Ausgebrannter Teil des Klosters in Tabgha am 18.6.15
Brandschäden in Tabgha
Brandschäden am Dach im Kloster in Tabgha
Abgebranntes Dach im Kloster in Tabgha

19.06.2015

Nach Klosterbrand Geheimdienst eingeschaltet Tiefer Schock

Nach einem Brandanschlag auf das deutsche Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Inlandsgeheimdienst eingeschaltet. Der Nachrichtendienst solle beschleunigte Ermittlungen durchführen.

Das meldete der israelische Sender i24news am Donnerstag. Unterdessen teilte ein Polizeisprecher mit, 16 tatverdächtige jüdische Jugendliche seien nach einer Befragung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Unbekannte hatten in der Nacht zum Donnerstag Feuer an den erst 2012 eingeweihten Klosterneubau gelegt. Der Südflügel der Anlage mit dem Empfangsraum für Gäste, der Klosterpforte sowie weiteren Funktionsräumen wurde nach Darstellung eines Klostersprechers teils vollständig zerstört.

Eine 19-jährige Volontärin, deren Alter zunächst mit 20 angegeben worden war, konnte zwischenzeitlich aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ein 80-jähriger Mönch wurde noch am Donnerstagabend wegen Rauchvergiftung stationär behandelt.

Auf einer Wand des Klosters fand sich ein hebräischer Schriftzug mit der Forderung "Falsche Götzenbilder müssen zerschlagen werden". Dabei handelt es sich um ein Zitat aus einem jüdischen Gebet.

Kein Alltagsgeschäft möglich

Abtei-Sprecher Nikodemus Schnabel sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der materielle Schaden lasse sich noch nicht beziffern. Schwerer wögen jedoch die psychologischen Folgen. "Der Schock sitzt tief", sagte Schnabel. Man könne nicht ohne weiteres zum Alltagsgeschäft übergehen. Das Kloster mit seinen berühmten byzantinischen Bodenmosaiken, Ziel von durchschnittlich 5 000 Gästen am Tag, bleibe bis auf weiteres geschlossen.

Mit dem Anschlag hätten Angriffe auf christliche Einrichtungen «eine neue Dimension» erreicht, sagte Schnabel. Zugleich seien Betroffenheitsbekundungen von Politikern und Vertretern aller Religionsgemeinschaften eingegangen. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin telefonierte demnach persönlich mit dem Abt der Dormitio, Gregory Collins.

Der Sprecher sagte weiter, es müsse ein Umdenken einsetzen, wie der Staat Kirchen und andere religiöse Einrichtungen schützen könne. Jetzt sei die Frage, ob den Worten der Solidarität auch Taten folgten. So gebe es bis heute keine Ermittlungsergebnisse zu einem Brandanschlag im Mai 2014 auf die Dormitio-Abtei in Jerusalem.

16 Religionsstudenten festgenommen

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Brandes in Tabgha hatte sich der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, zu dem Kloster begeben. Er verlangte eine zügige und gründliche Aufklärung. Sicherheitsminister Gilad Erdan verurteilte die Tat. Israel werde Angriffen auf die Toleranz zwischen Religionen "mit null Toleranz begegnen".

Bei den 16 vorübergehend festgenommenen Jugendlichen handelte es sich nach Angaben der Zeitung «Haaretz» um jüdische Religionsstudenten aus Siedlungen im Westjordanland. Sie erhielten Rechtsbeistand von der rechtsnationalen Organisation Honenu, so die Zeitung.

(KNA)

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