiken und ist stolz, das Thema überhaupt nach vorn gebracht zu haben. Es gehe darum, die Perspektive verfolgter Christen einzunehmen, betont Geschäftsführer Markus Rode.

Heribert Hirte, Vorsitzender des Stephanuskreises der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist sich sicher, dass grundsätzlich vermehrt Christen verfolgt werden: "Die Indikatoren, die wir in der ganzen Welt erleben, und die sich auch mit den Rückmeldungen bei uns decken, sind, dass die Verfolgung von Christen zunimmt, dass die Einschränkungen der Religionsfreiheit zunehmen", sagte er im domradio.de-Gespräch. Ob die Zahlen von Open Doors exakt sind, sei unklar. Die Berechnung der Zahlen sei eben mit Schwierigkeiten verbunden. Der Stephanuskreis ist ein überkonfessionelles Gesprächsforum, das für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmert.

Den Weltverfolgungsindex von Open Doors führt erneut Nordkorea an: Die 300.000 Christen könnten unter der Herrschaft von Kim Jong-un nur im Untergrund überleben. Etwa 70.000 von ihnen seien Folter und härtester Zwangsarbeit ausgesetzt. Von Platz 4 auf 2 vorgerückt ist Somalia, wo nur einige hundert Christen leben, die vom Islam konvertiert sind. "Im Falle ihrer Entdeckung müssen sie damit rechnen, auf der Stelle ermordet zu werden", sagt Rode.

Oft ist islamische Unterdrückung der Grund für die Verfolgung

Hart getroffen wurde die Kirche in Pakistan (Rang vier), wo allein am Ostersonntag 2016 in Lahore mehr als 50 Christen bei einem Anschlag den Tod fanden. Im Sudan (Rang fünf) lässt der islamistische Präsident Omar Bashir laut Bericht in den überwiegend von Christen bewohnten Nuba-Bergen Bomben abwerfen und zerstört christliche Schulen, Krankenhäuser und Kirchen. Syrien und der Irak folgen auf den Plätzen sechs und sieben - hier habe die systematische Vertreibung 2016 die fast 2.000 Jahre dort lebenden christlichen Gemeinschaften an den Rand des Verschwindens gebracht.

In acht der zehn erstplatzierten und in 35 der 50 aufgeführten Länder ist der Analyse zufolge islamische Unterdrückung Ursache der Verfolgung. Für die Verschärfung macht Open Doors neben islamistischen Regimes auch Netzwerke wie Boko Haram und Al-Shabaab verantwortlich, die in ihren Gesellschaften immer mehr Einfluss gewönnen. Sie gründeten mit Hilfe aus Saudi-Arabien Schulen mit extremistischer Prägung in Somalia, aber auch in Kenia oder Niger, schleusten Anhänger in öffentliche Ämter oder kontrollierten den Bau von Moscheen.

Indien so hoch platziert wie nie zuvor

Verantwortlich für Verfolgungen sind laut Hilfsorganisation aber auch verunsicherte Regierungen, die Ressentiments gegen religiöse Minderheiten schürten. Besonders hervorgehoben wird Indien, das erstmals auf Platz 15 zu finden ist: Unter dem seit 2014 regierenden Premier Narenda Modi und seiner religiös-nationalistischen Partei BJP verprügelten Hindu-Nationalisten Pastoren, zerstörten Kirchen und forderten Konvertiten auf, zum Hinduismus zurückzukehren.

Ähnliche Entwicklungen sieht Open Doors auch in anderen asiatischen Ländern: Buddhistisch motivierter Nationalismus führe zur systematischen Benachteiligung von Christen in Bhutan und in Sri Lanka. "In China hat die Sorge vor ausländischem Einfluss dazu geführt, dass neue Regeln eingeführt wurden, verbunden mit einer Warnung an die Christen, vor feindseligen ausländischen Kräften auf der Hut zu sein", schreibt Open Doors. Partei-Chef Xi Jinping habe seinen Untergebenen geraten, wenn man schon einer Religion angehören müsse, solle man doch bitte eine chinesische wie den Konfuzianismus ausprobieren.

Vorgehen gegen Christenverfolgung

Was aber tun gegen die Christenverfolgung? Der Stephanuskreis-Vorsitzende Hirte sagte gegenüber domradio.de, dass die Politik versuche den Staaten gegenüber Druck zu machen: Beispielweise durch das Streichen von Entwicklungshilfe. Die Arbeit von Open Doors sei eine wichtige Sache, damit das "Bewusstsein für die Bedeutung von Religion, aber auch für die religionsbedingte Verfolgung geweckt wird".

(KNA, dr)

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