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Katholische Gemeinde Sankt Paul in Istanbul
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04.01.2017

Der Islamische Staat und die Christen in der Türkei "Nazarener" im Visier des IS

Die Terrormiliz IS hat das Massaker im Istanbuler Nachtclub "Reina" ausdrücklich als Aktion gegen Christen bezeichnet. Diese könnten in der Türkei nun zunehmend ins Visier islamistischer Extremisten geraten.

Die Christen in der Türkei blicken mit großer Sorge in die Zukunft. Ihre ohnehin schwierige Lage dürfte sich nach dem Terroranschlag des "Islamischen Staates" (IS) auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" weiter verschärfen. Der IS hatte in seinem am Montag veröffentlichten Bekennerschreiben explizit erklärt, dass die in dem Club feiernden "Nazarener", also Christen, das Ziel der Attacke gewesen seien. Daher stellt sich jetzt die Frage, ob die christlichen Gemeinden in der Türkei insgesamt ins Visier des IS geraten könnten.

Wörtlich hieß es in dem Bekennerschreiben: "In Fortsetzung der gesegneten Operationen des Islamischen Staates gegen die Beschützerin des Kreuzes, die Türkei, hat einer der heldenhaften Soldaten des Kalifats gegen den Nachtclub zugeschlagen, wo die Nazarener ihr polytheistisches Fest feiern. Er hat sie mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feier in Trauer umgewandelt." Mindestens 39 Menschen hatte der Todesschütze getötet und etwa 70 weitere verletzt.

Christen verstärkt Angriffsziel?

Noch gibt es von Vertretern der griechischen oder armenischen Gemeinde in Istanbul keine Stellungnahme dazu, ob Christen nun verstärkt von der islamistischen Terrormiliz attackiert werden könnten. Doch wenn die Türkei, wie vom "IS-Kalifen" Abu Bakr al-Bagdadi gefordert, verstärkt Angriffsziel der Terrormiliz werden sollte, könnten auch die Christen im Lande davon betroffen sein.

Bisher hat der IS in den von ihm eroberten Gebieten im Nordirak Christen - anders als die kleine Glaubensgemeinschaft der Jesiden - nicht gezielt getötet, sondern vor allem vertrieben. Sollte sich die Terrorgruppe jedoch entscheiden, Christen in der Türkei anzugreifen, dürfte ihr das logistisch nicht schwerfallen.

Wie die zunächst vergebliche Fahndung nach dem "Reina"-Attentäter anscheinend bestätigt, kann der IS in der Türkei auf ein breites Unterstützernetz zurückgreifen. In einer repräsentativen Meinungsumfrage äußerten außerdem bis zu acht Prozent der Einwohner der Türkei ganz offen, dass sie mit dem IS sympathisieren. Das sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sechs Millionen Einwohner.

Am Mittwochmorgen konnte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu immerhin bekanntgeben, dass der Attentäter "identifiziert" sei. Weitere Details - etwa den Namen des Todesschützen - nannte er aber zunächst nicht.

Türkische Regierung unternimmt wenig zum Schutz

Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan unternimmt insgesamt wenig, um die Christen im Land zu schützen. Stattdessen wird die zunehmende Islamisierung immer deutlicher. Zwar verläuft die wesentliche Konfliktlinie zwischen religiösen und säkularen Türken.

Wenn aber die staatliche Religionsbehörde Stimmung gegen die angeblich "unislamischen" Weihnachts- und Silvesterbräuche macht, sind davon auch die Christen im Land betroffen. Zumindest können sich islamistische Extremisten ermutigt fühlen, Christen anzugreifen.

Die meisten säkularen Türken fühlen sich schon jetzt nicht mehr von ihrer Regierung geschützt. Die christlichen Gemeinden hoffen bis jetzt, unbehelligt zu bleiben und nicht in die innenpolitischen Konflikte hineingezogen zu werden. Doch die Spannungen in der Türkei werden von Woche zu Woche größer. Die Unsicherheit wächst. Die Weihnachtsfeiern in den christlichen Gemeinden blieben zwar friedlich, doch waren sie längst nicht so gut besucht wie in den Jahren zuvor.

Jürgen Gottschlich und Norbert Demuth
(KNA)

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