Erzbischof Stefan Heße
Hamburgs neuer Erzbischof Stefan Heße

14.03.2015

Neuer Erzbischof von Hamburg Heße übernimmt schwungvoll den Bischofsstab

Hamburg hat wieder einen Erzbischof. Stefan Heße empfing am Samstag in einem feierlichen Gottesdienst im Hamburger Sankt-Marien-Dom die Bischofsweihe. Er fühle sich getragen - von Gott und von den Menschen im Erzbistum, sagte Heße.

Solch einen Applaus hat der Hamburger Mariendom lange nicht erlebt. Er brandet auf, als Dompropst Franz-Peter Spiza die Worte sagt: "Mit Freude stelle ich fest, dass das Erzbistum Hamburg wieder einen Erzbischof hat."

Zuvor hatten Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und Weihbischof Norbert Werbs aus Schwerin den gebürtigen Kölner Stefan Heße zum dritten Hamburger Erzbischof der Neuzeit geweiht. Zu Beginn der Zeremonie legt Heße sein Treueversprechen ab. Er erklärt seine Bereitschaft, im Bischofsamt bis zum Tod zu dienen, gehorsam gegenüber dem Papst zu sein, den Notleidenden zu helfen und seine Herde - die Menschen im Erzbistum Hamburg - zu Gott zu führen. "Ich bin bereit", antwortet Heße jedesmal mit fester Stimme.

Bischofsstab, Mitra, Bischofsring und Brustkreuz für Heße

Noch ergreifender die folgende Demutsgeste, als Heße minutenlang ausgestreckt vor dem Altar liegt. Die Gemeinde ruft die Heiligen um Fürsprache an. Auch die lutherischen Gäste aus der Ökumene singen den Kehrvers mit: "Bittet für uns!" Dann kniet Heße vor den 24 Bischöfen, die zu seiner Weihe nach Hamburg gereist sind. Jeder von ihnen tritt auf ihn zu und legt ihm die Hände auf den Kopf - das eindrücklichste Zeichen der Zeremonie.

Der neue Erzbischof empfängt die Insignien seines Amtes: Bischofsstab, Mitra, Bischofsring und Brustkreuz. Das Kreuz haben schon Heßes Vorgänger Werner Thissen und Ludwig Averkamp getragen. Gestiftet hatte es der Kölner Kardinal Paulus Melchers (1813-1895), im 19. Jahrhundert, mit der Verfügung, das möge einst der Bischof von Hamburg tragen. So geschah es nach der Neuerrichtung des Erzbistums im Norden 1995.

Heße ist der dritte Hamburger Erzbischof der Neuzeit. Er folgt Werner Thissen nach, der seit März 2014 im Ruhestand lebt. Vor ihm hatte Erzbischof Ludwig Averkamp (1927-2013) das Erzbistum bis 2002 geleitet. Mit 48 Jahren ist Heße zudem der jüngste deutsche Diözesanbischof.

"Rheinische und beherzte Art"

In seiner Predigt gab Bode dem neuen Erzbischof das Wort von Papst Franziskus mit auf den Weg: "Seid Hirten mit dem Geruch der Schafe." Es werde eine schwierige Aufgabe, sich im weitläufigen Erzbistum Hamburg um die Menschen zu kümmern und sie zusammenzuführen "aus der vielfältigen Diaspora, der Zerstreuung und aus den verschiedenen Herkünften, Ländern und Kulturen". Jeder wisse, wie aufreibend das Bischofsamt sein könne gerade in Zeiten der Krisen in Kirche und Gesellschaft. "Doch du, lieber Stefan, stellst dich dieser Berufung in der dir eigenen kommunikativen, rheinischen und beherzten Art."

Heße möge seinem bischöflichen Leitspruch "Bei Gott ist alles möglich" trauen, so Bode. "Dann ist auch bei dir - als Mensch mit Schwächen und Grenzen, aber doch zuerst als Ebenbild dieses Gottes - mehr möglich, als du glaubst." Heße erhielt die Zeichen des bischöflichen Amtes: Bischofsstab, Mitra, Bischofsring und Brustkreuz. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, verlas die Ernennungsbulle des Papstes.

