170 Jahre Bonifatiuswerk: Beistand für Gläubige in stürmischen Zeiten
170 Jahre Bonifatiuswerk: Beistand für Gläubige in stürmischen Zeiten

04.10.2019

Bonifatiuswerk fördert seit 170 Jahren Minderheitskatholiken Beistand für Gläubige in stürmischen Zeiten

Das Paderborner Bonifatiuswerk unterstützt Katholiken in Regionen, in denen sie in der Minderheit leben. Bekannt ist es vor allem für seine rapsgelben "Boni-Busse". Doch das Hilfswerk hat noch einiges mehr zu bieten.

Ein Sturm peitscht die schäumenden Wogen gegen die felsige Küste. Dramatische Musik läuft im Hintergrund. Das Wort "Diaspora" leuchtet in flackernden Buchstaben auf. So beginnt ein Film aus dem Jahr 1954 über die Arbeit des Bonifatiuswerks in Schleswig-Holstein, wo die Katholiken seit jeher eine Minderheit bilden. "Bis zu 60 Kilometer hat der Hirte zurückzulegen, um seine Herde zu betreuen", erklärt ein Sprecher in strengem Ton.

Heute mag die Minderheitensituation für viele Kirchenmitglieder nicht mehr ganz so außergewöhnlich sein wie damals. Dennoch ist das Leben in der "Diaspora" (deutsch: "Zerstreuung") für die Gläubigen häufig eine Herausforderung. Das Bonifatiuswerk hat sich die finanzielle und ideelle Unterstützung der Betroffenen in Deutschland, in den nordischen Ländern und im Baltikum zur Aufgabe gemacht. Am Freitag wird das katholische Hilfswerk 170 Jahre alt.

"Räume des Glaubens"

Es wurde am 4. Oktober 1849 von engagierten Katholiken in Regensburg als "Bonifatius-Verein" gegründet und ist damit eines der ältesten katholischen Hilfswerke in Deutschland. Namensgeber der in Paderborn ansässigen Organisation ist der als Apostel der Deutschen geltende heilige Bonifatius (672/675-754). Erste große Aufgabe war die Unterstützung der in protestantischen und gemischt-religiösen Gegenden Deutschlands lebenden Katholiken. Nach der deutschen Teilung half der Verein, der 1968 zum "Bonifatiuswerk" wurde, dass katholisches Glaubensleben in der DDR möglich blieb. Seit 1974 setzt sich das Hilfswerk auch für die katholischen Christen in Schweden, Norwegen, Island, Finnland und Dänemark ein. Seit 1995 unterstützt es zudem die Katholiken in Lettland und Estland.

Heute richtet die Organisation ihren Blick vermehrt auf neu entstehende Diaspora-Situationen in Deutschland. Neuestes Projekt ist das Programm "Räume des Glaubens", mit dem bundesweit "innovative und missionarische Projekte" finanziell unterstützt werden sollen. Er sei gespannt auf die Bewerbungen, sagt Generalsekretär Georg Austen. "Wir haben bewusst keine Vorgaben gemacht, um die Kreativität der Teilnehmer nicht zu beschränken."

Spenden, Vermächtnisse und Schenkungen

Daneben fördert das Hilfswerk beispielsweise den Bau von Kirchen, Klöstern, Schulen und Kindergärten, religiöse Kinder- und Jugendfreizeiten sowie soziale Projekte. Bekannt ist es für seine rapsgelben Kleintransporter, die den Diaspora-Katholiken beim Überwinden weiter Wege zum Kommunionunterricht, zur katholischen Schule oder zum Seniorentreff helfen sollen. Über 600 sind davon in Deutschland im Einsatz. Prominenter Unterstützer des Bonifatiuswerks ist Udo Lindenberg, der 2018 auf dem Katholikentag mit seinen in "Likörell-Technik" gemalten Bildern zu den 10 Geboten auf die Arbeit des Hilfswerks aufmerksam machte.

Im Jahr 2018 hat das Bonifatiuswerk insgesamt 15,9 Millionen Euro ausgeschüttet. Der größte Teil der Einnahmen kommt durch eine Art Solidaritätsabgabe aller deutschen Priester zustande, die jeweils ein Prozent ihres Gehalts zur Verfügung stellen. Der Rest des Geldes stammt aus Spenden, Vermächtnissen und Schenkungen. "Die Einnahmen sind in den vergangenen Jahren trotz vieler Kirchenaustritte stabil geblieben", sagt Austen. In Zukunft rechne man aber mit einem Rückgang der Diaspora-Kollekte.

Kein Selbstzweck

Die bundesweite Sammlung in den katholischen Gottesdiensten wird immer am dritten Sonntag im November abgehalten - in diesem Jahr am 17. November. Die vorausgehende Diaspora-Aktion steht 2019 unter dem Motto "Werde Glaubensstifter" und wird am 3. November in Mainz eröffnet. Sein 170-jähriges Bestehen feiert das Bonifatiuswerk am Vorabend mit einem Festakt ebenfalls in Mainz.

Eine Prognose, wie sich das Hilfswerk in den nächsten Jahren entwickelt, will Austen nicht abgeben. Nur eines steht für ihn fest: "Die Arbeit des Bonifatiuswerks ist kein Selbstzweck. Es wäre am besten, wenn es uns gar nicht geben müsste." Allerdings dürften die Stürme der Zeit, gegen die die Minderheiten-Katholiken zu kämpfen haben, in naher Zukunft wohl kaum abflauen. Ein Ende der Diaspora und damit des Bonifatiuswerks ist nicht in Sicht.

Michael Althaus
(KNA)

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