Caritas weist Vorwürfe zurück
Caritas-Mitarbeiterin

04.09.2018

Einstellungskampagne der Caritas im Bistum Osnabrück "Bei uns arbeiten auch Menschen, die nicht getauft sind"

Wie andere Branchen hat auch die Caritas im Bistum Osnabrück Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Dem setzt nun die Organisation eine Einstellungskampagne entgegen - und will dabei mit so manchem Vorurteil aufräumen.

KNA: Den drohenden Fachkräftemangel in Deutschland bekommen viele Branchen zu spüren, auch die Caritas. Wo und in welchen Bereichen droht er bei Ihnen besonders?

Loth: Spürbar ist der Mangel mehr oder weniger in allen Bereichen und in allen Regionen. Über die Pflege wird aktuell am meisten gesprochen. Aber wir suchen auch nach Sozialpädagogen, Psychologinnen oder Verwaltungskräften. Im städtischen Bereich ist das manchmal nicht so gravierend wie auf dem Land, aber insgesamt gilt das für das ganze Bistum, von der Nordsee bis ins Osnabrücker Land.

KNA: Woran liegt es? An der Bezahlung?

Loth: An der Bezahlung liegt es nicht. Die Caritas zahlt nach Tarif.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld und eine betriebliche Altersversorgung gehören dazu. Im Schnitt zahlen wir mehr als die meisten anderen sozialen Arbeitgeber. Die Gründe liegen woanders: Es interessieren sich weniger junge Menschen für soziale Berufe. Zudem wachsen die Aufgaben kontinuierlich. Es sind also zwei Bewegungen: Wir müssen mehr Stellen mit weniger Bewerbern besetzen. Dazu kommt das Problem, das unsere Kampagne aufspießt: Man bringt uns viele Vorurteile entgegen. Etliche Fachkräfte trauen sich gar nicht, eine Bewerbung abzugeben. Viele meinen, dass man katholisch sein und jeden Sonntag zur Kirche gehen müsse oder dass man nicht geschieden sein darf. Das ist alles nicht mehr zutreffend. Damit wollen wir aufräumen.

KNA: Gibt es nicht genügend Katholiken unter den Bewerbern?

Loth: Das ist nur eine Facette. Wenn ich einen Sozialpädagogen suche und zwei Bewerber vor mir habe, der eine evangelisch und sehr gut qualifiziert, der andere katholisch und fachlich mäßig geeignet - was erwarten dann unsere Klienten von mir? Ich werde mich dann mit dem evangelischen Bewerber unterhalten: Über seine innere Haltung zu unseren Werten und zu seiner Identifikation mit der Botschaft Jesu von Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Wenn das dann passt, weiß ich, wie ich mich entscheide.

KNA: Geschiedene sind also auch kein Problem?

Loth: Geschiedene sind kein Problem, auch nicht Menschen, die einer anderen Konfession oder einer anderen Religion angehören. Wir haben auch Mitarbeiter, die nicht getauft sind. Wichtig ist, dass sie mit uns unsere Werte leben: Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

Problematisch wird es, wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist. Das würde ich als ein Signal werten, dass diese Person mit uns nichts mehr zu tun haben will. Dann kann man kaum noch bei uns arbeiten.

Aber auch hier gilt: Ich suche erstmal das Gespräch. Das sieht auch die sogenannte Grundordnung der katholischen Kirche vor, die einige Leitplanken formuliert und seit 2015 die Spielräume für Einzelfallentscheidungen deutlich weiter gesteckt hat.

KNA: Wo katholisch draufsteht, muss auch katholisch drin sein, fordern viele Menschen in der Kirche. Was sagen Sie denen?

Loth: Die allermeisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Christen - und die meisten davon katholisch. Das ist auch wichtig.

Aber: Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Altenheim oder eine Beratungsstelle auch dann katholisch sein kann, wenn die Mehrheit der Mitarbeitenden nicht katholisch ist. Es kommt nämlich immer auf den Geist an, der die Einrichtung prägt. Mir fällt dazu das Gleichnis Jesu ein, in dem er das Reich Gottes mit einem Sauerteig vergleicht.

Sauerteig für ein Team wird nicht nach Köpfen, sondern nach der Haltung der Herzen gewogen.

KNA: Sie starten eine große Werbekampagne unter der Titel "Caritas zeigt Gesicht". Wen wollen Sie erreichen?

Loth: Wir wollen mit den Vorurteilen aufräumen und dann unsere Vorteile deutlich machen. Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem ganzen Bistum zeigen dafür Gesicht. Sie stehen mit ihren Geschichten für bestimmte Botschaften. Zum Beispiel die Altenpflegerin Irina. Sie fragt, ob es ok ist, wenn sie den Nächsten liebt. Logisch, denkt man. Gemeint ist aber auch ihr zweiter Ehemann.

Nicht mehr so logisch? Doch, für uns schon. Mit diesen Motiven und einigen Texten werden wir im September im ganzen Bistum auf Plakatwänden und Litfaßsäulen zu sehen sein. Im Internet werden wir Anzeigen schalten, auf Facebook und Instagram werden wir im September und Oktober noch aktiver als sonst sein. Zentral ist unsere Kampagnen-Webseite www.caritas.jobs. Dort sind viele Hintergrundinfos und vor allem alle Stellenanzeigen zu finden. Damit ist auch unsere Zielgruppe klar: Alle Frauen und Männer, die bei uns arbeiten könnten.

Das Interview führte Johannes Schönwälder.

(KNA)

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