Hellmut Puschmann (v. l.) , Karl Lehmann und Roman Herzog im Jahr 1997
Hellmut Puschmann (v. l.) , Karl Lehmann und Roman Herzog im Jahr 1997
Hellmut Puschmann
Hellmut Puschmann

22.07.2018

Früherer Caritaspräsident Hellmut Puschmann wird 80 Jahre alt "Vermittler und Brückenbauer"

Wie Angela Merkel gehört Hellmut Puschmann zu den wenigen Ostdeutschen, die nach der Wende in ein gesamtdeutsches Spitzenamt kamen. Und wie für die Kanzlerin gilt für den Ex-Caritaschef: Mehr Sein als Schein.

Der Mann aus dem Osten galt als Vermittler und Brückenbauer, als gradlinig, ehrlich und bescheiden. Ab 1991 war der gebürtige Dresdner Hellmut Puschmann zwölf Jahre Präsident des Deutschen Caritasverbands (DCV), des größten nichtstaatlichen Arbeitgebers bundesweit mit über einer halben Million hauptamtlichen Beschäftigten. Am Sonntag wird Puschmann 80 Jahre alt.

Als er an die Spitze des DCV rückte, war er schon 20 Jahre bei der Caritas in der DDR tätig, zuletzt seit 1982 in deren Zentrale in Ost-Berlin. Dass nach der Wende ein Ostdeutscher Caritaspräsident wurde, galt auch als Zeichen für den wiedervereinigten Wohlfahrtsverband und das geeinte Deutschland. Vor Jahren, als Puschmann das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse erhielt, dankte ihm die damalige baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) für sein Engagement als "Vermittler und Brückenbauer". Puschmann verkörpere die Öffnung und den Brückenschlag zwischen den über 40 Jahre getrennten Teilen Deutschlands.

Mann aus dem Osten

Nach dem Theologiestudium wurde Puschmann 1964 in Bautzen zum Priester geweiht und absolvierte seine Kaplanszeit im damaligen Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Leipzig. 1971 trat er in den Dienst der Caritas. Unter anderem war er Caritasdirektor im Bistum Dresden-Meißen sowie Leiter der Zentralstelle Berlin (Ost) des Deutschen Caritasverbandes. Schon ein Jahr nach der Wiedervereinigung wurde er dann der Spitzenrepräsentant der deutschen Caritas mit Dienstsitz im südwestdeutschen Freiburg im Breisgau.

Manches an der westdeutschen Wohlstands- und Konsumgesellschaft war dem Mann aus dem Osten fremd, auch wenn er während seiner Arbeit in Ost-Berlin schon viele Westkontakte hatte. Überrascht war er nach eigenen Worten, dass in den alten Bundesländern eine ähnliche "Versorgungsmentalität" gegenüber dem Staat herrschte, wie er es in der DDR erlebt hatte. Entschieden setzte sich Puschmann dafür ein, dass sich die Caritas als "Anwalt und Partner der Benachteiligten" profilierte. Zusätzlich zu den vielen sozialen Diensten beteiligte sich der Verband auch an der sozialpolitischen Debatte, etwa mit Armutsberichten in Ost- und Westdeutschland.

Forderungen nach einer gerechteren Sozial- und Familienpolitik

Unverrückbar war und ist für Puschmann die "Option für die Armen". Mit seinen Forderungen nach einer gerechteren Sozial- und Familienpolitik eckte er oft an - bei der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) ebenso wie bei der folgenden unter Gerhard Schröder (SPD). Bei seiner Wiederwahl als Caritaspräsident bedauerte Puschmann eine sozialpolitische Entwicklung, die mehr und mehr zu Lasten derer gehe, die ohnehin am Rande lebten. Das könnte er wortwörtlich heute wiederholen.

Bei Umfragen zur Beliebtheit schneidet die Caritas besser ab als die katholische Kirche. Puschmann wertete das als großes Lob für alle Mitarbeiter. Zugleich wandte er sich aber entschieden dagegen, die Umfragewerte der Kirche gegen die der Caritas auszuspielen: "Wir sind als Caritas Kirche, und die Menschen erleben in unserem Tun die Kirche insgesamt als glaubwürdig und offen für die Nöte der Menschen."

Nach dieser Maxime handelte Puschmann auch nach seinem Abschied als DCV-Präsident. So übernahm er ab 2003 für zehn Jahre den Vorsitz des Caritasverbands für das Bistum Dresden-Meißen. Bis 2017 gehörte er auch der sächsischen Härtefallkommission für Flüchtlinge und andere ausreisepflichtige Ausländer an.

Timm Maximilian Hirscher und Gregor Krumpholz
(KNA)

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