Junge auf einer Kirchenbank
Wie ist es in einer Diaspora zu leben?
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken
Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken

03.11.2018

Wie es ist, in einer christlichen Minderheit zu leben "Chance und Herausforderung zugleich"

Wie ist es als Katholik alleine im Glauben zu sein – oder zumindest mit wenigen Mitgläubigen? Das Bonifatiuswerk unterstützt genau diese Christen, ob in Köln oder Estland. Am Sonntag beginnt daher die sogenannte Diaspora-Aktion in Osnabrück.

DOMRADIO.DE: Für alle, die nicht so im Thema sind. Warum gibt es die jährliche Diaspora-Aktion?           

Monsignore Georg Austen (Geschäftsführer des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken): Es geht um Glaubensbrüder und -schwestern, die in einer Minderheiten-Situationen leben, ob in Deutschland, in Nordeuropa oder auf dem Baltikum. Wir wollen zum einen natürlich informieren. Also: Was heißt es, in einer solchen Situation zu leben? Zum anderen sind wir auch ein Hilfswerk für den Glauben. Wir bitten um Solidarität. Wir wollen sie auch finanziell unterstützen, damit Kirche dort leben kann und eben auch ein Gesicht hat.

DOMRADIO.DE: Keiner soll alleine glauben. Aber genau dieses Motto ist für Katholiken, von denen es nicht so viele gibt, doch eine echte Herausforderung, oder?

Austen: Das stimmt. Wir haben inzwischen sehr verschiedene Diaspora-Situationen. Das kann auch in der Kölner Region sein, wo man im Glauben eben auch alleine sein kann. Aber wir haben Regionen in Deutschland und in Ostdeutschland, wo bis zu 80 Prozent der dort lebenden Menschen keiner Konfession angehören.

Oder schauen wir etwa nach Estland. Dort sind nur 0,6 Prozent der dortigen Bevölkerung katholisch. Da merkt man sehr stark die Spuren der Sowjetzeit, in der der katholischen Glauben nicht besonders erwünscht war.

Oder wenn Sie nach Nordeuropa gehen. Dort haben wir eine materiell sehr arme Kirche – zwischen 0,6 bis drei Prozent der dortigen Bevölkerung sind dort katholisch.

DOMRADIO.DE: Glaube ist ja etwas sehr persönliches, was macht es so herausfordernd?

Austen: Etwa zum Gottesdienst sind es oft weite Wege, weil es so kleine Gemeinschaften sind. Das schweißt zwar auch zusammen, aber es gibt auch Probleme. Es ist wirklich Chance und Herausforderung zugleich.

DOMRADIO.DE: Das gilt aber auch für den zweiten Teil des Leitwortes "Unsere Identität Christus bezeugen", oder?

Austen: Es ist ja im Grunde der Kern unseres Glaubens. Es geht darum, dass wir unseren Glauben an Jesus Christus selbst kennen müssen. Und: Wie können wir Christus bezeugen – und zwar in Zeiten, wo die Kirche stark belastet ist, aber auch in den Situationen am Arbeitsplatz, in den Gemeinden, bei Jugendlichen, die sich von der Kirche entfremdet haben oder entfremden. Kann man Christus bezeugen, wo immer weniger Leute ihn und seine Botschaft kennen? Nicht nur durch Worten auch durch Taten. Und da bin ich oft sehr erstaunt, was gerade in den Gegenden mit wenigen Christen an Glaubenszeugnis gegeben wird.

DOMRADIO.DE: Vor dem Gottesdienst am Sonntag steht am Samstagabend noch eine besondere Preisverleihung an und zwar die des Medienpreises "Herkunft hat Zukunft". Was steckt dahinter?

Austen: Wir haben junge Leute in Schulen, in Kirchengemeinden eingeladen, Filme zu drehen, wo sie den Wurzeln des christlichen Glaubens in unserer Kultur auf die Spur kommen. Ob das Heilige oder Patrone sind, es soll um Glaubens- und Lebenszeugnisse gehen. Es war praktisch eine aktive Spurensuche, wo das Erbe auch in starken Persönlichkeiten, die christlich gehandelt und heute Inspiration für das eigene Handeln geben. Sie haben verschiedene Filmbeiträge gedreht und sehr anschaulich aufgenommen, welcher "Saft" in den christlichen Wurzeln steckt.  

DOMRADIO.DE: Aber Sie verraten natürlich noch nicht, wer gewinnt?

Austen: Nein. Die Preisträger wissen Bescheid. Sie sind ja eingeladen, aber wir verraten nach außen noch nichts. Wir können aber bereits verraten: Sie bekommen auch Preise, die sie in der Gemeinschaft noch einmal umsetzen können. Etwa verleihen wir Workshops, wo sie lernen Filme zu drehen.

Das Interview führte Martin Mölder.

(DR)

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