18.01.2013

Kölner Caritasdirektor zum Umgang mit Vergewaltigungsopfern Alles außer der "Pille danach"

Der Umgang von katholischen Krankenhäusern mit einem Vergewaltigungsopfer in Köln sorgt derzeit für Schlagzeilen. Der Kölner Diözesancaritasdirektor Frank Johannes Hensel, selbst Mediziner, erläutert, warum er die "Pille danach" nicht verschreiben würde. Und warum er trotzdem die Empörung über den Vorgang verstehen kann.

KNA: Herr Dr. Hensel, wie hätten Sie sich persönlich als Arzt verhalten?

Hensel: Vorausgesetzt ich wäre hier fachlich zu Hause, hätte ich die ganze Behandlung übernommen, so wie es der Dienstpflicht des Arztes entspricht.

KNA: Das heißt, Sie hätten im Zweifel dem Vergewaltigungsopfer die "Pille danach" verschrieben?

Hensel: Nein. Denn mein ärztliches Handeln ist an drei Faktoren gebunden. Nämlich erstens die Frage, ob die Behandlung fachlich geboten ist. Zweitens, ob ich sie leisten kann, und drittens, ob ich sie mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Und da kann und darf es Schritte geben, wie zum Beispiel die Verschreibung der "Pille danach", die ich nicht mitgehen muss.

KNA: Ist eine solche Entscheidung angesichts der Notlage, in der sich die Frau befand, nicht arg spitzfindig? Anders gefragt: Kann man einem Vergewaltigungsopfer überhaupt zumuten, ein bei der Tat gezeugtes Kind auszutragen?

Hensel: Das ist fraglos eine drängende Anfrage. Aber auch bei anderen Beratungsangeboten im Bereich Schwangerschaft und Geburt machen wir als katholische Kirche klar, dass wir eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Eine Abtreibung und auch eine mögliche Abtreibung, und darunter fällt auch die "Pille danach", ist eine Linie, die wir Menschen nicht überschreiten sollten, außer das Überleben der Mutter ist in Gefahr. Das ist sicher nicht unbedingt mehrheitsfähig und diese Selbsteinschränkung teilen viele eben nicht.

KNA: Erweckt das nicht den Anschein, als würde sich die Kirche vor der schwierigen Frage wegducken, welches Leben in dieser Situation wichtiger ist: das der Frau oder das des ungeborenen Kindes?

Hensel: Meines Erachtens ist hier nicht Leben gegen Leben aufzurechnen. Hier steht das sicher schwierige Leben der Mutter nach dem Trauma einer Vergewaltigung dem Absprechen des Lebensrechtes für ein eventuell schon gezeugtes Kind gegenüber, das für die schreckliche Tat nicht deshalb wieder aus der Welt geschafft werden kann.

KNA: Für die Kritik an dem Verhalten der Kölner Klinikärzte haben Sie also kein Verständnis?

Hensel: Dafür habe ich großes Verständnis. Weil hier nämlich eine medizinische Versorgung anscheinend komplett abgelehnt wurde. Und das geben diese ethischen Richtlinien überhaupt nicht her. Dort steht schwarz auf weiß, dass außer der "Pille danach" alle notwendigen Maßnahmen zu leisten sind.

KNA: Wenn nun gleich zwei Häuser eine Behandlung abgelehnt haben, müssten diese Richtlinien dann nicht dringend nachgebessert werden, anstatt jetzt den Ärzten die Schuld zuzuschreiben?

Hensel: Offenbar gab es da eine große persönliche und schreckliche Verunsicherung bei den Ärzten, einhergehend mit einem massiven Kommunikationsdefizit im Hause. Das hat der Träger eingeräumt. Insofern muss man die Richtlinien vielleicht besser im ärztlichen Alltag verankern.

Das Interview führte Joachim Heinz.

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