Rechtliche Absicherung der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln
Insignien weltlicher Gerichtsbarkeit: Justitia und Aktenstapel.

28.04.2020

Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Hamburg geht weiter Unabhängige Studie und weitere Absprachen

Die staatlichen Ermittlungen zu mutmaßlichen Fällen von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester sind weitgehend eingestellt. Ungeachtet dessen will das Erzbistum Hamburg die Aufklärung der Taten weiter vorantreiben. 

"Das Thema Aufarbeitung wird uns weiter begleiten", sagte der Sprecher Manfred Nielen am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Hamburg.

Derzeit laufe bereits eine unabhängige Studie zur Aufarbeitung im Bistumsteil Mecklenburg, wo eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz besonders viele Fälle registriert hatte. Auch in den Regionen Hamburg und Schleswig-Holstein seien weitere Schritte geplant. Dazu liefen Absprachen mit dem Bistum Osnabrück, zu dem diese Gebiete bis 1995 gehörten.

18 mutmaßliche Missbrauchsfälle im Erzbistum Hamburg

Nach der Veröffentlichung der bundesweiten Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche Ende 2018 hatte das Erzbistum Hamburg insgesamt 18 mutmaßliche Missbrauchsfälle an die zuständigen Generalstaatsanwaltschaften in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern übergeben.

In den meisten Fällen wurden die Ermittlungen den jeweiligen Behörden zufolge nach Prüfung der Unterlagen eingestellt oder gar nicht erst aufgenommen, weil die Taten verjährt waren oder kein hinreichender Verdacht bestand. Teils seien die beschuldigten Geistlichen auch schon verstorben. Lediglich die Staatsanwaltschaft Lübeck prüft eigenen Angaben nach noch einen Teilaspekt eines Falls.

"Es war uns wichtig, erneut externe Stellen einschalten"

"Die Aktenüberlassung war ein ergänzender Schritt, vor dem schon viele andere Dinge passiert sind", erklärte Nielen. "Es wird immer wieder der Vorwurf erhoben, dass die Kirche hier etwas zurückhält. Daher war uns wichtig, erneut externe Stellen einzuschalten."

Alle jetzt weitergeleiteten Fälle seien zum Zeitpunkt ihres Bekanntwerdens schon einmal bei den zuständigen Staatsanwaltschaften angezeigt worden, betonte der Erzbistumssprecher. Dies sei im Wesentlichen im Jahr 2010 geschehen. In der Folge sei ein Ermittlungsverfahren aufgenommen worden, an dessen Ende die Rehabilitierung des beschuldigten Priesters gestanden habe.

Weiter seien zwei kirchenrechtliche Verfahren angestrengt worden, infolge derer zwei Priester in den Ruhestand versetzt worden seien. Im Gegensatz zu damals habe die Erzdiözese die Fälle nun nicht nur bei den Staatsanwaltschaften angezeigt, sondern auch unaufgefordert alle zugehörigen Hinweise aus Personalakten und Archiven übergeben.

(KNA)

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