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Marx: Nicht jeder ist digital unterwegs. Die Tatsache sollte nicht spalten.
Kardinal Marx
Kardinal Reinhard Marx

29.03.2019

Kardinal Marx: Digitalisierung sollte nicht zu Spaltung führen "Viele sind nach wie vor offline"

In Berlin überlegen derzeit auf einem Caritas-Kongress Politik, Wissenschaft und Kirche, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt funktionieren kann. Kardinal Marx sieht vor allem digitale Medien als Herausforderung. Nicht jeder könne teilnehmen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat vor einer möglichen Spaltung der Gesellschaft durch die Digitalisierung gewarnt. Digitale Teilhabe sei zu einer Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe geworden, sagte er am Donnerstagabend beim Jahresempfang der Caritas in Berlin. 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland - und damit immerhin zwölf Millionen Menschen - seien nach wie vor offline. Es stelle sich die Frage wer die Betreffenden wie einbinde, so Marx laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Der Empfang des katholischen Wohlfahrtsverbands im Rahmen des Caritaskongresses stand unter dem Motto "Sozial braucht digital".

"Die Digitalisierung ist grundsätzlich keine Bedrohung", sagte der Münchner Erzbischof. "Die Digitalisierung stellt uns alle aber auch vor große Herausforderungen." Auch der soziale Bereich mit der Wohlfahrtspflege sei von ihr erfasst und durchdrungen. Die Grenzen des technisch Machbaren würden beständig neu gezogen. "Die Abschätzung von Folgen und Risiken oder die ethische Bewertung können mit dieser Geschwindigkeit oft nicht mithalten", meinte Marx. "Wir alle, Kirche und Caritas, müssen weiterhin digitale Kompetenzen aufbauen", forderte er.

Nicht vollständiger Verzicht auf das Analoge

Wichtig bleibe dabei aber, nicht vollständig auf das Analoge zu verzichten. "Es braucht weiterhin Räume und Örtlichkeiten der Zusammenkunft wie Gemeindezentren, Pfarrheime oder öffentliche Bibliotheken", sagte Marx. Die Menschen dürften auch nicht an einen Punkt kommen, an dem sie sich den Bedürfnissen der Maschinen anpassten. "Daher stehen die Kirche und ihre Caritas vor der Aufgabe, diese Entwicklung so zu gestalten, dass unsere christliche Botschaft wirksam wird." Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen.

Die digitale Entwicklung brauche auch die soziale Komponente, sagte Caritas-Präsident Peter Neher. Noch immer liege das politische Augenmerk fast ausschließlich auf der Digitalisierung in den Bereichen Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft. "Die Entwicklung einer digitalen Gesellschaft, die dem Menschen dient, erfordert aber einen weiteren Blick." Teilhabe lasse sich nur verwirklichen, wenn es gelinge, die digitalen Entwicklungen im sozialen Bereich mitzudenken und reflektiert in die Praxis umzusetzen.

(KNA)

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