Mutterhaus der Dillinger Franziskanerinnen
Mutterhaus der Dillinger Franziskanerinnen

10.09.2021

Dillinger Franziskanerinnen legen deutsche Provinzen zusammen Nachwuchsmangel zwingt große Ordensgemeinschaft zu Fusion

Sie sind eine der traditionsreichsten Ordensgemeinschaften Deutschlands: die Dillinger Franziskanerinnen aus Bayerisch-Schwaben. Wegen Überalterung bauen sie nun ihre Verwaltung zurück und wollen Neues wagen.

Keine 50 Jahre wird am Ende gehalten haben, was 1973 beschlossen wurde: die Aufspaltung der einen deutschen Provinz der Dillinger Franziskanerinnen in drei.

Neben dem Mutterhaus Dillingen an der Donau in Bayerisch-Schwaben sind seither auch das Kloster Maria Medingen im ebenso schwäbischen Mödingen und die Niederlassung im fränkischen Bamberg selbstständige Distrikte der Kongregation. Die Aufspaltung sollte persönliche Beziehungen zwischen Schwestern und Leiterinnen ermöglichen und die Provinzführung entlasten. Doch längst sinken die Mitgliederzahlen. Daher folgt nun der Rückbau: Ab 2022 wird es wieder nur eine Provinz geben.

"Dillinger Franziskanerinnen, Deutsche Provinz" heißt die neue Verwaltungseinheit dann. Ihr Sitz ist Dillingen. Geleitet wird sie von Schwester Martina Schmidt (61), der bisherigen Bamberger Oberin.
All das sind Ergebnisse eines außerordentlichen Kapitels, das die Ordensfrauen kürzlich abgehalten haben.

Traditionsreiche Ordensgemeinschaft

Die 1241 gegründeten Dillinger Franziskanerinnen sind nicht irgendeine Ordensgemeinschaft, sondern eine der großen und vor allem traditionsreichsten Deutschlands, wie die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) erklärt. "Sehr viele Ordensgemeinschaften wurden im 19. Jahrhundert gegründet. Da gab es die Dillinger schon längst, bald 775 Jahre. Sie sind auch einige der wenigen, die in der Säkularisation nicht aufgelöst wurden und diese 'überlebt' haben", sagt Schwester Agnesita Dobler, die Generalsekretärin der DOK.

Für die Dillinger Franziskanerinnen selbst spricht Schwester Martina Schmidt: "1973 waren wir rund 1.800 Schwestern in Deutschland, heute sind wir noch 360. Daher können wir nicht mehr all das leisten, was wir vor 50 Jahren geleistet haben." Was das konkret bedeutet? "Zunächst einmal kommt eine Phase des menschlichen Kennenlernens." Klar aber sei: "Wir werden erst mal keine Häuser schließen."

35 Filialen

Insgesamt haben die Dillinger Franziskanerinnen 35 Filialen, teils mit nur zwei, drei Schwestern. In ihrer Trägerschaft befinden sich in Bamberg und Dillingen je ein Gästehaus und eine Pflegeeinrichtung für Mitschwestern sowie in Bamberg und Maria Medingen zusammen drei Kindertagesstätten. Hinzu kommt, dass die Schwestern in Dillingen in Behinderteneinrichtungen der Regens-Wagner-Stiftungen engagiert sind (weshalb die Dillinger Provinz auch nach deren Gründer, dem Geistlichen Johann Evangelist Wagner, benannt ist).

All das bleibe fürs Erste unangetastet, versichert Schwester Martina.
"Es wird auch kein Versetzungsroulette, keine Durchmischungsaktionen, für unsere Schwestern geben, aus Respekt vor den historisch gewachsenen Gemeinschaften." Insofern sei die lange vorbereitete Fusion auch kein einfacher Entschluss gewesen. "Das Vertraute in der kleinen Provinz, das Wissen darum, welche Charismen jemand hat, das muss im größeren Rahmen erst wachsen. Das kostet Anstrengung."

"Neues wagen"

Nicht nur rückbauen, sondern auch "Neues wagen" wolle man, fügt die künftige Leiterin hinzu. Die Berufungspastoral solle neu aufgestellt werden, ebenso die Öffentlichkeitsarbeit. "Wir wollen uns bewusster in die Wahrnehmung von Menschen bringen, die auf der Suche sind." Dazu gelte es etwa, Instagram zu "entdecken".

Und warum sollte eine junge Frau bei den Dillinger Franziskanerinnen eintreten? "Wir führen ein ausgefülltes Leben aus der Kraft des Evangeliums. Vertrauen und Freude sind unser Grundtenor", wirbt Schwester Martina. In Indien wachse der Orden derweil. Dort sowie in Brasilien, Spanien und den USA gebe es insgesamt gut 200 Schwestern.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Dillinger Franziskanerinnen nun einen Einschnitt erleben. 1438 wurde ihr Mutterhaus durch ein Feuer zerstört, im Dreißigjährigen Krieg ging das Kloster fast unter, im Zuge der Säkularisation durfte es zeitweise keine neuen Frauen mehr aufnehmen, in der Nazi-Zeit wanderten mehrere Schwestern aus. 2015 gab es wieder einen Großbrand, diesmal in Maria Medingen. Eine Schwester starb, es entstand ein Millionenschaden. Verglichen mit dieser Historie ist der anstehende Schritt dann doch ein eher kleiner.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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