An der slowenisch-österreichischen Grenze
An der slowenisch-österreichischen Grenze

29.10.2015

Caritas zur Lage an der österreichisch-slowenischen Grenze Zelte für alle, Kleidung für wenige

Zelte gibt es für alle, aber Kleidung kann die Caritas Steiermark nur völlig durchnässten oder kranken Flüchtlingen geben. Eine generelle Versorgung tausender Flüchtlinge täglich sei nicht möglich, sagt Caritas-Sprecher Schmied im domradio.de-Interview.

domradio.de: Wie sieht es jetzt an der Grenze zu Slowenien aus?

Harald Schmied (Pressesprecher der Caritas Steiermark): Heute morgen wurde uns gemeldet, dass 4.500 Personen auf der österreichischen Seite der Grenze sind, weitere 1.500 Personen sind auf der slowenischen Seite der Grenze. Weitere insgesamt 10.000 bis 15.000 Personen sind in Slowenien unterwegs, sie drängen in Richtung Grenze.

Es ist uns als Caritas natürlich ein großes Anliegen, dass wir mithelfen so gut wir können, um diesen Zustrom so zu bewerkstelligen. Dass dabei beispielsweise niemand im Freien schlafen muss. Außerdem muss natürlich die Versorgung mit Hilfsgütern gewährleistet werden.

domradio.de: Wie gehen Sie das an?

Schmied: Wir haben nicht die Möglichkeiten, dass wir alle, die kommen, von Kopf bis Fuß mit neuer Kleidung und mit neuen Schuhen ausstatten können. Wir müssen versuchen, diejenigen, die besonders schlecht beisammen sind, herauszufiltern. Wenn jemand mit völlig durchnässter Kleidung kommt, schauen wir, dass wir schnell neue Kleidung und Schuhe bereitstellen können. Außerdem müssen wir kranken Flüchtlingen natürlich zuerst Hilfe leisten.

Das, was wir im Moment leisten können, ist eine differenzierte Form der Hilfe. Eine generelle Grundversorgung der Menschen, die zu Tausenden über die Grenze strömen, ist für uns als Caritas gemeinsam mit dem Roten Kreuz nicht möglich. 

domradio.de: Es ist ja so, dass die Kälte schon jetzt Probleme macht. Der Winter steht vor der Tür, es wird noch kälter werden. Wie sind sie darauf in Österreich vorbereitet? 

Schmied: Wir haben in den letzten Tagen sehr darum gerungen, dass zumindest niemand im Freien schlafen muss. Das Wichtigste ist, dass zumindest ein beheiztes Zelt zur Verfügung steht. Damit Kinder, Männer, Frauen, alte Menschen ein Dach über dem Kopf haben. Diese Form der Notversorgung können wir für tausende Menschen zur Verfügung stellen. 

In den ersten beiden Nächten, als die Flüchtlinge in Spielfeld ankamen, war uns das noch nicht gelungen. Aber mittlerweile ist es Gott sei Dank gelungen. Das ist ein erster kleiner Erfolg.

Trotzdem ist es noch immer so, dass manche Menschen von sich aus entscheiden, lieber nicht im Zelt, sondern draußen auf dem Vorplatz zu übernachten. Sie haben Angst, dass sie in der Nacht den nächsten Bus versäumen. Das ist eine freie Entscheidung und wir können das auch nur schwer beeinflussen. Auch wenn wir permanent mit Dolmetschern im Einsatz sind und versuchen, die wichtigsten Informationen schnell weiterzugeben.

domradio.de: Was wünschen Sie sich, was muss dringend passieren?

Schmied: Das ist eine große Frage. Ich fange beim Großen an: Ich wünsche mir eine Europäische Union, die insgesamt erkennt, dass es keinen Sinn macht, Zäune zu errichten. Die werden die Menschen ohnehin nicht abhalten können. Ich wünsche mir eine politische Union, die zusammenwächst und auf Solidarität gegründet ist. Der soziale Scheck muss eingelöst werden. Genauso wünsche ich mir, dass in Syrien wieder Frieden herrscht. Dann würde der Druck nachlassen. Der Konflikt ist sicher schwer zu beeinflussen, aber es wäre die einzig wirklich effektive Form der Hilfeleistung.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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