Eine Rose auf einem Sarg
Eine Rose auf einem Sarg
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck

26.02.2021

Bischof Overbeck gedenkt der Corona-Toten "Das tut mir wirklich im Herzen weh"

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gedenkt täglich der Corona-Toten, besonders aber an diesem Wochenende. Er sieht die Last der Menschen in dieser Zeit, erinnert aber auch an die privilegierte Situation hierzulande.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie sich ein Jahr zurückerinnern, dachten Sie damals, dass Corona vielleicht auch an uns vorübergehen könnte?

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen): Mir war sehr bewusst, angesichts der Vorgänge und Informationen, die ich aus China hatte, und was ich geschichtlich im Blick hatte, dass das eine Herausforderung werden könnte, die uns lange beschäftigt. Ich konnte natürlich nicht wissen, wie lange. Aber es hat sich bewahrheitet: Es ist und wird noch eine Zeit dauern, in der wir davon sprichwörtlich ganz gefangen genommen sind.

DOMRADIO.DE: Plötzlich gab es ja auch immer mehr Fälle bei uns. Die ersten Berichte über Covid-19-Tote. Haben Sie in diesem Jahr Menschen aus ihrem unmittelbaren Umfeld verloren?

Overbeck: Ich habe Menschen aus meinem unmittelbaren Umfeld verloren, die ich gut gekannt habe, aus dem Freundes- und Verwandtenkreis niemanden. Aber ich trauere schon mit ganz vielen Menschen. Das tut mir wirklich im Herzen weh, was ich da sehe und erlebe.

DOMRADIO.DE: Sie werden an diesem Samstag in einer Eucharistiefeier an die Corona-Opfer und die Angehörigen denken. Alle Bistümer machen da nicht mit. Aber Ihnen war das wichtig, oder?

Overbeck: Ja, mir war das von Anfang an immer wichtig. Als der Bundespräsident vor Wochen bat, dass wir doch für die Corona-Toten Kerzen in die Fenster stellten, hab ich ihm auch sofort gesagt. Wir beten immer, jeden Tag, in jeder Heiligen Messe für die Toten. Von daher ist dieses wunderbare Symbol, eine Kerze anzuzünden, uns ja selbstverständlich und wir beten dafür ja auch so, dass Gott den Toten das Licht gebe und stecken es dann als Licht auch auf den Gräbern an.

Gleichzeitig weiß ich, dass uns das sehr herausfordert, mit einer Kultur umzugehen, in der die Vergänglichkeit uns zeigt, wie begrenzt wir sind, eine so große Rolle spielt. Viele haben, glaube ich, vorher daran nicht so deutlich gedacht.

DOMRADIO.DE: Wie genau werden sie denn morgen diesen Gottesdienst gestalten?

Overbeck: Wir werden morgen Abend für diese Toten besonders beten. Ich werde das im Rahmen eines anderen Gottesdienstes auch tun, in dem es darum geht, neue Religionslehrerinnen und Religionslehrer zu bestellen. Das ist schon sehr lange auf diesen Tag festgelegt gewesen.

Und ich werde das Sonntag natürlich bei uns in unserem Dom tun. Ich werde auch dazu anlässlich des zweiten Fastensonntags, wo es um die Verklärung Jesu geht, die Predigt halten. Es ist ein wunderbares Bild, das uns natürlich an das Ziel unseres Lebens erinnert, so schwer das oft auch im Modus der Hoffnung zu erreichen und im Glauben festzuhalten ist.

DOMRADIO.DE: Manche sehen ja jetzt die "dritte Welle", andere sagen, es wird ein fast ganz normaler Sommer werden, es sei gerade so ein letztes Aufbäumen der Pandemie. Was hat Ihnen denn in dem vergangenen Jahr Hoffnung gegeben, diese schwierige Zeit durchzustehen?

Overbeck: Ich habe immer daran gedacht, dass es schon viele Generationen gegeben hat, die mit Seuchen, mit solchen Formen der pandemischen Herausforderung haben umgehen müssen. Wir leben in Zeiten, in denen wir das unter den jetzigen Bedingungen natürlich auch mit vielen Lasten tun.

Aber wir wissen auch, dass wir, gerade wenn ich hier an unser Land denke, und als Adveniatbischof im Vergleich an Lateinamerika und die Karibik denke, in einer Situation stehen, in der wir doch viele Möglichkeiten haben, die andere Länder nicht haben. Trotzdem geht uns das wirklich bis an den Nerv unseres Lebensgefühls und von daher weiß ich, dass wir, wenn die Pandemie zu Ende ist, in eine neue Normalität eintreten.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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