Christen in China
Christen in China

11.04.2013

Experte zur Situation der Kirche in China Verstreut im Riesenreich

Seit 25 Jahren baut das China-Zentrum der katholischen Kirche Brücken zwischen Religion und Kultur des Westens und der Volksrepublik China. Über die Situation der Kirche im Reich der Mitte informiert Instituts-Direktor Martin Welling.

KNA: Pater Welling, Sie haben als Steyler Missionar 22 Jahre in Taiwan gelebt. Wie präsent ist Ihnen die chinesische Kultur noch?

Welling: Durch die tägliche Arbeit im China-Zentrum und durch den ständigen Kontakt mit unseren chinesischen Priestern und Schwestern bleibt man natürlich der chinesischen Kultur verbunden. Bisweilen geschieht es sogar, dass mir eher ein chinesisches Wort einfällt als das geforderte deutsche.

KNA: China entwickelt sich derzeit zur wirtschaftlichen Weltmacht und nimmt auch sonst immer mehr Einfluss auf die Weltpolitik. Wächst da parallel auch das Interesse der katholischen Kirche Europas?

Welling: Es gibt durchaus ein signifikantes Interesse innerhalb und außerhalb der Kirche an den Entwicklungen in China, das zeigt schon der Einsatz vieler Hilfswerke und Ordensgemeinschaften als Mitglieder beim China-Zentrum. Wurden viele diesbezügliche Aktivitäten Jahre lang von Ordensgemeinschaften getragen, die schon seit Jahrzehnten oder auch seit Jahrhunderten in China tätig waren, so macht uns Sorge, dass die älteren China-Experten unter den Ordensleuten langsam aussterben - und angesichts des Nachwuchsmangels vieler Gemeinschaften auch nicht mehr so viele nachrücken. Umso wichtiger ist eine Vernetzung der Einrichtungen der Kirche, die sich mit China befassen.

KNA: Ihr Zentrum schafft Kontakte zwischen deutschen und chinesischen Kirchenrepräsentanten, organisiert Delegationsreisen und gemeinsame Tagungen. Wie frei können Sie arbeiten?

Welling: Wir können eigentlich relativ frei arbeiten, schließlich haben wir ja auch nichts zu verstecken und zu verheimlichen. In unserer Arbeit machen wir keinen Unterschied zwischen der offenen, staatlich registrierten und der Untergrundkirche. Wir haben gute Beziehungen zu akademischen Kreisen, die sich mit Religionen beschäftigen, und durchaus auch zu manchen offiziellen Stellen. Natürlich muss man bei manchen Veranstaltungen oder Kontakten überlegen, ob man Gesprächspartner und Gastgeber gefährdet.

KNA: Wie ist das Verhältnis zwischen chinesischen Katholiken und der Regierung derzeit?

Welling: Erzbischof Hon Taifai sagte einmal, chinesische Politik sei wie eine Ziehharmonika: Bisweilen holen sie aus, dann spürt die Kirche relative Freiheit, dann wieder drücken sie den Balg der Ziehharmonika zusammen, machen also Druck. Die letzten 30 Jahre waren durch dieses Wechselspiel von Druck und Luftholen gekennzeichnet. Derzeit sind die Beziehungen eher gestresst, und zwar unter anderem durch Bischofsweihen, bei denen entweder der Weihekandidat keine Zustimmung aus Rom hatte oder bei denen Bischöfe weihten, die selbst nicht mit Zustimmung des Vatikans geweiht worden waren. Der Paragraph 36 der Verfassung, der die Religionsfreiheit garantiert, verbietet ausdrücklich jegliche Einmischung von außen. Bei jeder Bischofsweihe geht es darum zu zeigen, wer letztendlich das Sagen in den wichtigsten Angelegenheiten der Kirche Chinas hat: der Vatikan oder die chinesische Regierung. So lange die Kirche sich an die von der kommunistischen Partei erlassenen Vorschriften und Regeln hält und die Behörden das Gefühl haben, dass sie das kirchliche Wirken kontrollieren können, kann sich die Kirche relativ frei entfalten.

KNA: Dabei sind die 12 bis 14 Millionen Katholiken doch eher eine verschwindend kleine Minderheit. Wie wichtig ist sie in den Augen der Behörden?

Welling: Es mag sein, dass die Kirche bisweilen als eine Art Stachel im Fleisch Chinas empfunden wird, aber als eine große Gefahr wird sie wohl nicht gesehen, dazu ist sie rein zahlenmäßig zu unbedeutend. Die Katholiken leben weit verstreut im Riesenreich und haben kaum Möglichkeiten, sich effektiv zu vernetzen, um so mit einer Stimme zu sprechen. Außerdem versuchen die Behörden, die Kontakte zur Weltkirche möglichst gering zu halten. Geschätzt wird das soziale Engagement - gerade angesichts der immer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich.

KNA: Wer kommt dann zur katholischen Kirche in China?

Welling: Nach der Öffnung des Landes in den 80er Jahren war das Christentum für chinesische Intellektuelle sehr attraktiv. Sie wollten es aus wissenschaftlicher oder humanitärer Perspektive kennenlernen. Die wenigsten haben sich aber taufen lassen. Taufen lassen sich heute vor allem jüngere Menschen. Das mag daran liegen, dass gerade Studenten und Schüler von jungen, missionarisch engagierten Katholiken angesprochen und ermutigt werden. Aber auch auf dem Land gibt es viele Bemühungen, den Menschen den Glauben zu vermitteln.

KNA: Wie sieht es mit Priesterberufungen in China aus?

Welling: Gegenwärtig ist leider ein Drittel der Priesterseminare in China geschlossen, teils aus politischen Gründen, aber auch, weil es schlicht weniger Berufungen gibt. Dies mag zum Teil an der Problematik der Ein-Kind-Politik liegen. Ich glaube aber, dass die Faszination des Priesterberufs heute nicht mehr so stark ist wie noch in den 1980er und 90er Jahren. Vielleicht, weil auch traditionell katholische Landgemeinden, die eigentliche Quelle der Priesterberufungen, nicht mehr so homogen sind wie früher, und die jungen Katholiken inzwischen mit mehr unterschiedlichen weltanschaulichen Meinungen und Positionen konfrontiert sind. Genaue Untersuchungen gibt es dazu allerdings noch nicht.

KNA: Was muss das China-Zentrum vor diesem Hintergrund in den kommenden Jahren leisten?

Welling: Wichtig bleibt das Bemühen um gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen. Dazu bedarf es auch in Zukunft der Informationen über China, die wir etwa in der Zeitschrift "China heute" veröffentlichen. Diese Informationsarbeit gilt es zu verbessern und erweitern. Was die theologische Weiterbildung angeht, haben wir uns auf Priester und Ordensleute konzentriert. Wichtig wäre es, sich auch in dem Bereich der theologischen Aus- und Weiterbildung katholischer Laien zu engagieren.

Das Interview führte Christoph Arens

 

(KNA)

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