Symbolbild: Caritas ringt auf Kongress um gesellschaftlichen Zusammenhalt
Symbolbild: Caritas ringt auf Kongress um gesellschaftlichen Zusammenhalt

28.03.2019

Kirche, Politik und Wissenschaft debattieren über gesellschaftlichen Zusammenhalt "Solidarisches Handeln lässt sich nicht erzwingen"

Wie schafft man es, dass die Gesellschaft zusammenhält? Eine Frage, die sich Kirche, Politik und Wissenschaft derzeit auf einem Kongress in Berlin stellt. Von den unterschiedlichen Seiten kamen am Mittwoch ganz unterschiedliche Forderungen.

Die Caritas ringt auf einem Bundeskongress in Berlin um eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Es gehe dabei natürlich um Deutschland, aber auch um Europa, sagte der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbands, Peter Neher, am Mittwoch zur Eröffnung der dreitägigen Veranstaltung. Europa sei die Zukunft, daher werbe die Caritas auch für die Europawahl im Mai.

Angesichts von nationalistischen und populistischen Parteien, die die Europäische Union infrage stellten, brauche es politische Entscheidungen, die ein soziales Europa voranbrächten und den Zusammenhalt stärkten, sagte Neher.

Forderung nach offener Debatte über Reformen in der Kirche

Der Caritas-Präsident forderte zugleich offene Debatten über Reformen in der katholischen Kirche. "Die Kirche habe "aufgrund von sexualisierter Gewalt und Missbrauch von Macht bis in den Kern unserer Gemeinden und Verbände hinein jegliche Glaubwürdigkeit verloren", meinte er. Sie befinde sich "in einer abgrundtiefen Krise".

Als Beispiel für mögliche Reformen nannte Neher die katholische Sexualmoral, die Frage der Zulassung von Frauen zu Ämtern und die Rolle des Zölibats. Wenn Kirche und Caritas auch künftig noch einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten wollten, dann "ist die Zeit der folgenlosen Schuldbekenntnisse endgültig vorbei", sagte er.

Burger: Solidarische Haltung für Gesellschaft unverzichtbar

Nach Überzeugung des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger ist für den Zusammenhalt der Gesellschaft eine christlich-solidarische Grundhaltung notwendig. Eine "durch Gesetze und Ordnungen verbriefte Gerechtigkeit" allein reiche nicht aus, sagte Burger am Abend bei einem Gottesdienst zum Auftakt des Caritaskongresses. "Solidarisches Handeln lässt sich nicht erzwingen", betonte er. Burger leitet die Kommission für caritative Fragen der Deutschen Bischofskonferenz.

Strukturelle Gerechtigkeit könne "an sich noch keinen Zusammenhalt, keine Einheit, keine Gemeinschaft herstellen", erklärte der Erzbischof. Sie könne "nicht verhindern, dass sich im Rahmen der gegebenen Ordnung eigene Inseln und Welten herausbilden, die sich vom Rest der Gesellschaft abschotten". Dagegen rufe das Evangelium dazu auf, eine solche Haltung zu überwinden.

Soziologin fordert eine Politik, die sich am Gemeinwohl orientiert

Die Soziologin Jutta Allmendinger sagte, die Überschneidung sozialer Kreise innerhalb einer Gesellschaft sei wichtig, weil dadurch Nähe und Verständnis geschaffen würden. Diese Überschneidung nehme jedoch ab, erklärte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung in einem Vortrag. "Wir reden seltener miteinander, wir sehen uns seltener und wir wissen immer weniger voneinander." Das unterstütze die Entstehung von Vorurteilen. Sie selbst habe noch im Konfirmationsunterricht Menschen aus anderen Kreisen getroffen.

Es brauche eine Politik, die sich wesentlich stärker am Gemeinwohl und sozialer Sicherheit orientiere, sagte Allmendinger. Große Linien seien wichtiger als Reformen für einzelne Gruppen.

Mit rund 1.000 Teilnehmern aus Kirche, Politik und Wissenschaft diskutiert die Caritas noch bis Freitag auf ihrem Bundeskongress in Berlin über gesellschaftlichen Zusammenhalt.

(KNA)

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