Viele helfende Hände beim Caritasverband in Euskirchen
Viele helfende Hände beim Caritasverband in Euskirchen
Auch die Caritas im Kreis Euskirchen ist von den Folgen des Hochwassers betroffen
Auch die Caritas im Kreis Euskirchen ist von den Folgen des Hochwassers betroffen

21.07.2021

Caritasverband Euskirchen nach Hochwasser mehrfach gefordert "Wir spüren diese Solidarität seit Tagen"

Nach der Hochwasser-Katastrophe ist der Caritasverband im Kreisdekanat Euskirchen doppelt gefordert. Die Mitarbeitenden müssen selbst ihre Geschäftsstelle von Wasser und Schlamm befreien, aber auch anderen Hochwasseropfern helfen. 

DOMRADIO.DE: Womit haben Sie denn aktuell zu tun? 

Carsten Düppengießer (Pressesprecher beim Caritasverband für im Kreisdekanat Euskirchen): Wir haben mit Aufräumarbeiten zu tun. Wir haben auch heute wieder einen ganzen Tag in unserer Geschäftsstelle den Keller ausgeräumt, Schlamm geschaufelt, Altakten in einer Menschenkette nach oben gebracht. Das Mobiliar, das unten im Keller war, die Regale kleingemacht, raus transportiert. Wir haben da richtig alle Hände voll zu tun. Auf den Straßen in der Innenstadt türmen sich Schuttberge, nicht nur von uns, sondern von den Geschäften und den Wohnungen rundum. Der gesamte Innenstadtbereich ist hart getroffen und die Geschäftsstelle unseres Verbandes bedauerlicherweise auch. 

DOMRADIO.DE: Man denkt ja immer, die Caritas berät und hilft anderen Menschen. Verstehe ich das Recht, dass sie gerade ganz dringend erst mal sich selber helfen müssen? 

Düppengießer: Teils, teils. Glücklicherweise sind nicht alle Dienste und Einrichtungen von der Flutkatastrophe betroffen. Es gibt Gott sei Dank Dienste und Einrichtungen, die verschont geblieben sind, die arbeiten können. Es ist so eine leicht surreale Situation, wenn man zu den Kollegen geht. Da ist alles trocken, Die können arbeiten, Gott sei Dank. Unsere Wohnungslosenhilfe zum Beispiel oder unsere Sozialpsychiatrie, die in der Kontakt- und Beratungsstelle jetzt auch eine Anlaufstelle eingerichtet haben, wo Menschen hinkommen können, einen Kaffee trinken, ihr Handy laden. Die Innenstadt von Euskirchen hat immer noch keinen Strom. Internet funktioniert nicht, das Handynetz ist instabil. Und dann kommt man in die Geschäftsstelle oder in die Tagespflege, die leider komplett überflutet worden sind und hat ein völlig anderes Bild. 

DOMRADIO.DE: Sie haben auch selber Sozialläden des Caritasverbandes Euskirchen - also zum Beispiel Möbelvermittlung und Kleiderkammer. Kann das weitergeführt werden und haben Sie jetzt Hochkonjunktur? 

Düppengießer: Die sind leider auch alle stark von der Flutkatastrophe betroffen, also überschwemmt worden. Die haben wir heute komplett ausgeräumt. Auch das steht im Moment alles als Sperrmüll an der Straße. Und auch da werden wir renovieren, sanieren müssen in den nächsten Wochen. 

DOMRADIO.DE: Die Caritas hat ja auch öfter ambulante Pflegedienste. Aus einem anderen Kreis habe ich gehört, dass das für die Aufsuchenden ganz schwierig ist, weil manchmal die Patienten gar nicht mehr zuhause wohnen. Wie ist das bei Ihnen?

Düppengießer: Was ich sagen kann, ist, dass unsere beiden Pflegestationen in Euskirchen und Bad Münstereifel arbeiten. Euskirchen ist von der Flut nicht betroffen gewesen, konnte durcharbeiten. Die Pflegestation in Bad Münstereifel war in der historischen Altstadt, wo sich ja auch unsere Bundeskanzlerin ein Bild von der Lage gemacht hat. Die Pflegestation ist komplett zerstört. Aber wir konnten in ein befreundetes Altenheim, das Haus Sonne, umziehen. Von dort koordiniert unsere Pflegedienstleitung die Einsätze. Allerdings sind die Kommunikationsmöglichkeiten und -wege immer noch stark eingeschränkt und wir sind alle auch stark eingebunden, da wo wir stehen und arbeiten, bis zur Erschöpfung. Also, da kann ich Ihnen leider nicht sagen, wie klar oder unklar das Bild für unsere Pflegedienstleitung in Bad Münstereifel im Moment ist. Aber ich denke, wenn wirklich was Schlimmes wäre, hätten wir das gehört. Also gehe ich davon aus, dass unsere Patienten, soweit wir das wissen, versorgt werden können. 

DOMRADIO.DE: Gibt es eigentlich Schwierigkeiten und Probleme, an die vorher überhaupt gar keiner denkt, die Ihnen jetzt begegnet sind in den letzten Tagen? 

Düppengießer: Ja, natürlich. Es ist unvorstellbar. Also es ist sowohl dienstlich in Euskirchen unvorstellbar als auch privat. Ich wohne in Schleiden, Gemünd - auch ein sehr stark betroffener Ort. Mit ist privat Gott sei Dank nur der Keller voll gelaufen. Vielen, vielen Nachbarn hier geht es deutlich schlechter. Auch Mitarbeiterinnen von uns haben im Prinzip alles verloren. Eine Mitarbeiterin wohnt in Bad Münstereifel. Mit der habe ich gestern noch telefoniert. Die sagte mir: "Ich habe nur noch das, was ich auf dem Leib trage, sonst ist alles weg." Das sind Zustände, wenn man die nicht selber erlebt hat - und ich wünsche das niemandem - dann kann man sich das wirklich nicht vorstellen. 

DOMRADIO.DE: An vielen Stellen hört man es gibt inzwischen mehr als genug Sachspenden, wer helfen will, soll eher Geld spenden. Wiie ist bei Ihnen die Spendenlage?

Düppengießer: Es ist großartig. Wir spüren diese Solidarität seit Tagen. Heute waren ein Dutzend Mitarbeitende vom Diözesan-Caritasverband aus Köln bei uns - mit Schaufeln, mit Eimern, mit Abziehern. Die haben mit angepackt den ganzen Tag. Als ich gefahren bin, kam noch ein ganzer Kleinbus voll - ungefähr 20 Menschen - von einer Pfarrgemeinde aus Bornheim, die sich selbst organisiert hatten, die mit anpacken. Gestern Abend waren zehn Polizisten im freiwilligen Einsatz bei uns, weil der Sohn unserer Verwaltungsleiterin Polizeischüler ist. Klienten von uns stehen am Hof, Geflüchtete. Es ist eine Solidarität ohnegleichen und ohne die kämen wir auch nicht weiter. Und auch Caritasverbände bieten uns Hilfe an. Das ist großartig.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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