08.03.2013

Chinas Katholiken haben es nicht leicht – und große Erwartungen an den neuen Papst Diener des Herrn, nicht Pekings

Inhaftierte Bischöfe – das ist ein Bild, das einem zu "Katholiken in China" einfällt. Ein Bild das Shi Ming, Journalist aus China, bestätigt: Im domradio.de-Interview spricht er über Lage und Hoffnungen der Katholiken in seinem Heimatland.

domradio.de: Wie praktizieren Katholiken in China ihren Glauben?

Shi Ming: Kirchen gibt es in einer offiziell zugelassenen Form durchaus, es gibt sogar auch Bauten der Kirchen, in die von der KP anerkannten Katholiken an Sonntag strömen dürfen. Was sie aber absolut nicht dürfen, auch nicht die anerkannten Christen, sind Prozessionen. Außerdem verboten ist die sogenannte Untergrundkirche, insbesondere bei den Katholiken.

domradio.de: Womit müssen Gläubige rechnen, die sich offen zur katholischen Kirche bekennen und ihre Religion ausüben?

Shi Ming: Ein Katholik organisiert in der offiziellen Kirche muss sich zum chinesischen Patriotismus bekennen, das ist der Kompromiss, angeboten von der KP. Ein Katholik darf sagen, dass der Papst für ihn wichtiger als der Führer in Peking ist. Aber er darf nicht sagen, dass China nicht so wichtig wie der Vatikan ist.

domradio.de: Wie würden Sie das aktuelle Klima zwischen Rom und Peking beschreiben?

Shi Ming: Es ist stark unterkühlt, aber es ist auch äußerst ambivalent. Beispielsweise hat Peking immer wieder angedeutet: Solange der Vatikan die Erzbischöfe akzeptiert, die durch Pekings Behörden abgesegnet wurden, würde die Beziehung gut gehen. Dennoch gelingt das nicht. Erzbischöfe werden behindert in ihrer Arbeit, werden sogar verhaftet. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass einige chinesische Katholiken sehr ambivalent nach Rom blicken. Es gibt Dokumente, die belegen, dass die Untergrundkatholiken Rom auffordern, die Beziehungen zu Peking abzubrechen.

domradio.de: Jetzt vor dem Konklave: Welche Erwartungen haben die chinesischen Katholiken an einen neuen Heiligen Vater?

Shi Ming: Zum einen erwartet man eine Klarheit in der Position: Wir dienen dem Herrn und nicht einer weltlichen Herrschaft - und das allen diplomatischen Beziehungen zum Trotz. Das würde die Position der Katholiken sehr stark unterstützen. Dann gibt es eine zweite Erwartung, dass die Geweihten in China nicht mehr verfolgt werden, selbst wenn sie ohne Erlaubnis von chinesischen Behörden ausgebildet wurden.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)