Bischof Clemens August Graf von Galen
Clemens August Graf von Galen
DOK-Vorsitzende Katharina Kluitmann
Schwester Katharina Kluitmann

19.07.2021

Ordensoberen-Chefin wirbt für neuen Blick auf Kardinal von Galen "Selig, aber nicht perfekt"

Kardinal von Galen aus Münster predigte vor 80 Jahren gegen die Nazis. Das war für ihn nicht einfach, sagt Sr. Katharina Kluitmann. Der Kardinal ist heute trotzdem nicht unumstritten. Aber gerade das sieht sie als Chance. Eine Predigtreihe erinnert an von Galen.

DOMRADIO.DE: 80 Jahre sind seine Predigten jetzt her. Die Zeiten sind heute zum Glück andere. Sehen Sie darin trotzdem noch eine aktuelle Botschaft?

Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF (Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz): Ja, ich denke, dass die Botschaft aktuell geblieben ist. Die Botschaft, für das Leben einzutreten, egal in welcher Phase, egal von wem. Menschliches Leben ist wertzuschätzen. Die Würde des Menschen ist zu achten. Kardinal von Galen ist für die Freiheit eingetreten. Und das ist, würde ich sagen, heute immer noch aktuell.

DOMRADIO.DE: Sie werden morgen selbst predigen. Welche Bedeutung hat Clemens August von Galen für Sie ganz persönlich?

Sr. Katharina: Ich wohne hier im Schatten der Überwasserkirche, in der meine kleine Kommunität auch immer die Gebetszeiten hält. Er ist so etwas wie ein Nachbar. Natürlich habe ich ihn nicht mehr kennengelernt. Ich bin 1964 geboren, er ist kurz nach dem Krieg gestorben. Aber wir leben hier mit ganz vielen großartigen Nachbarn. Edith Stein hat hier um die Ecke gewohnt. Karl Rahner hat hier um die Ecke gewohnt, oder Karl Leisner. Viele Seliggesprochene und noch nicht Seliggesprochene. Man kann selbst auf den Straßen und in den Häusern von Münster selig werden.

DOMRADIO.DE: Clemens August von Galen war nicht nur der flammende Widerständler gegen die Nazis. Historiker kritisieren heute, dass er den Russlandfeldzug durchaus befürwortete und auch zum Holocaust schwieg. 2005 wurde er selig gesprochen. Ist das nicht ein bisschen zwiespältig?

Sr. Katharina: Ach, ich glaube, manchmal hätten wir es so schrecklich gerne, wenn die großen Vorbilder einfach perfekt wären. Kardinal von Galen ist selig. Aber er ist nicht perfekt und ich finde das eigentlich viel schöner. Wenn er perfekt wäre, hätte ich eh keine Chance und bräuchte mir an ihm auch kein Beispiel zu nehmen. Manchmal frage ich mich, ob wir deshalb die Leute so hochheben, damit sie uns irgendwie nicht ankratzen können. Er hat den kleinen Schritt, den er verstanden hat, getan und manchmal frage ich mich, ob das nicht ein Riesenschritt war.

Ich bin Psychologin und ich weiß, was es heißt, gegen seine Struktur zu verstoßen. Er kam aus einer Adelsfamilie. Der Obrigkeit zu gehorchen war wichtig für ihn und er hat öffentlich der Obrigkeit widersprochen. Ich weiß nicht, ob ihn das nicht innerlich mehr gekostet hat, als dass er vielleicht damit rechnen musste, ins Gefängnis, ins KZ zu kommen.

DOMRADIO.DE: 80 Jahre sind die Predigten von von Galen jetzt her. Das wird mit einer Gottesdienstreihe in Münster gewürdigt. "Gerade Galen" ist der Titel. Was wird da genau passieren?

Sr. Katharina: Von Galen hat drei Predigten gehalten, eine in Lamberti, eine in der Überwasserkirche und eine im Dom. Die Überwasserkirche und der Dom haben sich jetzt zu dieser kleinen Reihe entschieden. Wir werden einen Wortgottesdienst feiern. Dem wird Pfarrer Holznienkämper vorstehen. Ich werde die Predigt halten. Vor allen Dingen wird aber am Anfang eine Einführung geben von Stefan Scholltyssek, dem Pastoralreferenten, der das Ganze mit einem kleinen Team vorbereitet. Wir werden Auszüge aus der ursprünglichen, sehr, sehr langen Predigt von von Galen hören. Wir werden das Evangelium hören, das vor genau 80 Jahren, damals an einem Sonntag, verlesen wurde: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen." Und es wird eine Predigt geben. Es wird Fürbitten geben. Wir werden miteinander beten und singen.

DOMRADIO.DE: Darf wirklich jeder in die Kirche kommen? Oder wie ist das mit den Corona-Beschränkungen?

Sr. Katharina: Die Kirche ist sehr groß und die Inzidenz gerade relativ erträglich. Es ist davon auszugehen, dass nicht mehr Leute kommen, als in diese Kirche hineinpassen, auch unter Corona-Bedingungen.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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