Gundula Gause
Gundula Gause
Friedenstaube auf einem Luftballon
Friedenstaube auf einem Luftballon

16.06.2019

Gundula Gause über Glaube und die Zukunft der Kirche Glaube als Friedensstifter

Bei aller Kritik: Aus der Kirche auszutreten, ist für ZDF-Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause unvorstellbar. 2019 ist sie Mitglied der Jury für den Bonifatiuspreis. Im Interview spricht sie über ihren Glauben und die Zukunft der Kirche.

Bonifatiuswerk: Viele denken darüber nach, aus der Kirche auszutreten oder haben dies schon getan. Was hält Sie in der Kirche?

Gundula Gause (Moderatorin): Es ist für mich unvorstellbar, aus der Kirche auszutreten. Der Glaube gehört zu meinem Koordinatensystem, das in der Kirche eine verlässliche Organisation findet. Den Verlust dieser Institution würde ich – bei aller berechtigten Kritik – für eine Bedrohung halten, die die gesamte Gesellschaft existenziell treffen würde, auch die Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften. Der christliche Glaube gehört zur kulturellen und spirituellen Identität Deutschlands.

Dieses Bewusstsein und das daraus resultierende Selbstbewusstsein sind Grundlage für das Miteinander in einer immer vielfältigeren Gesellschaft. Da sich diese in allen Ländern verändert, könnten der christliche Glaube und die Verbindung über die Kirchen eine Basis für ein besseres Miteinander sein. Das sollte unser aller Ziel sein. Nicht zuletzt hält mich in der Kirche meine katholische Kirchengemeinde, in der ich als Protestantin sehr gerne lebe.  

Bonifatiuswerk: Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Alltag?

Der Glaube ist fester Bestandteil meines Alltags, da dieser von einer individuellen Haltung bestimmt wird, die wiederum von der religiösen Einstellung geprägt ist. Religion hat für mich identitätsstiftenden Charakter. Wir sind Teil einer Gesellschaft, in der Regeln das Miteinander leichter machen. Eine von vielen Regeln sollte die Religion sein.

Als Protestantin bin ich mit einem Katholiken verheiratet – mit der Familie besuche ich den katholischen Gottesdienst. Seit Jahren engagiere ich mich für das katholische Hilfswerk "missio" – und zugleich war ich 2017 als Botschafterin für das Reformationsjubiläum aktiv. Dieses ehrenamtliche Tun erfüllt mich mit Zuversicht und guter Hoffnung. In meiner Familie leben wir unseren Glauben privat und in der Gemeinde.

Bonifatiuswerk: Wie kann Kirche heute zukunftsfähig gestaltet werden, was sind Ihre Erwartungen?

Das ist eine schwierige Frage, auf die es keine leichten Antworten gibt. Vielfach sind Forderungen nach einer Grunderneuerung zu hören, die die deutschen Bischöfe nun angehen wollen. Zunächst sollten und müssen alle Defizite aufgearbeitet werden, so wie es jetzt das Thema "Sexueller Missbrauch durch Geistliche" bedingungslos einfordert.

Viel zu lang wurde hier offenbar weggeschaut. Jegliche Form von Gewalt ist schlicht gottlos. Dass sich hier der Kirche und den Menschen, die die Kirche ausmachen, eine gewaltige Herausforderung stellt, wissen wir. Daran muss dringend gearbeitet werden – strukturell und mit den Menschen.

Die Kirche steht wie viele Institutionen im Spannungsfeld von Veränderungsnotwendigkeit und Bewahren dessen, was gut ist – und ist dabei als moralisch-ethische Instanz besonderen Erwartungen ausgesetzt. Ich hoffe darauf, dass sich weiter Menschen finden, die die Kernaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums und den Glauben an Gott, leben und weitergeben.

Es geht darum, jenseits aller Verfahrensfragen, die Menschen wieder für den christlichen Glauben zu begeistern. Dass dies möglich ist, zeigt der Bonifatiuspreis des Bonifatiuswerkes, bei dem ich Jurymitglied bin. Er würdigt das Engagement von Menschen, die kreative und innovative Ideen der Glaubensvermittlung umsetzen.

Das Interview führte Theresa Meier.

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