Christen: rund 2,3 Milliarden weltweit
Christen: rund 2,3 Milliarden weltweit

01.07.2013

Bericht zur Religionsfreiheit der Kirchen In 111 Ländern bedrängt oder verfolgt

Sind Christen die "meist verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt"? Entsprechende Ranglisten stehen oft in der Kritik. Die großen christlichen Kirchen beschreiten deshalb einen neuen Weg.

Erstmals haben sie am Montag einen gemeinsamen "Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit" vorgelegt. Ausdrücklich betonen sie, dass die Studie aus Gründen wissenschaftlicher Redlichkeit "eher zurückhaltend" mit Opferzahlen umgehe. Nicht jeder Konflikt, in dem Christen zu Schaden kommen, habe religiöse Gründe. "Und nicht jeder Fall von brutaler Gewalt gegenüber Christen hat seine unmittelbare Ursache im Glauben an Jesus Christus." Zudem zerstreuen die Autoren den Verdacht, für Christen eine Sonderstellung zu beanspruchen. Dort, wo ihre Religionsfreiheit eingeschränkt sei, werde häufig auch die Freiheit anderer Religionen missachtet. Es gebe einen Nährboden für solche Beschränkungen.

Fest steht laut Studie aber, dass Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit zugenommen haben: Verantwortlich dafür seien einerseits Regierungen, andererseits aber nichtstaatliche soziale und religiöse Gruppen. Die Studie zählt Ägypten, Indonesien, Saudi Arabien, die Russische Föderation, Myanmar, Iran, Vietnam, Pakistan, Indien, Bangladesch und Nigeria zu den Ländern mit den stärksten Einschränkungen der Religionsfreiheit. In 64 Ländern seien erhebliche Restriktionen durch Regierungen nachweisbar - etwa durch Gesetze gegen Gotteslästerung oder Bevorzugung bestimmter Gemeinschaften. Weil sich darunter Staaten mit hoher Bevölkerungszahl wie China, Indien und Russland befinden, unterliegen rund 70 Prozent der Weltbevölkerung einem hohen oder sehr hohen Maß an Restriktionen.

Die am stärksten betroffene Region ist der Mittlere Osten und Nordafrika (Wertung 4,9). Beschränkungen sind dort fünf Mal größer als in Süd-, Mittel- und Nordamerika (1,0). In der Negativ-Rangliste folgt die Region Asien-Pazifik (3,3). Auch Europa ist mit 1,9 nur Mittelmaß: Dafür verantwortlich ist die kritische Lage der Glaubensfreiheit in Ländern Osteuropas. Allerdings haben auch restriktive Maßnahmen westeuropäischer Länder - etwa gegen den Minarett-Bau in der Schweiz - die Rangfolge negativ beeinflusst. Länder der Sub-Sahara (1,4) und Amerika schneiden am besten ab (1,0). Mit Blick auf eingeschränkte Glaubensfreiheit durch nichtstaatliche Gruppierungen sieht der Bericht ähnliche Rangfolgen. Indien und Nigeria machen zugleich deutlich, dass Einschränkungen der Religionsfreiheit oft von starken Rivalitäten zwischen Religionsgemeinschaften herrühren.

Empfehlung zu "klugem politischen Engagement"

Eine Rangliste der am stärksten verfolgten Religionen vermeidet die Studie: Christen und Muslime würden schon allein wegen ihrer großen Bevölkerungszahl am meisten beeinträchtigt. Betroffen sind aber auch Bahais und Sufis im Iran, Ahmadiyyah in Indonesien und Pakistan, Uighuren in China, nichtorthodoxe Christen in Russland und Juden im Iran, in Ägypten, Frankreich oder Ungarn. Christen werden in 111 Staaten bedrängt und verfolgt: In 95 Ländern schränkten staatliche Akteure ihre Religionsfreiheit ein, während soziale Anfeindungen durch Gruppen oder Individuen in 77 Ländern ausgewiesen wurden.

Um die Religionsfreiheit zu erhöhen, empfiehlt die Studie "kluges politisches Engagement". Sie moniert, dass die USA bislang - neben dem Heiligen Stuhl - der einzige wichtige Staat seien, der das Menschenrecht auf Religionsfreiheit zum Bestandteil der Außenpolitik erhoben habe. Darüber hinaus raten die Kirchen zu religionsübergreifenden Bündnissen: So könnten Christen mit gemäßigten Muslimen zusammenarbeiten, die ebenfalls eine Radikalisierung ihrer Religion fürchten. Glaubwürdig werde der Einsatz dann, wenn er sich nicht auf die Glaubensgeschwister beschränke, sondern auf die Freiheitsrechte aller Menschen ziele.

Christoph Arens
(KNA)

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