Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Der Osnabrücker Dom St. Peter
Der Osnabrücker Dom St. Peter

01.09.2021

Franz-Josef Bode ist seit 30 Jahren Bischof Vorkämpfer für Veränderungen

Seit Jahren fordert Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode öffentlich Veränderungen in der katholischen Kirche. An diesem Mittwoch feiert der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz den 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe.

Er plädiert für mehr Vielfalt in der Kirche, will die Verantwortung von Frauen stärken und kritisiert das Segnungsverbot für homosexuelle Paare: So deutlich wie kein anderer katholischer Oberhirte in Deutschland spricht sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode für Reformen aus - und das schon seit vielen Jahren.

Am 1. September begeht Bode, der im Februar 70 Jahre alt geworden war, den 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe.

Beim Amtsantritt in Osnabrück vor 26 Jahren war der Theologe mit 44 Jahren Deutschland jüngster Diözesanbischof. Heute ist er der dienstälteste. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und leitet deren Pastoralkommission. Trotzdem fühlt er sich kaum verändert durch die Zeit, wie er unlängst bekannte.

Erfahrungen in der Seelsorge gesammelt

Bode wurde am 16. Februar 1951 in Paderborn geboren und wuchs im nahe gelegenen Borchen-Etteln auf. Er war in der Priesterausbildung tätig, promovierte und arbeitete zunächst als Pfarrer, bevor er am 1. September 1991 Weihbischof in Paderborn wurde. Am 26. November 1995 trat er sein Amt als Bischof von Osnabrück an. Mit dem Bistum Osnabrück ist "Bibo", wie er liebevoll genannt wird, in dieser Zeit gleichsam verwachsen. Er gilt als seelsorgender Bischof, der auf Menschen zugeht, ohne sie zu vereinnahmen.

Laien als Pfarrbeauftragte

Die Mitwirkung von Laien in der kirchlichen Arbeit ist ihm ein wichtiges Anliegen. In mehreren Gemeinden des Bistums Osnabrück hat er sogenannte Pfarrbeauftragte als Leiter eingesetzt, die sonst nur Priestern vorbehaltene Aufgaben übernehmen. Geistliche unterstützen sie als "moderierende Priester". Mit diesem Modell ist die Diözese bundesweit Vorreiter.

In gleich mehreren Gemeinden machte Bode Frauen zu solchen Pfarrbeauftragen. Er spricht sich klar für ein Diakonat für Frauen aus, dämpft aber zugleich Erwartungen. Das könne nicht in Kürze realisiert werden: "Wir brauchen Visionen. Es hätte wohl niemals Veränderungen in der Kirche gegeben, wenn Menschen sich nicht für etwas eingesetzt hätten, dessen Ziel sie selbst vielleicht gar nicht mehr erreichen." Er will dranbleiben, verspricht er.

Versäumnisse bei der Missbrauchsaufarbeitung

Zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen setzte Bode im Bistum Osnabrück verschiedene Gremien ein, denen auch externe Fachleute angehören. In diesem Jahr beauftragte er eine auf drei Jahre angelegte Studie bei der Universität Osnabrück, bei der auch Namen von Verantwortlichen genannt werden sollen. Die Einsetzung einer geplanten gemeinsamen Aufarbeitungskommission sowie eines Betroffenenbeirats zusammen mit den Nachbarbistümern Hamburg und Hildesheim steht noch aus.

Weil Bode Versäumnisse im Umgang mit einem des Missbrauchs beschuldigten Priester vorgeworfen werden, wurden vereinzelt auch Rücktrittsforderungen gegen den Bischof laut. Er selbst räumte Versäumnisse ein, lehnte einen Amtsverzicht jedoch ab. "Wenn ich zurücktrete, dann kann ich für dieses Bistum nichts mehr in dieser Frage tun und das möchte ich mir für die Zukunft nicht nehmen lassen", erklärte er.

Von gesundheitlichen Problemen erholt

Einen großen Einschnitt bedeutete für den Oberhirten das Jahr 2018. Mehrere Rückenoperationen setzten ihn fast vollständig matt. Doch er erholte sich. Der 30. Jahrestag seiner Bischofsweihe wird am Sonntag mit einem Festgottesdienst im Osnabrücker Dom gefeiert. Damit holt Bode zugleich das Fest zu seinem 70. Geburtstag nach, das coronabedingt im Februar nicht stattfinden konnte. Die Predigt hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Daneben wird weitere Prominenz aus Politik und Kirche erwartet.

Blick nach vorne

Für die verbleibenden knapp fünf Jahre bis zur Altersgrenze hat Bode noch einiges vor: In einem weiteren "Zukunftsgespräch" - dem dann fünften - soll diskutiert werden, "wie wir Christen in einer säkularen Welt leben wollen und was finanziell künftig für die Kirche noch möglich ist". Dabei will Bode seine Erfahrungen aus über 25 Bischofsjahren hinüberbringen über den "epochalen Einschnitt" der Corona-Krise und eine Grundlage schaffen, auf der ein neuer Bischof aufbauen kann. Bode ist überzeugt: Die Kirche befindet sich an einem Wendepunkt. Kein Stein werde auf dem anderen bleiben.

Michael Althaus
(KNA)

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