Porträt von Schwester Doris Engelhard auf dem Etikett des Klosterbieres "Mallersdorfer Klosterbräu"
Porträt von Schwester Doris Engelhard auf dem Etikett des Klosterbieres "Mallersdorfer Klosterbräu"
Schwester Doris testet ihr Bier
Schwester Doris testet ihr Bier

28.02.2020

Schwester Doris über ihr Fastenbier "Was flüssig ist, bricht fasten nicht"

Gerade nach Karneval verzichten viele in der Fastenzeit auf Alkohol. Doch es geht auch anders: Schwester Doris von den Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf braut für die Fastenzeit ein eigenes Fastenbier. Ist das ein Widerspruch?

DOMRADIO.DE: Schwester Doris, warum haben Mönche im Mittelalter denn Fastenbier gebraut?

Schwester Doris Engelhard (Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen in Mallersdorf): Weil sie wirklich gefastet haben. Die haben auf die feste Nahrung verzichtet. Mönche und Nonnen waren sehr erfinderisch mit Dingen, die ihnen guttun, und damals haben sie dann einfach starkes Bier gebraut. Denn: Was flüssig ist, bricht fasten nicht.

DOMRADIO.DE: Heute ist es eher so, dass viele feste Nahrung zu sich nehmen und dann auf das Bier verzichten. Jetzt sprechen wir erst mal über das Fastenbier selber. Wann ist denn ein Bier ein Fastenbier? Müssen da bestimmte Regeln beim Brauen eingehalten werden?

Schwester Doris: Nein, man kann jedes Bier zum Fasten nehmen. In Bayern ist es üblich, dass wir in der Fastenzeit ein Doppelbock haben, das heißt, das Bier hat mindestens 18 Prozent Stammwürze und wird dann zu sechs bis sieben Prozent Alkohol vergoren. Aber mit Bier kann man grundsätzlich fasten.

DOMRADIO.DE: Zur Fastenzeit haben Sie ein helles Doppelbock gebraut. Warum passt das zur Fastenzeit?

Schwester Doris: Er wurde verlangt. Ich bin eigentlich ein bisschen ein Gegner davon. Denn in Bayern beginnen jetzt schon die Starkbierfeste, die fast mehr Gaudi sind als in der Faschingszeit. Das hat sich grundlegend geändert.

Vor Jahren wurden wir gefragt, ob wir auch ein Doppelbock machen. Da habe ich gesagt, ich mache keins. Dann gab es aber ein Hotel als Abnehmer und dann haben wir uns doch dazu entschieden, 25 Hektoliter Doppelbock herzustellen.

DOMRADIO.DE: Aber Sie haben schon gesagt, dass das Bier dann auch viel Alkohol enthält. Heißt das, dass das, wie Sie gerade schon sagen, für die Leute eigentlich das Gegenteil von Fasten ist?

Schwester Doris: Fastenzeit heißt bei vielen "Abnehmen", weil man in der Faschingszeit zu viel gegessen hat. Das ist aber nicht der Sinn der Fastenzeit, denke ich. In der Fastenzeit soll man sich zu sich selber kommen und wieder eine Richtung finden. Es heißt ja: Das ist ein Fasten, wie ich es liebe - Arme in sein Haus aufnehmen, Hungrige sättigen, Durstige tränken. Ich glaube, wir verkürzen die Fastenzeit ein bisschen, wenn wir nur auf das Essen verzichten.

DOMRADIO.DE: Viele Menschen sagen dennoch, dass sie in der Fastenzeit zum Beispiel auf Alkohol verzichten wollen. Dann wäre ein Doppelbock trinken doch ein Widerspruch, oder?

Schwester Doris: Ich denke, ein Glas Bier ist nicht schlimm. Es muss einfach jeder für sich suchen, was er braucht. Ich selber trinke Bier in der Fastenzeit. Ich verzichte so weit es geht darauf, dass ich grantig bin oder mit meinen Mitschwestern Stress habe, ich versuche freundlich zu sein. Aber ich trinke mein Bier und am Freitag trinke ich eine Maß Bier, esse aber nichts. Das tut dann am Abend weh, da würde ich gerne an den Kühlschrank gehen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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