Ulrich Neymeyr fünf Jahre Bischof des Bistums Erfurt

Keine Angst vor offenen Worten

Fünf Jahre ist der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr jetzt im Amt. In dieser Zeit hat er politisch mehr Umwälzungen erlebt als viele seiner Amtsbrüder.

Autor/in:
Gregor Krumpholz
Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt / © Harald Oppitz (KNA)
Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt / © Harald Oppitz ( KNA )

Am 22. November 2014 hat Ulrich Neymeyr wohl kaum geahnt, wie turbulent es für ihn als neuer Bischof des katholischen Bistums Erfurt werden würde. Vor allem politisch ist er in Thüringen herausgefordert wie nur wenige seiner Amtsbrüder in den anderen deutschen Diözesen, seit er vor fünf Jahren sein Amt antrat.

Es ist weniger die rot-rot-grüne Koalition, die nach Jahren der CDU-Dominanz fast zeitgleich mit Neymeyrs Start an die Macht kam. Sein Verhältnis zu Ministerpräsident Bodo Ramelow, einem der wenigen bekennenden Protestanten in der Linkspartei, ist unkompliziert, auch wenn Neymeyr in der Sache - etwa bei der Finanzierung freier Schulen - mit der Landesregierung ringen muss.

Eintreten für Flüchtlinge und umstrittenen Moscheebau

Weit konfliktträchtiger ist das Verhältnis zur AfD, die in Thüringen trotz besonders ausgeprägter Rechtslastigkeit zuletzt jeden vierten Wähler für sich gewann. Dem Rechtspopulismus stellte sich der Bischof schon früh entgegen. Als die Partei unter Leitung ihres Thüringer Landeschefs Björn Höcke im Herbst 2015 bei abendlichen Demonstrationen auf dem Erfurter Domplatz begann, gegen Flüchtlinge und den Islam zu hetzen, sorgte Neymeyr dafür, dass der sonst angestrahlte Mariendom im Dunkeln blieb. Auch mit seinem Eintreten für den umstrittenen Moscheebau im Erfurter Vorort Marbach wurde der Bischof zum roten Tuch für die AfD.

Eine Beauftragung in der Deutschen Bischofskonferenz sorgt überdies dafür, dass Neymeyr von Antisemiten und Rassisten angefeindet wird. Er ist in besonderer Weise für die Beziehungen zum Judentum zuständig. Diese Aufgabe gewinnt nicht erst seit dem Terroranschlag auf die Synagoge in Halle an Bedeutung. Es sei auch "bitternötig, die christlichen Wurzeln des Antijudaismus zu bekämpfen", räumte er nach der Attacke ein.

Zur Landtagswahl macht er sich für die Demokratie stark

Mahnende Worte richtete er nach der Thüringer Landtagswahl an die Politik. "Jetzt ist nicht die Stunde für persönliche oder parteiliche Machtspiele", forderte der Bischof mit Blick auf die bevorstehende schwierige Regierungsbildung und wandte sich zugleich an die ganze Gesellschaft: Zum Widerstand gegen die Feinde der Demokratie seien alle Bürger gefordert, "am Stammtisch, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und wo auch immer populistische Phrasen gedrechselt werden". In dieser Haltung weiß Neymeyr sich mit dem neuen Bischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, einig.

In der katholischen Kirche scheut sich der Erfurter Bischof ebenfalls nicht, zu heißen Themen Stellung zu beziehen. So kann er sich eine Zulassung von Frauen zum Priesteramt "vorstellen", was einigen seiner bischöflichen Amtsbrüder nicht gefallen dürfte. Allerdings schränkt Neymeyr ein, dass er solch eine Öffnung des Priesteramtes mit Blick auf die Weltkirche, etwa auf Osteuropa, für derzeit "absolut unvorstellbar" hält. Auch mit Blick auf eine Weihe verheirateter pastoraler Mitarbeiter wie etwa von Diakonen zu Priestern ist Neymeyr für neue Wege offen: "Wenn es erlaubt wäre, würde ich es tun", sagte er in einem Interview.

Gemeindeleben soll möglichst erhalten bleiben

Auf der Tagesordnung steht für ihn indes auch die Aufgabe, die von seinem Vorgänger Joachim Wanke eingeleitete Strukturreform im Bistum weiter umzusetzen: Von den früher 72 Pfarreien sollen bis 2020/21 noch 33 bleiben, auf die sich die rund 146.000 Katholiken des Bistums verteilen. Dabei legt Neymeyr Wert darauf, dass auch unter diesen Bedingungen das Gemeindeleben möglichst erhalten bleibt.

Als früherer Mainzer Weihbischof versteht sich Neymeyr zudem als eine Art Botschafter des Ostens. "Was verharmlosend als gebrochene Erwerbsbiografie bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit eine brutale Lebenserfahrung für viele Menschen gewesen, an deren Folgen sie noch immer zu tragen haben", machte er zuletzt am 30. Jahrestag des Mauerfalls mit Blick auf die Folgen für viele DDR-Bürger deutlich. Auch deshalb hat er sich in seiner neuen Heimat viele Sympathien erworben.


Quelle:
KNA
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