11.02.2019

Experten: Kinder mit suchtkranken Eltern brauchen mehr Hilfe Stille Leiden

Wenn Eltern trinken oder andere Suchtmittel nehmen, kann das für Kinder dramatische Folgen haben. Eine Aktionswoche soll jetzt auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

Für die betroffenen Kinder könne dies schwerwiegend Folgen haben, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), am Montag in Berlin. Viele von ihnen erhielten nicht den Halt, den sie für ein gesundes Aufwachsen bräuchten. Auch deshalb seien sie besonders gefährdet, im Erwachsenenalter selbst psychisch zu erkranken oder selbst suchtkrank zu werden, so Mortler weiter. Sie äußerte sich mit Blick auf die derzeit stattfindende Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien.

Seit dem vergangenen Jahr erarbeitet eine von der Bundesregierung auf Beschluss des Bundestages eingesetzte Gruppe aus Experten und Fachbeamten Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Diese sollen dem Bundestag im Sommer dieses Jahres vorgelegt werden.

"Kaum verlässliche Unterstützung"

Auch der Paritätische Gesamtverband sprach von "dramatischen Folgen" für die Kinder. Sie erführen wenig und vor allem kaum verlässliche Unterstützung", so der Vorsitzende Rolf Rosenbrock. Zudem lebten sie in Angst, dass die Andersartigkeit der Familie bekannt werde. Sie übernahmen dann eine Rolle, die weder ihren Kräften noch ihrem Entwicklungsstand entspräche. Zudem hätten sie ein drei bis vier Mal höheres Risiko selbst zu erkranken.

Rosenbrock forderte für die Kinder eine niedrigschwellige Beratung und einen damit verbundenen Ausbau der Beratungsstellen. Angebote für betroffene Kinder müssten langfristig angelegt sein. Es brauche mehr Kooperationen etwa zwischen Jugendämtern, Kitas oder Schulen. Notwendig sei eine Entstigmatisierungskampagne, damit den Kindern besser geholfen werden könne.

Bessere Zusammenarbeit

Auch die Berliner Caritasdirektorin Ulrike Kostka mahnte mehr Mittel zur Unterstützung der Kinder an. So seien Gruppenangebote für betroffene Kinder "noch nicht richtig finanziert", sagte Kostka im rbb-Inforadio. Notwendig sei auch eine bessere Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfesysteme in der Jugendhilfe und der Suchthilfe.

"Es braucht vor allen Dingen auch ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Situation der Kinder und eine Enttabuisierung", betonte die Caritas-Chefin. Oft gehörten solche Familien der Mittelschicht an.

(KNA)

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