26.12.2012

Koptischer Bischof fordert stärkeren Druck auf Ägypten Deutsches Einmischen gewünscht

Für den koptischen Bischof Anba Damian steht fest: Deutschland muss mehr Druck auf Ägypten ausüben. Die ägyptische Regierung brauche klare Signale, dass sie die Menschenrechte garantieren müsse.

Nach dem Verfassungsreferendum in Ägypten hat der koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian, an die Bundesregierung appelliert, sich für die Religionsfreiheit und die Sicherheit der Christen in dem Land einzusetzen. Die ägyptische Regierung brauche klare Signale, dass sie die von ihr unterzeichneten internationalen Abkommen einhalten und die Menschen- und Minderheitenrechte garantieren müsse, sagte der Bischof am Mittwoch im ost-westfälischen Höxter.

63,8 Prozent stimmten für den umstrittenen Entwurf

Bei der Volksabstimmung über die neue ägyptische Verfassung hatten nach offiziellen Darstellungen 63,8 Prozent der Wähler für den Entwurf der Muslimbrüder gestimmt. Die Beteiligung lag bei nur 32,9 Prozent. Den Muslimbrüdern öffnet der Verfassungsentwurf nach Meinung der Opposition die Möglichkeit, Bürgerrechte abzubauen und ihren Einfluss auf die Gesellschaft Schritt für Schritt auszuweiten. Zudem werden die Rechte von Frauen und Minderheiten durch den Verfassungsentwurf benachteiligt.

Damian sprach von gravierenden Wahlfälschungen. So seien Stimmzettel gefälscht und Christen am Wählen gehindert worden. Die Situation der koptischen Christen in Ägypten sei alles andere als hoffnungsvoll. Der Bischof verwies darauf, dass viele Ägypter Analphabeten seien.

Entscheidend für das Klima in dem Land sei, was die Menschen in den Moscheen und in den Medien hörten. Diskriminierung von Christen sei an der Tagesordnung. Viele Kopten fühlten sich schutzlos und bekämen keine Arbeit; Familiengründungen junger Christen seien deshalb schwierig.

Große Sorge vor Jahreswechsel

Damian beklagte zugleich eine Hetzkampagne gegen Christen. Große Sorge habe er vor dem anstehenden Jahreswechsel und dem koptischen Weihnachtsfest am 7. Januar. In den vergangenen Jahren hatte dabei mehrere Attentate gegen christliche Kirchen gegeben. Bei einem Bombenanschlag auf ein koptisches Gotteshaus in Alexandria waren zu Jahresbeginn 2011 mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche am 7. Januar 2010 waren am koptischen Weihnachtsfest sieben Menschen getötet worden. «Die Täter von 2011 und 2010 sind immer noch nicht bestraft und die Familien der Opfer noch nicht entschädigt worden», sagte der Bischof. Das ermuntere militante Muslime zu neuen Gewalttaten.

Aufgabe der koptischen Christen in Deutschland ist es nach Darstellung des Bischofs, medizinische Behandlung von Gewaltopfern zu organisieren, die Ausbildung junger Kopten zu unterstützen und die Öffentlichkeit auf die Situation in Ägypten aufmerksam zu machen. Dazu gehöre auch ein Dialog mit den Muslimen in der Bundesrepublik.

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft in Ägypten. Sie führen ihre Anfänge auf den Evangelisten Markus zurück. Angaben über Mitgliederzahlen schwanken stark zwischen fünf und zwölf Millionen unter den insgesamt rund 80 Millionen Einwohnern Ägyptens. Eine wachsende Zahl von Kopten, mindestens eine halbe Million, lebt in anderen Ländern, davon schätzungsweise 6.000 in Deutschland.

 

(KNA)