Ehemaliger Abtprimas Notker Wolf
Ehemaliger Abtprimas Notker Wolf

08.04.2013

Abtprimas Wolf zur Situation in Nordkorea "Glaube nicht an einen Krieg"

 Als oberster Repräsentant von rund 23.000 Benediktinern ist Abtprimas Notker Wolf weltweit viel unterwegs. Auch in Nordkorea ist er schon mehrere Male gewesen. Ein Gespräch über das Land und die schwierige Lage der katholischen Kirche dort.

KNA: Abtprimas Notker, wie schätzen Sie aus Ihrer Erfahrung die derzeitige Situation in Nordkorea ein?

Wolf: Wie immer ist die politische Lage völlig undurchsichtig. Das ist Teil der Strategie in Nordkorea. Die Kommentatoren tun sich schwer. Ich glaube kaum, dass Kim Jogn Un einen Krieg beginnt. Er wird vielleicht am 15. April eine Rakete zum Geburtstag seines Großvaters starten. Vielleicht meint er, die anderen könnten zurückschlagen, falls er dabei Japan oder ein Gebiet der USA trifft, und rät deshalb den ausländischen Botschaften, ihre Gebäude zu verlassen.

KNA: Sind das Machtspiele eines jungen Diktators, der sich erproben will?

Wolf: Die schlimmste Version wäre, die ganze Nation in einen "begeisterten Selbstmord" zu treiben, weil ihm und der Bevölkerung das Wasser bis zum Halse steht. Oder es wäre einfach ein blinder Versuch, aus der jetzigen Situation auszubrechen, was immer auch geschehen mag, nach dem Motto: Schlimmer kann es nicht werden. Es wäre aber auch denkbar, dass er sich vor seinen Generälen behaupten und nach außen hin Stärke zeigen möchte.

KNA: Und was will er damit erreichen?

Wolf: Auf jeden Fall möchte er, dass sein Land in der Weltgemeinschaft der Staaten ebenbürtig behandelt wird und  nicht als Macht zweiter Klasse. Mir wurde mehrfach gesagt: Wenn wir Atomwaffen haben, werden wir nicht angegriffen. Hätte Saddam Hussein wirklich eine Atombombe gehabt, wäre der Krieg nicht ausgebrochen. Das jetzige Verhalten ist ein Spiel mit dem Feuer und verlangt von den anderen großes diplomatisches Geschick.

KNA: Welche Rolle kommt in diesem letzten, absolut kommunistischen Land der katholischen Kirche zu?

Wolf: Die katholische Kirche spielt keine Rolle. Es gibt in Pjöngjang eine offizielle katholische Kirche, aber es gibt im ganzen Land keinen einzigen Priester. Wie viele Gläubige es tatsächlich gibt, können wir nicht wissen. Natürlich ist in Pjöngjang bekannt, dass wir Benediktiner in der Sonderwirtschaftszone Rason im äußersten Nordosten des Landes ein Krankenhaus gebaut haben. Aber ich hatte es im Wesentlichen mit den lokalen Behörden zu tun.

KNA: Sorgen Sie sich um ihre benediktinischen Mitbrüder vor Ort?

Wolf: In Nordkorea gibt es keine Benediktiner mehr. Sie wurden 1949 in Pjöngjang eingekerkert und danach in Gefangenenlager gebracht. Die Überlebenden sind im Januar 1954 nach Deutschland zurückgekehrt und haben mit den aus dem Norden geflohenen koreanischen Benediktinern wieder in Südkorea eine Abtei und etliche Pfarreien aufgebaut. Ich verfolge die gegenwärtige Situation genau, weil das auch unsere Abtei Waegwan im Süden des geteilten Landes betrifft.

KNA: Wie ist man Ihnen bei Ihren Besuchen in Nordkorea begegnet?

Wolf: Wir wurden immer sehr gut behandelt. Man wusste es zu schätzen, dass wir uns für die Bevölkerung einsetzen. Allerdings konnten wir nie direkt mit den Leuten sprechen; denn angeblich wussten diese nicht, wie man sich Ausländern gegenüber verhält. Wir hatten daher immer mit Behörden zu tun, die sich um uns kümmerten.

Das Gespräch führte Barbara Just.

(KNA)

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