Desinfektion in den Straßen Delhis
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Menschen in Schutzanzügen tragen den Sarg eines verstorbenen Corona-Patienten in Jammu, Indien
Menschen in Schutzanzügen tragen den Sarg eines verstorbenen Corona-Patienten in Jammu, Indien

03.05.2021

Caritas International blickt mit großer Sorge auf Indien "Im Moment ist die Ansteckung massiv"

Seit Tagen erreichen uns Bilder der Verzweiflung aus Indien, insbesondere aus Delhi. Das Land kollabiert unter der Wucht der zweiten Corona-Welle. Dass die Lage noch lange prekär bleiben wird, befürchtet Peter Seidel von Caritas International.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Ihre Mitarbeitenden vor Ort in Indien die aktuelle Situation?

Peter Seidel (Indien-Referent Caritas International): Die Situation ist dramatisch. Allen, mit denen ich spreche, kennen Bekannte, Verwandte, die von Corona direkt betroffen sind. Bei uns in der zentralen Stelle von Caritas Indien ist die Hälfte des Personals im Moment nicht arbeitsfähig und ist krank zu Hause. Das heißt, die Bevölkerung ist generell sehr massiv und fast überall in Indien sehr stark betroffen. Diese Horrorbilder, die wir auch jetzt in den Nachrichten sehen, beziehen sich nicht nur auf Delhi, sondern auch landesweit hat die Corona-Epidemie das Land sehr im Griff.

Und es ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern für die ganzen Tagelöhner fällt natürlich auch ihre gesamte Einkommensbasis und damit ihre Ernährungssicherheit weg. Das sind Leute, die von der Hand in den Mund leben und jetzt in dieser Zeit überhaupt nichts verdienen können. Und wenn jetzt noch mal ein Lockdown dazukommt, haben sie noch weniger Optionen sich irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und dann kommt ganz schnell die Frage des Überlebens und des Hungers.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie sagen, die Hälfte Ihrer Mitarbeiter vor Ort ist krank. Das heißt, die sind auch alle an Covid erkrankt?

Seidel: Ja. Im Moment ist die Ansteckung massiv. Gerade in Delhi ist das Problem sehr groß, aber auch in anderen Landesteilen. In der ersten Welle waren vor allen Dingen die großen Städte betroffen. Jetzt, in dieser zweiten massiven Welle, ist auch der ländliche Bereich sehr stark getroffen.

DOMRADIO.DE: Und eine Besserung der Situation ist nicht wirklich abzusehen. 400.000 Corona Infektionen kommen täglich dazu. Muss man mit diesem Zustand jetzt noch lange Zeit rechnen?

Seidel: Nachdem, was Epidemiologen voraussagen, wird diese Situation voraussichtlich mindestens bis Ende Mai so weitergehen. Das heißt, die dramatische Situation im medizinischen Bereich wird uns noch Wochen beschäftigen. Die ökonomischen Folgen, also die Arbeitslosigkeit und die Unterernährung der Betroffenen der armen Bevölkerung, das wird uns noch viel länger beschäftigen.

DOMRADIO.DE: Es erreichen Sie zahlreiche Hilferufe Ihrer Partnerorganisationen in Indien. Was kann man denn da konkret jetzt am schnellsten tun? Was fehlt da am meisten?

Seidel: Ein wesentlicher Punkt im Moment ist nach wie vor Aufklärung, den Leuten zu sagen: "Schützt euch so gut es geht. Vertraut nicht auf das Gesundheitssystem. Das ist schon zusammengebrochen."

Wir haben verschiedene Programme, Aufklärung ist das Wichtigste, die Verteilung von Masken, von Desinfektionsmitteln. Und der ganz wesentliche Punkt ist die Verteilung von Nahrungsmitteln für Menschen, die überhaupt ihr gesamtes Einkommen verloren haben und im Moment nicht wissen, wie sie ihre Familie ernähren sollen.

DOMRADIO.DE: Das Problem ist, dass das Land enorm groß ist, wo Menschen auch an vielen Orten unterwegs sind, dicht und zu vielen eng beieinander leben. Wie kann man das möglich machen, sich zu schützen?

Seidel: Das ist eine gute Frage und da kommt man in der Tat auch ganz schnell an Grenzen. Wenn in Slums Menschen in einer zehn Quadratmeter großen Hütte zu fünft, zu sechst, zu siebt wohnen, ist Abstandhalten praktisch unmöglich. Man kann noch für bessere Durchlüftung sorgen. Das ist noch eine der wenigen Möglichkeiten, die man da hat. Wir warten mit Schrecken auf die nahende Hurrikan-Saison. Wenn dann in Wirbelstürmen die Menschen in den Notunterkünften wieder noch enger zusammensitzen, wie es auch letztes Jahr passiert ist, dann wird die Lage noch dramatischer. Und wie gesagt, abgesehen von dem medizinischen Problem, auch das ökonomische Problem und das Problem des Hungers wird immer stärker in den Vordergrund rücken.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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