Pastoralreferentin bringt Segenspäckchen
Pastoralreferentin bringt Segenspäckchen
Marion Lammering
Marion Lammering

09.11.2021

Pastoralreferenten gibt es nun seit 50 Jahren Ein bisschen "Mädchen für alles"?

Eine besondere Berufsgruppe in der katholischen Kirche feiert Jubiläum. Seit 50 Jahren gibt es jetzt Pastoralreferenten. Wie haben sich die Aufgabenfelder im Laufe der Zeit entwickelt und wie sieht vor allem der Blick in die Zukunft aus?

DOMRADIO.DE: Was ist ein Pastoralreferent oder eine Pastoralreferentin?

Marion Lammering (Referentin an der Diözesanstelle für Berufungspastoral und Mentorin für die Studierenden der katholischen Theologie an der Universität Bonn): Ganz platt gesagt: ein Mädchen für alles. Ich glaube, unser Beruf ist davon geprägt, dass er einfach sehr vielseitig und abwechslungsreich ist. Kein Tag ist wie der andere und auch die Anforderungen können je nach Einsatzstelle sehr unterschiedlich sein. Auf der einen Seite bedeutet das, dass man breit aufgestellte Kompetenzen und Interessen mitbringen muss.

Auf der anderen Seite bedeutet es, dass es nie langweilig wird und man sich selber im Laufe des Berufslebens immer wieder neu erfinden oder einbringen kann.

DOMRADIO.DE: Welche Aufgaben haben Sie konkret?

Lammering: Ganz unterschiedliche - ich fange mal an mit den klassischen Pastoralreferenten und -referentinnen, die in der Gemeindepastoral eingesetzt sind. Das fängt an mit Kindergartenpastoral, Erstkommunion-, Firmvorbereitung, dem breiten Aufgabenfeld der Jugendarbeit oder sonstiger spezifischer Zielgruppenpastoral, Frauenpastoral, Alten- und Seniorenangeboten.

Wir sind auch in liturgischen Aufgabenfeldern unterwegs wie Schulgottesdiensten oder im Leiten anderer Wortgottesfeiern. Außerdem gibt es Aufgabenfelder in der Einzelseelsorge oder in der Seelsorge für bestimmte Gruppen von Menschen. Das kann zum Beispiel im Krankenhaus sein oder es gibt viele Kolleginnen und Kollegen, die in der Notfallseelsorge engagiert sind.

DOMRADIO.DE: In diesem Jahr feiert der Beruf Pastoralreferent 50 Jahre - ein großes Jubiläum. Ein Grund zum Feiern?

Lammering: Auf jeden Fall. Ich finde es toll, dass sich dieser Beruf so etabliert hat. Man muss wirklich sagen, dass die Berufsgruppe der Pastoralreferentinnen und -referenten eine sehr tragende Säule der hauptamtlichen Mitarbeiter in der Kirche stellt oder geworden ist. Ich glaube, wir bringen einfach viel persönliche Erfahrungen mit ein und auch einen breiten Erfahrungsschatz aus unterschiedlichen Lebensweltbezügen.

Ehrlich gesagt, ich finde es auch ziemlich toll, dass es getaufte und gefirmte Christen gibt, die sich so sehr mit ihren Charismen und mit ihrem Einsatz einbringen möchten, dass sie sagen: Ich mache das nicht nur ehrenamtlich, sondern ich arbeite auch hauptberuflich für die Kirche. Ich mache das wirklich zu einem sehr wichtigen, sehr großen Lebensinhalt.

DOMRADIO.DE: Zwar wird der Beruf des Pastoralreferenten 50 Jahre, aber die Pastoralreferentinnen feiern erst 45 Jahre Jubiläum. Frauen durften den Beruf erst ab 1976 ausüben. Oder muss man sagen "schon"?

Lammering: Das ist eine gute Frage. Ich weiß es ehrlicherweise nicht so genau. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es auch einfach so war, dass sich das entwickeln musste. Wenn wir überlegen: Anfang der 70er Jahre war die Würzburger Synode und gesellschaftspolitisch hat sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft verändert oder wurde anders wahrgenommen.

Jetzt liegen zwischen den Pastoralenreferenten und den -referentinnen fünf Jahre. Wenn man überlegt, wie lange kirchliche Prozesse manchmal dauern, dann finde ich ehrlicherweise, ist das gar nicht so lang. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass es noch nicht so viele Frauen gab, die dieses Studium abgeschlossen hatten, das eine Zugangsvoraussetzungen für diesen Beruf ist. Denn wenn es kein Berufsbild gibt, das ich danach erlernen kann, wieso soll ich dann Theologie auf Diplom studieren? Vielleicht spielte auch einfach die Zeit eine Rolle bei dieser Verzögerung. 

DOMRADIO.DE: Wie kann man heute Pastoralreferent oder Pastoralreferentin werden? Wie lange dauert das Studium?

Lammering: Die Regelstudienzeit dauert fünf Jahre plus ein Semester pro neu erlernter Fremdsprache. Das ist bei den meisten Hebräisch und Griechisch. Dann kommt man schon mal auf sechs Jahre. Danach kommt eine Berufseinführungsphase. Das kann man, wenn man möchte, so ein bisschen vergleichen mit dem Referendariat für Lehrer. Da wird einem praktisches Handwerkszeug gezeigt und man wird in einer Art Ausbildungssituation begleitet, um in diesen Beruf einzusteigen.

DOMRADIO.DE: Wie hat sich der Beruf in den letzten Jahren entwickelt oder wie wird er sich voraussichtlich in Zukunft entwickeln?

Lammerting: Das ist eine sehr gute Frage, mit der wir uns in der Berufsgruppe auch sehr beschäftigen. Dadurch, dass wir immer in Bezügen von Kirche oder auch von der Lebenswelt oder der Lebensrealität von Menschen arbeiten, fand immer ein Wandel statt. Wenn man mit Kolleginnen der ersten Generation spricht, hat man den Eindruck, dass es damals noch nicht klar war, was Pastoralreferenten eigentlich sind, was sie können oder was man mit denen machen kann. Das war, glaube ich, so ein Herantasten.

Dann gab es auch die Veränderung, dass Kirchengemeinden immer größer geworden sind. Da war dann sicher auch noch mal ein strukturelles Umdenken erforderlich. Ich glaube, wir sind auch mehr dazu gekommen, weniger in der Praxis zu verrichten, als auch noch mal konzeptionell zu schauen und zu arbeiten.

Jetzt mit Blick auf die Zukunft, wo wir grundsätzlich das Problem sehen, dass kirchliches Leben an Relevanz verliert oder Räume immer größer werden ist es, glaube ich, unsere Aufgabe, mehr und mehr zu Ermöglichern zu werden und weniger konkrete Projekte und Aufgaben selber umzusetzen. Stattdessen sehe ich unsere Aufgabe darin, Menschen oder Ehrenamtliche zu finden und auch zu befähigen und zu begleiten, dass sie solche Aufgaben übernehmen können.

Damit sie selber vielleicht auch nochmal schauen, was wir machen können, um diejenigen zu erreichen, die vielleicht schon eine Sehnsucht haben und auf der Suche nach kirchlicher Beheimatung sind, die wir aber gerade im Moment nicht mehr erreichen können. Dabei einfach innovativ zu werden und mitzuüberlegen, wie Kirche sich weiterentwickeln und gestalten kann, um zukunftsfähig zu werden. Das finde ich sehr herausfordernd und schön - gerade jetzt in dieser Zeit.

Das Interview führte Florian Helbig.

(DR)

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