Tschechien möchte Rückzahlungen an Kirchen besteuern
Wo kann noch mehr gespart werden

14.02.2020

Die katholischen Bistümer in Bayern rechnen mit weniger Geld Sparen und loslassen

Lange Jahre gab es bei der Kirchensteuer nur eine Richtung: nach oben - trotz sinkender Mitgliederzahlen. Damit scheint es nun vorbei. Das zeigen die Haushaltspläne einiger Diözesen in Bayern.

Die katholischen Diözesen in Bayern rechnen mit finanziell härteren Zeiten. Das zeigen die jüngst vorgelegten Etatpläne aus den Bistümern Würzburg, Passau und nun auch Eichstätt.

In allen dreien können demnach die Ausgaben in diesem Jahr nur dank Millionen schwerer Griffe in die Rücklagen finanziert werden. Auch das gemeinhin als reiches Erzbistum geltende München und Freising sowie das Bistum Regensburg hatten bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs angekündigt. Die wirtschaftlichen Spielräume werden enger.

Die Entwicklung verläuft nicht überall in derselben Geschwindigkeit.

Die Rechnung gleicht sich

In Würzburg werden die Rücklagen schon seit vier Jahren angetastet, um den Haushalt auszugleichen, in Eichstätt wurde 2019 noch mit einem leichten Überschuss kalkuliert. In Augsburg lag das Plus 2018 noch bei 20 Millionen Euro, im München und Freising waren es sogar 99 Millionen. Und in Bamberg rechnet man für das laufende Jahr noch mit knapp acht Millionen Euro. Die Richtung ist dennoch überall ähnlich: Es wird weniger. Und es gibt Faktoren, die alle sieben Bistümer gleichermaßen betreffen.

Zum einen ist dies die sich abschwächende Konjunktur. In den vergangenen Jahren sorgte ein prosperierender Arbeitsmarkt für ein stetiges Plus bei dem mit Abstand größten Posten bei den Erträgen.

Dabei sank die Zahl der Kirchenmitglieder - durch die demografische Entwicklung, aber auch durch hohe Austrittszahlen. Während sich dieser Trend wohl auch im vergangenen Jahr noch einmal verstärkt hat, sorgt die schlechtere Wirtschaftslage dafür, dass sich das Plus bei einigen Diözesen mittlerweile in ein Minus verwandelt. Nur Augsburg und Bamberg rechneten zuletzt noch mit leicht steigenden Steuereinnahmen im laufenden Jahr.

Gerade in Bayern mit seiner starken Automobilbranche macht sich die Konjunktur auch bei der Kirche bemerkbar. Ingolstadt mit Audi und seinen Zulieferern gehört zum Bistum Eichstätt, BMW mit seinen Werken zu München-Freising und Regensburg. Auch das Bistum Würzburg hat mit Schweinfurt einen großen Industriestandort in seinem Gebiet.

Bamberger Kommunalpolitiker sprachen im Bundeswirtschaftsministerium vor. Sie sorgen sich um die bei ihnen ansässigen Zulieferbetriebe.

Dazu kommt, dass die niedrigen Zinsen das Finanzergebnis der Bistümer schon lange belastet. Traditionell sind die kirchlichen Investments eher konservativ, was die Erträge sinken ließ, während die Pensionslasten in den Büchern steigen.

Herausforderung für die Finanzverantwortlichen

Das verweist auf eine weitere Herausforderung für die Finanzverantwortlichen. Denn kirchliches Handeln ist vor allem eines: personalintensiv. Die damit verbundenen Kosten sind der größte Posten auf der Ausgabenseite der Etats. Sie können nicht mal schnell heruntergefahren werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind in der Kirche bisher nicht üblich, Kürzungen bei Schulen und sozialem Engagement in der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln.

Deshalb setzen Bistümer wie Würzburg und Passau bei den Steinen an.

Am Main werden mit einem dreijährigen Baumoratorium derzeit Sanierungen auf das absolut Notwendige beschränkt. In dieser Zeit sollen die Immobilien erfasst und bewertet werden: Was wird erhalten, was wird abgestoßen - diese Fragen sollen geklärt werden. Am Inn hat man für das Jahr 2020 kurzerhand den Bauetat nahezu halbiert. Man wolle einen Schwerpunkt in der Seelsorge und bei neuen Wegen setzen, das Evangelium zu verkünden.

Eine Priorisierung bei den Aufgaben soll es auch im Erzbistum München und Freising sowie in Regensburg geben. In ersterem spricht man von einer Gesamtstrategie, die man in den nächsten zwei Jahren entwickeln werde. Am Ende sollen Grundsatzentscheidungen stehen. Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs sagte, in einem dreijährigen Diskussionsprozess wolle man "Schwerpunkte identifizieren und gleichzeitig erwägen, was wir mit Bedacht loslassen können".

Christian Wölfel
(KNA)

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