Volle Stadt an einem verkaufsoffenen Sonntag
Volle Stadt an einem verkaufsoffenen Sonntag
Monsignore Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes
Monsignore Georg Austen

09.06.2017

Bonifatiuswerk gegen mehr verkaufsoffene Sonntage Familie statt shoppen

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken warnt davor, mehr verkaufsoffene Sonntage in Deutschland zuzulassen. "Der Sonntag gehört der Familie", betonte Generalsekretär Georg Austen im Hinblick auf mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten.

Wenn diese Möglichkeit wegfalle, hätten vor allem Familien zu leiden, so Austen: "die Kinder, denen ein wichtiges Stück Familie genommen wird, wenn ihre Eltern am Sonntag arbeiten müssen, und die Eltern, denen die Chance genommen wird, den oft einzigen gemeinsamen freien Tag in der Woche mit ihren Kindern zu verbringen. In besonderem Maß gilt das für die Alleinerziehenden."

Debatte um freien Sonntag

Die Debatte um den freien Sonntag ist in den letzten Tagen erneut aufgekommen. Laut einer Umfrage will eine Mehrheit der Deutschen dem Handel mehr Spielraum für Öffnungen an Sonntagen geben. 61 Prozent sprachen sich dafür aus, dass Händler selbst darüber entscheiden sollten, ob sie sonntags öffnen oder nicht, 39 Prozent der Befragten waren dagegen.

Aus den Reihen der Grünen war zudem der Vorschlag gekommen, auch die Möglichkeiten von Online-Shopping und Callcentern am Sonntag einzuschränken, um die Sonntagsarbeit auf das Notwendigste zu beschränken.

Karstadt und Kaufhof zuvor eine Initiative "Selbstbestimmter Sonntag" gegründet, die sich für mehr verkaufsoffene Sonntage einsetzt. Kritik daran gab es unter anderem von der von Kirchen und Gewerkschaften gebildeten "Allianz für den freien Sonntag".

Der Handel wolle die Sonntage zu Shopping-Tagen degradieren, sagte der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen, Hannes Kreller, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das hätte Auswirkungen auf alle gesellschaftlichen Bereiche wie die Kindergärten, die Betreuung von Schülern oder die Öffnungszeiten von Verwaltungen.

Käßmann warnt vor "kollektivem Burnout"

Die evangelische Theologin Margot Käßmann warnte vor einem "kollektiven Burnout, wenn wir keine freien Zeiten mehr teilen können". Für Menschen, die im Einzelhandel arbeiteten, sei der Sonntag ganz und gar nicht "selbstbestimmt", wenn die Läden öffneten.

Zudem sei es "offensichtlich wichtig", so die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), "dass wir als westliche Gesellschaft unsere Wurzeln und Traditionen kennen".

(KNA)

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