Caritas-Präsident Peter Neher im Gespräch
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13.09.2017

Caritas-Präsident kritisiert Abschiebungen nach Afghanistan "Zusammen sind wir Heimat"

"Zusammen sind wir Heimat" ist das Motto am Caritas-Sonntag zum Gelingen des Zusammenlebens von Zuwanderern und Einheimischen, so Caritas-Präsident Neher. Kritisch äußert er sich über die Abschiebungen nach Afghanistan.

domradio.de: Was passiert an diesem Caritas-Sonntag am 17. September? 

Prälat Dr. Peter Neher (Präsident des Deutschen Caritasverbandes): Uns geht es besonders darum, an diesem Tag das Gelingen des Zusammenlebens von Zuwanderern und Einheimischen zu thematisieren.  "Zusammen sind wir Heimat", so lautet die Botschaft und wir wollen bewusst ein Zeichen setzen, was das für unsere Gesellschaft bedeutet, was Gesellschaft zusammenhält: Freiheit, Vielfalt, Chancengleichheit, Respekt, Toleranz und Mitmenschlichkeit. Das soll am Caritas-Sonntag nochmal ganz besonders betont werden.

domradio.de: Kommt Ihnen das sonst zu kurz? Oder warum haben Sie diesen Begriff gewählt? 

Neher: Wir haben das Motto gewählt, weil wir den Begriff der Heimat, der ja ein typisch deutscher Begriff ist, nicht einfach denen überlassen wollen, die hier ein populistisches "Wir gegen die anderen" behaupten. Denn Heimat ist nicht einfach in der Herkunft oder der Geburt begründet. Wir wollen mit diesem Akzent klar machen, dass Heimat etwas mit Beziehung zu tun hat, mit Zusammengehörigkeit. Das kann nicht einfach populistischen und rechten Gruppen überlassen bleiben. 

domradio.de: Die Politik sieht das offenbar anders. Gestern hat es nach längerem Aussetzen wieder eine Sammelabschiebung nach Afghanistan gegeben. Wie bewerten Sie das?

Neher: Wir haben im Jahr 2016 mehr als 11.000 getötete Menschen in Afghanistan gehabt, ein Rekord, der nie zuvor erreicht wurde. Jedes dritte Opfer war ein Kind. Wir hatten seit 2015 mehr als 600.000 Afghanen, die innerhalb ihres Landes fliehen mussten. Insgesamt gibt es mehr als 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge. Deswegen haben wir eine absolute Verschlechterung der Sicherheitslage. Wir halten daher auch weiterhin an einem Abschiebestopp fest, um zu verhindern, dass die Menschen in das voraussehbare Unglück geführt werden. 

domradio.de: Was glauben Sie, ist das eine Wahlkampfmaßnahme gewesen? In zwei Wochen wird gewählt?

Neher: Ich denke schon, dass diese Politik dem Wahlkampf geschuldet ist, jedenfalls keineswegs der Sicherheitslage in Afghanistan. Wir haben dort wenige Orte, die relativ sicher sein könnten. Insgesamt ist Afghanistan im Krieg und rechtfertigt deshalb in keiner Weise eine Abschiebung.

domradio.de: Werden Sie das Thema Abschiebung auch am kommenden Caritas-Sonntag aufgreifen? 

Neher: Der Caritas-Sonntag steht wie gesagt, vor allem unter dem Motto eines gelingenden Zusammenlebens von Zuwanderern und Einheimischen. Und dieser gesellschaftliche Wandel der damit einhergeht, löst natürlich bei vielen Menschen Ängste und Sorgen aus, die man aufgreifen muss. Es geht hier aber speziell darum, die Frage der Integration zu betonen. Und das erfordert Anstrengung von allen, von den Einheimischen und den Zugewanderten. Es ist kein Sonntagsspaziergang, da gehört Ehrlichkeit dazu. Integration ist nicht einfach zu haben. Aber wenn Integration gelingt, ist es ein großer Schatz für unsere Gesellschaft. Das möchten wir an unserem Caritas-Sonntag "Zusammen sind wir Heimat" nochmal sehr deutlich machen und abgrenzen gegen all jene, die hier Angst verbreiten, Sorgen und Nöte postulieren, die in dieser Weise nicht begründet sind.   

Das Interview führte Tobias Fricke. 

(DR)

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