In der Familie beten und aus der Bibel lesen
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Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerks 2020
Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerks 2020

15.11.2020

Georg Austen zum diesjährigen Diaspora-Sonntag "Entfernungen hindern uns nicht, Glauben zu leben"

Am Diaspora-Sonntag ruft das Bonifatiuswerk zu Solidarität mit Katholiken auf, die in der Diaspora leben. "Werde Hoffnungträger" ist das diesjährige Motto. Monsignore Georg Austen erklärt, woher er in Zeiten der Isolation Hoffnung nimmt.

DOMRADIO.DE: Lassen Sie uns doch direkt mal über die Hoffnung sprechen: Leere Gottesdienste, kaum direkter Austausch, kein ausgelassenes Feiern und Fröhlichsein. Wo nehmen Sie da ganz persönlich die Hoffnung her?

Monsignore Georg Austen (Generalsekretär des Bonifatiuswerks): Sie haben Recht, es ist keine normale Zeit und für mich schon eine Bewährungsprobe, im alltäglichen Leben, aber auch im Glauben. Da nehme ich meine Hoffnung daher, von Tag zu Tag zu leben und dass viele Menschen, sei es im wissenschaftlichen, medizinischen, pflegerischen Versorgungsbereich und politischen Bereich, sich wirklich bemühen. Wir sind da fast priviligiert, wenn man in manch andere Länder dieser Erde schaut, wo große Armut und Elend herrscht. Meine Hoffnung ist aber auch, dass viele Menschen sich bemühen, mit aller Vernunft und Vorsicht auch mit der jetzigen Situation umzugehen und versuchen die AHA-Regeln einzuhalten.

Ich habe aber auch Hoffnung, wenn ich sehe, was in unseren Gemeinden passiert. Dort werden viele auch nicht alleingelassen, man solidarisiert sich, hilft und stützt sich gegenseitig. Sei es im Gebet, aber auch in der konkreten Hilfe. Das sind Hoffnungszeichen, die mich mutig stimmen. Aber wenn ich ehrlich bin gibt es viele Fragen und Sorgen, die man selbst hat. Sich selbst anzustecken, aber auch die Sorge mit anderen Menschen, die davon betroffen sind oder betroffen sein können. Das lässt einen wirklich nur von Tag zu Tag auf Sicht fahren.

DOMRADIO.DE: Nach Hoffnung sehnen wir uns alle in der Corona-Krise. Zuletzt war diese Meldung über den Impfstoff ein großer Hoffnungsfunken. Warum ist es so wichtig, Hoffnungsträger auch für andere zu werden in solchen Krisensituationen?

Austen: Für mich ist Hoffnung so eine Triebfeder des Lebens. Ohne Hoffnung stirbt sehr vieles im Leben. Als Christen und Christinnen leben wir nicht in einem blinden Optimismus, der verkündet, dass alles wieder gut wird, sondern unser Glaube sagt uns mit allen Fragen, die wir haben, mit allen Sorgen, mit Krankheit, auch mit der Erfahrung des Todes, die uns betrifft, dass wir in Gottes Händen liegen. Das muss uns immer wieder gesagt und auch gelebt werden.

So wie es auch der Apostel Paulus sagt, dass Gott uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Das muss sich jetzt in diesen Zeiten auch bewähren. Das braucht Zeichen, aber auch Worte, die wir an andere weitergeben, wo wir gemeinsam spüren, dass wir nicht alleine, sondern in dieser Hoffnung verbunden sind.

DOMRADIO.DE: Lassen Sie uns kurz über Abstand und Isolation sprechen. Das sind Erfahrungen, die viele jetzt ganz neu machen. Gleichzeitig sind es Erfahrungen, die Katholiken in der Diaspora schon immer kannten. Was können wir denn von denen lernen?

Austen: Ich glaube wir können von Katholiken in der Diaspora lernen, dass weite Entfernungen uns nicht daran hindern, unseren Glauben zu leben. Wie wichtig gerade auch der Gottesdienst für sie ist, wenn sie zwei, drei Stunden zur Eucharistie am Sonntag in Island beispielsweise oder in anderen Orten in Nordeuropa fahren. Aber genauso können wir auch lernen, dass der Glaube in der Hauskirche Gestalt gewinnt, wo man zusammen zu Hause betet. Man teilt miteinander das Wort Gottes und kommt aus allen Nationen zusammen.

Die Erfahrungen von Migranten und Flüchtlingen, wo wir auch etwas von der Gastfreundschaft lernen können. Ich glaube, wir können auch etwas von dem Optimismus lernen, dass sie merken, dass der Glaube ihnen Kraft gibt, auch die jetzige Situation zu bestehen und Perspektiven für das Leben zu bekommen. Das ermutigt mich sehr stark, wenn ich das oftmals gerade dort in der Diaspora erlebe.

DOMRADIO.DE: Sie von Bonifatiuswerk sammeln heute für die Glaubensgeschwister in der Diaspora. Wie können wir hier in Deutschland ganz konkret für Sie zu Hoffnungsträgern werden?

Austen: Ja, das eine ist sicherlich, dass wir beim Bonifatiuswerk dank der Spender und Spenderinnen über 1000 Projekte in all diesen Ländern, von denen wir eben gesprochen haben, unterstützen. Dort ist sicherlich die materielle Hilfe, eine Spende sehr wichtig, sei es in den Gottesdiensten oder online, damit diese Projekte auch durchgeführt werden können. Aber es geht dabei längst nicht nur um das Geld. Es ist wichtig, dass wir auch gemeinsam im Gebet verbunden sind und wissen, dass wir eine Weltkirche sind, wo wir in Solidarität mit unseren Glaubensbrüdern und Schwestern leben und sie nicht allein lassen.

Es ist wichtig für uns, dass wir entdecken, dass uns der Glaube eine Kraft geben kann, diese Welt auch zu sehen und anzupacken und das im Miteinander zu tun. Das ist etwas, wo gerade die Menschen, die in einer großen Vereinzelung oder in kleinen Gemeinden leben, merken, dass sie nicht allein sind und da auch Menschen aus Deutschland sind, die in einer guten Tradition und Zuverlässigkeit helfen.

DOMRADIO.DE: Haben Sie für uns ein konkretes Beispiel, warum es sich lohnt zu spenden?

Austen: Vor Kurzem bin ich auf der Reeperbahn gewesen und da sehe ich, wie viele obdachlose und bedürftige Menschen von der "Alimaus" mit Essen versorgt werden oder mit einem Gesundheitsbus, wenn es um Krankheitssituationen geht. Das verschlimmert sich durch die Corona-Situation auch gerade in der kälter werdenden Zeit. Wenn ich an Magdeburg denke: Dort gibt es von den Don Bosco Salesianer ein Haus für Kinder und Jugendliche, wo sie einen Anknüpfungspunkt finden mit ihren Lebensbrüchen und sie nicht allein gelassen werden.

Das sind sehr viele Projekte, in denen Menschen erfahren, dass sie mit dem, was sie im Leben bewegt, in der Kirche Unterstützung finden können, eine Beheimatung. Sie wissen so auch, dass Menschen da sind, die für sie beten und ihnen zur Seite stehen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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