Sozialbischof Overbeck prangert Kinder- und Altersarmut an

Politische Lösung entwickeln

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die oft prekäre soziale Situation der Jüngsten und der Ältesten in der Gesellschaft angeprangert. Auch für die kommende Altersarmut müssten dringend Lösungen gefunden werden. 

Bischof Overbeck / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Overbeck / © Harald Oppitz ( KNA )

Laut einer Bertelsmannstudie vom September sei die Kinderarmut allein in Nordrhein-Westfalen um 1,6 Prozent gestiegen, sagte er am Montagabend in Mülheim an der Ruhr. "Leider, denn Kinderarmut weist immer auf Familienarmut hin", so der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für soziale Fragen. Ebenso müsse "die auf uns zukommende Altersarmut" dringend debattiert und eine politische Lösung entwickelt werden, unterstrich Overbeck.

Die Kirche als einer der großen Leistungsträger und Ansprechpartner für das Familienleben verstehe sich als Anwältin für Familien- und Gerechtigkeitsfragen, sagte Overbeck. Er äußerte sich beim Neujahrsempfang des Bischofs von Essen in der katholischen Akademie "Die Wolfsburg".

Wache Christen gefragt 

Zum "Megathema Europa" warb er für ein "neues Sensorium und Bewusstsein" für die Bedeutung und Zerbrechlichkeit der europäischen Ordnung und der sie tragenden Institutionen. "Lassen Sie uns weiter kraftvoll mitwirken an diesem Friedenswerk der europäischen Einigung", appellierte der Bischof. "Das ist meiner Meinung nach ein christlicher Auftrag." Erforderlich seien wache Christinnen und Christen, die die Zeichen der Zeit erkennen, und Mutige, die die Verantwortungsübernahme auch im Politischen nicht scheuen. "Ich lade Sie herzlich dazu ein. Ich tue als Bischof auch meinen Teil dazu."

Die herrschenden Zeiten seien "dynamisch und herausfordernd», sagte Overbeck mit Blick auf Terror, Migrationsphänomene oder den "Brexit". Nicht wenige Menschen seien tief verunsichert. "Manche fühlen sich zu Protesthaltungen veranlasst, die wir nicht gewohnt sind und oft den Komplexitäten unserer Gesellschaften systematisch ausweichen." In diesem Zusammenhang erwähnte der Bischof die Wahl des Begriffs "postfaktisch" zum "Wort des Jahres" 2016. Overbeck wörtlich: "Sie wissen, Sie haben in mir einen Ruhrbischof, der die Fakten liebt."

Zuversicht ausstrahlen 

Eine der wichtigsten Rollen der Kirchen sei es, aus dem Glauben das Leben zu deuten und Zuversicht und Orientierung in die Gesellschaft auszustrahlen, so der Bischof. Dabei erhalte die Ökumene im Jahr des Reformationsgedenkens eine neue Aufmerksamkeit. "Als Christen in unserer Welt können wir heute nur gemeinsam stark sein", sagte Overbeck. "Ich wünsche uns viele gute Wege unter diesem gemeinsamem Dach der Ökumene."

 


Quelle:
KNA