Teilnehmer an der Meißner Synode am 10. Oktober 1969
Teilnehmer an der Meißner Synode am 10. Oktober 1969
Teilnehmer an der Meißner Synode
Teilnehmer an der Meißner Synode

31.01.2020

Meißner Diözesansynode als Lehrstück für den "synodalen Weg" Schon vor 50 Jahren berieten Sachsens Katholiken über Reformen

Mit einem "synodalen Weg" will die katholische Kirche in Deutschland über Reformen beraten. Vieles stand schon bei der vor gut 50 Jahren eröffneten Synode des damaligen Bistums Meißen auf der Tagesordnung. Ein Lehrstück.

Der von den Bischöfen angestoßene "synodale Weg" soll eine Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland bringen. Hoffnung wie Skepsis gibt es dazu auf allen Seiten. Viele der anstehenden Themen sind nicht neu, manches wurde bereits auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) diskutiert, etwa die Rolle der Laien, Zulassungsbedingungen fürs Priesteramt oder Klerikalismus.

Es war das kleine Bistum Meißen in der DDR, heute Bistum Dresden-Meißen, das vor gut 50 Jahren als erstes über eine Umsetzung der Konzilsbeschlüsse auf Bistumsebene diskutierte, wegweisende Neuerungen beschloss - und am Ende an innerkirchlichen Widerständen scheiterte. Heute lesen sich die Entwicklungen rund um die Meißner Synode von 1969 bis 1971 wie ein Lehrstück.

Bereits 1969 wollten Bischöfe weniger Klerikalismus 

Am 13. Juni 1969 eröffnete Bischof Otto Spülbeck in der Dresdner Hofkirche mit 148 Delegierten, darunter stimmberechtigten 60 Laien, die Meißner Synode. Bereits zum Ende des Konzils hatte er 1965 in einem Rundschreiben an die Geistlichen angekündigt, nach dem Konzil müssten ein zu triumphalistisches Kirchenverständnis, Klerikalismus und mangelnde Kollegialität in der Kirche überprüft werden. Die Beschlüsse, die mit 127 Ja-Stimmen verabschiedet wurden, erregten über die DDR hinaus Aufsehen.

So wurde die Rolle der Laien aufgewertet und für ihre Mitwirkung in Räten plädiert. Selbstkritisch heißt es: "Partnerschaftliches Denken und Verhalten in der Kirche ist uns heute weithin ungewohnt. [...] Vielfach sind Amtsträger zu wenig bereit, den Laien Mitsprache und Mitentscheidung einzuräumen." So enthält ein Beschluss die Bitte an den Bischof, sich für eine "angemessene Mitwirkung der Gemeinde" bei der Auswahl der Pfarrer einzusetzen. Ein weiterer empfiehlt, auch Pfarrer und Laien an der Auswahl ihrer Bischöfe zu beteiligen.

"Möglichst vielseitige und eigenverantwortliche Tätigkeit der Laien"

Zudem gibt die Synode den Auftrag zu überprüfen, ob verheirateten Männer - sogenannten viri probati - der Zugang zum Priesteramt eröffnet werden kann. Notwendig sei ferner, "Berufsbilder für alle Laien im kirchlichen Dienst, besonders für Frauen", zu entwickeln. Ziel sei dabei "eine möglichst vielseitige und eigenverantwortliche Tätigkeit der Laien".

Mit Blick auf den Klerikalismus heißt es: "Obrigkeitliches Denken, Selbstherrlichkeit und serviler Gehorsam entsprechen nicht dem Geist Christi." Um die "Krise der Autorität" zu überwinden, gelte es, moderne Erkenntnisse der Psychologie, Anthropologie und Soziologie einzubeziehen. Insbesondere auch bei der Priesterausbildung: Kirchliche Titel, Kleidung der Amtsträger, Formen des Auftretens und Anreden - "früher möglicherweise ein echter Ausdruck kirchlicher und gesellschaftlicher Ordnung - wirken heute oft veraltet und unverständlich".

Die Gestaltung der Kirchenräume, die Gottesdienstformen und die Sprache "müssen dem Empfinden und Verständnis der heutigen Menschen entgegenkommen". Hier seien "mutige, einschneidende Veränderungen" notwendig. "Wir schulden es der Achtung vor dem suchenden Menschen", so der Synodenbeschluss.

Widerstand der Konservativen lässt nicht lange auf sich warten 

All dies weckte den Widerstand der Konservativen. Der Berliner Kardinal Alfred Bengsch, der auch gegen einige Beschlüsse des Konzils gestimmt hatte, reagierte mehr als skeptisch, unter anderem fürchtete er um die Geschlossenheit der katholischen Kirche in der DDR. Neben kirchenpolitischen Bedenken führte er theologische an. Bengsch intervenierte in Rom. Prompt erreichte Bischof Spülbeck am 8. Mai 1970 ein Schreiben des Apostolischen Nuntius in Bonn, dass die Bischofskongregation eine Überschreitung der Befugnisse durch die Meißner Synode befürchte. "Besonders erregt" hätte der Passus, der von der "Mitverantwortung der Laien" sprach, hieß es in dem Schreiben.

Am 21. Juli 1970 starb der 66-jährige Spülbeck an Herzversagen. Da waren die Beschlüsse der Synode jedoch bereits verabschiedet und von ihm in Kraft gesetzt. Doch Kardinal Bengsch setzte den Görlitzer Bischof Gerhard Schaffran, der mit ihm theologisch auf einer Linie lag, als neuen Bischof von Meißen durch. Um die Meißner Synoden-Beschlüsse und ihre mögliche Wirkung auf die anstehende gemeinsame Pastoralsynode der katholischen Kirche in der DDR (1973-75) auszuhebeln, wandte sich Bengsch an den Nuntius und listete alle Stellen auf, die seiner Ansicht nach nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmten. Acht Gutachter wurden bestellt. Sechs davon bewerteten die Beschlüsse als übereinstimmend mit der kirchlichen Lehre, darunter die Theologen Karl Rahner, Walter Kasper und Joseph Ratzinger.

Doch das nützte nichts. Nach Spülbecks Tod und unter der Leitung Schaffrans war, so bilanzierte später Synoden-Sekretär Dieter Grande, "der Wille, die Dekrete umzusetzen, nicht mehr vorhanden". Die seinerzeit von staatlichen DDR-Stellen formulierten Ängste vor einer Modernisierung und Massenwirksamkeit der Kirche durch die Synodenbeschlüsse erwiesen sich als unbegründet. In Kraft sind die Beschlüsse bis heute, werden aber in vielen Punkten nicht umgesetzt.

von Karin Wollschläger
(KNA)

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