"Wer hätte gedacht, dass mal ein Kölner als Erzbischof nach Hamburg verschifft wird."

Als Heße zum ersten Mal seinen Bischofsstuhl in Besitz nimmt, strahlt er. Von jetzt an leitet ein sichtlich gelöster neuer Erzbischof den Gottesdienst. Beim Friedensgruß hält es ihn nicht am Altar. Er geht zur ersten Bankreihe, wo seine Eltern gleich neben Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sitzen. Sie, die er nur schweren Herzens in Köln zurücklässt, umarmt er. Dann aber wendet er sich an seine Gemeinde, schreitet beim "Großer Gott, wir loben dich" durchs Mittelschiff und spendet erstmals seinen bischöflichen Segen.

"Hier stehe ich nun in ganzer Pracht und Herrlichkeit das erste Mal vor Ihnen", stellt Heße zurück am Altar mit einem Lachen fest. Aber jede Würde sei auch Bürde. Er müsse wohl noch an der Koordinierung von Bischofsstab und Schritttechnik feilen; und dabei solle er ja auch noch reden. "Wer hätte gedacht, dass mal ein Kölner als Erzbischof nach Hamburg verschifft wird."

Er wolle in seinem neuen Amt weitertragen, was vor ihm die Erzbischöfe Thissen und Averkamp getragen hätten, erklärt Heße ein Stück seines Programms. Er fange nicht bei Null an, sondern stelle sich in ihre Kontinuität. Auch er fühle sich getragen - von Gott zuallererst, aber auch von den Menschen im Erzbistum, die ihm in den vergangenen Tagen so viele Sympathien entgegengebracht hätten. Und er wolle sie mittragen, und genau so die Armen und Reichen, die Schwachen und Starken, die Jungen und Alten, die mitten in Kirche und Gesellschaft und die am Rande.

Heße endet mit der Bitte: "Tragen Sie auch mich. Dann tragen wir alle miteinander zu einem neuen Kapitel in der Geschichte unseres jungen Erzbistums bei." Nach rund zweieinhalb Stunden enden Weihezeremonie und Gottesdienst. Die weit mehr als mehr als 1.000 Gäste - 700 im Dom, der Rest draußen und im angrenzenden Haus der Kirche - streben auf den Domplatz. Hier findet das prächtige und bei aller Erhabenheit auch fröhliche Fest seine Fortsetzung. Aus allen Teilen des Erzbistums, aus der Hansestadt, aus Schleswig-Holstein und aus Mecklenburg, sind Katholiken gekommen, um ihren neuen Erzbischof zu begrüßen und zu beglückwünschen.

Katholiken im Erzbistum Hamburg in der Minderheit

An der Feier nahmen auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der frühere Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, und der Landesbischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, teil. Gekommen waren ferner der schleswig-holsteinische Landtagspräsident Klaus Schlie und Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta Maria Kuder (beide CDU).

Das Erzbistum Hamburg ist die jüngste und die flächenmäßig größte katholische Diözese in Deutschland. Sie umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und den Landesteil Mecklenburg. Hier leben gut 400.000 Katholiken, die mit rund 7 Prozent eine Bevölkerungsminderheit bilden. Nur 4 der 27 deutschen Bistümer zählen weniger Katholiken.

In den kommenden Tagen und Wochen hat sich der Neue viel vorgenommen: Antrittsbesuche bei den drei Landesregierungen und erste Termine in Gemeinden und Dekanaten. Der Start ist im schleswig-holsteinischen Quickborn. Der Name bedeutet "Jungbrunnen" oder "schnell sprudelnde Quelle". Einen passenderes erstes Ziel hätte er sich kaum aussuchen können.

Johannes Schönwälder
(KNA)

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