Heiner Koch, Erzbischof von Berlin
Erzbischof Heiner Koch
Der evangelische "Hauptstadtbischof" Christian Stäblein
Der evangelische "Hauptstadtbischof" Christian Stäblein

16.11.2020

Berliner Bischöfe gedenken am Volkstrauertag der Corona-Opfer Corona als "Qual für die Seele"

Die Medizin stoße in der Coronakrise an ihre Grenzen, ebenso wie das Gottvertrauen, so der Berliner Erzbischof Heiner Koch bei einem interreligiösen Gedenkgottesdienst. Das Vertrauen müsse miteinander gelernt werden.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom haben die Kirchen am Volkstrauertag der am Corona-Virus gestorbenen Menschen gedacht. Der katholische Erzbischof Heiner Koch nannte die Pandemie eine "Vertrauenskrise". Die Menschen hätten darauf vertraut, dass die Natur an sich gut sei. Doch sie habe auch lebenszerstörende Kraft in sich.

"Wir haben den Medizinern vertraut und merken nun, dass sie an ihre Grenzen kommen", räumte der Erzbischof des Erzbistums Berlin ein. "Wir vertrauten Gott und merken nun, dass wir ihn nicht verstehen." Koch rief dazu auf, "miteinander zu lernen, vertrauende Menschen zu werden".

Ökumenisches und interreligiöses Gebet

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, predigte über den 23. Psalm, der oft bei Sterbenden gesprochen wird. "Der 23. Psalm gehört vermutlich zu den am meisten gemurmelten Psalmen überhaupt", erklärte Stäblein. "Er wird gesprochen in Angst, wenn die Mutter und der Partner an die Schläuche angeschlossen wird, als Gegenbild, wenn die Krankheit ihren Grauschleier wirft."

Gerade heute könnten die Menschen solche Gebete gut gebrauchen, betonte Stäblein. "Weil zu allen Zeiten dieser Psalm eine Bleibe auf unserem Weg ist." Auch der Rabbiner Andreas Nachama und die muslimische Imamin Andrea Reimann wirkten am Gottesdienst mit Gebeten ihrer Religionen mit.

Bürgermeister Müller: Corona ist "Qual für unsere Seele"

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der auch im Namen der verhinderten stellvertretenden Brandenburger Ministerpräsidentin Ursula Nonnemacher (Grüne), sprach, sagte in einem Grußwort, in der Corona-Pandemie sei das Gebot des Abstands "eine Qual für unsere Seele". Es sei wichtig, dass Trauernde "ein Zeichen des Mitgefühls wahrnähmen, aus Gotteshäusern mit den Stimmen aus den großen Religionen", betonte Müller.

"Wir werden die schwere Zeit der Pandemie überstehen, und wir werden wieder bessere Zeiten erleben." Müller rief die Gottesdienstbesucher auf, die Corona-Regeln zu beachten und Verantwortung zu zeigen. "Lassen Sie uns aufeinander achten und gemeinsam stark sein, lassen Sie uns gemeinsam das Leben schützen."

Der Leiter des Medienressorts beim Berliner "Tagesspiegel", Joachim Huber, berichtete im Gottesdienst von seiner Corona-Erkrankung. Er musste künstlich beatmet werden, lag wochenlang auf der Intensivstation und erlitt einen Herzinfarkt. "Das Coronavirus ist immer da, wo Menschen leichtfertig agieren", warnte Huber. "Covid kennt keinen Spaß: Das Virus sucht sich seine Opfer." Auch eine Künstlerin und ein Studierendenvertreter sprachen im Gottesdienst über ihre Erfahrungen während der Corona-Krise.

(KNA)

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