Beate Bäumer
Beate Bäumer

16.09.2021

Katholisches Büro Hamburg erleichtert über Heße-Entscheidung "Hoffentlich gelingt der Neuanfang"

Nach einem halben Jahr Wartezeit steht fest: Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bleibt im Amt. Das katholische Büro in Hamburg ist vor allem erleichtert, dass die Ungewissheit nun ein Ende hat - wünscht sich aber auch Klarheit für die Zukunft.

DOMRADIO.DE: Was hören Sie aus den Gemeinden zum abgelehnten Rücktritt des Erzbischofs?

Beate Bäumer (Katholisches Büro Hamburg): Aus den Gemeinden kommt die ganze Bandbreite. Aber was wirklich überwiegt, ist ganz stark dieses Gefühl der Erleichterung. Erleichterung, dass es jetzt endlich eine Entscheidung überhaupt gibt und dass wir damit umgehen können.

Und dann gibt es natürlich diejenigen, die hadern und sagen: Der Erzbischof ist so belastet, der kann eigentlich nicht weitermachen. Und es gibt die, die finden, dass bei uns eigentlich noch so viel auf dem Teller liegt und der Erzbischof eigentlich auch ganz dringend gebraucht wird, um bestimmte Reformprozesse zum Abschluss zu bringen.

Und viele Menschen mögen den Bischof ja auch und freuen sich, dass er jetzt wieder an Bord ist. Und es gibt natürlich die, für die ist Hamburg, für die ist der Erzbischof weit weg. Da geht es halt mehr darum, wie ich die Gottesdienste unter Corona-Bedingungen feiere. Wie baue ich den Tauf- und Trau-Stau ab? Und wie gestalte ich das Gemeindeleben vor Ort? Da ist dann, glaube ich, der Erzbischof mehr eine Randnotiz. Also die gibt es natürlich auch.

DOMRADIO.DE: Das katholische Büro ist sozusagen die Schnittstelle zwischen Kirche und Politik. Wie reagiert denn die Hamburger Politik auf den Verbleib des Erzbischofs?

Bäumer: Also ich bin ja für beide Länder zuständig, für Hamburg und Schleswig-Holstein. Aus beiden Ländern kommt offiziell nichts. Das finde ich jetzt nicht verwunderlich, sondern ich finde es eher sehr professionell. Es gibt bestimmte Dinge, die sollten nicht kommentiert werden, das ist so üblich. Alles andere hätte mich auch gewundert. Aber ich merke in Gesprächen schon, dass es am Erzbistum Hamburg, am Erzbischof und auch an der Person Stefan Heße und an den Menschen im Bistum wirklich ein echtes Interesse der Politik gibt. Wir hatten jetzt kürzlich unsere Spitzen-Gespräche, Landesregierung und Erzbistumsleitung, natürlich noch ohne den Erzbischof. Das war Ende August in Schleswig-Holstein und Anfang September mit den Hamburgern. Und da hat man das nochmal sehr gemerkt. Also dieses echte Interesse und aber auch das Interesse an den eigentlichen Themen. Wir haben da sehr sachlich diskutiert und es kringelte sich eben nicht immer alles um den Erzbischof, sondern wirklich um die Menschen, um die Lage, um die Dinge, die wir jetzt bewältigen müssen. Gemeinsam.

DOMRADIO.DE: In einem Brief an die Gläubigen schreibt Erzbischof Heße nun sei es Zeit für einen Neustart im Erzbistum Hamburg. Was meinen Sie? Gelingt er oder bleibt dann doch was hängen?

Bäumer: Das hoffe ich doch. Ich hoffe vor allen Dingen auch, dass es schnell weitergeht und dafür gibt es schon einige Anzeichen. Der Bischof hat ja angekündigt, dass er sich jetzt mit ganz vielen Menschen aus den Gremien beraten will. Das finde ich gut und ich finde, das sollte vor allem jetzt auch zügig gehen. Und ich weiß auch von vielen Priestern, dass sie darauf warten, dass der Austausch jetzt beginnt. Und da ist ja das Gute: Er muss ja nicht bei Null anfangen. Es gibt ja eine Gesprächsbasis und von daher bin ich ganz zuversichtlich, dass es jetzt schnell weitergeht. Und ich hoffe, dass dieser Neuanfang einfach auch gut gelingt.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich für die zukünftige Zusammenarbeit?

Bäumer: Naja, also ich habe ja bislang auch gerne mit dem Erzbischof zusammengearbeitet und ich wünsche ihm natürlich jetzt, dass er als ein sehr starker und klarer Erzbischof zurückkommt, er aber auch versöhnen kann. Ich glaube, das braucht das Bistum auch und ich wünsche ihm vor allen Dingen auch einen fairen Umgang. Was mir so auffällt ist, dass gerade einige Verbandsvertreter auch dem Erzbischof wirklich medial ordentlich gegen das Knie treten. Und wenn man sich dann gegenübersteht, dann trauen sie sich nicht mehr, ihm das zu sagen. Und das finde ich nicht fair und ich wünsche ihm da wirklich einen fairen Umgang mit allen Beteiligten.

Das Interview führte Hannah Krewer. 

(DR)

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