Bischof Rudolf Voderholzer
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg
Bischof Franz-Josef Overbeck
Bischof Franz-Josef Overbeck

01.11.2019

Bischof gegen Bischof - Priesterweihe für Frauen Streit ums Y-Chromosom

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat seinen Essener Kollegen Franz-Josef Overbeck scharf kritisiert. Man könne den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht einzig am Y-Chromosom festmachen, wie Overbeck es gesagt habe, so Voderholzer.

Es sei "einigermaßen verwunderlich", dass eine "namhafte kirchliche Stimme" den Unterschied zwischen Mann und Frau einzig am Y-Chromosom festmache, sagte Voderholzer laut Mitteilung seiner Diözese am Donnerstagabend in einer Predigt in Regensburg.

"Sollte mit dem genannten biologistischen Argument das Argumentations-Niveau des bevorstehenden 'synodalen Weges' vorgezeichnet sein, dann sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn darin, dabei mitzumachen", sagte Voderholzer weiter. Die Geschlechterdifferenz sei mehr als ein Chromosomenunterschied - sie präge das Menschsein, begründe die Weitergabe des Lebens und damit die Zukunft der Geschichte.

Ausschluss der Frauenpriesterweihe hinterfragt

Overbeck hatte Anfang der Woche in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung den vom Lehramt der katholischen Kirche als "definitiv" verteidigten Ausschluss der Frauen vom Weiheamt der katholischen Kirche hinterfragt:

"Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priesteramt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet? Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich", so Overbeck.

Gegen regionale Ausnahmen in Zölibatspflicht

Der Regensburger Bischof ist für die universale Zölibatspflicht für katholische Priester. Hier könne es keine regionalen Ausnahmen geben. Dafür sei diese Frage weltkirchlich zu bedeutend, sagte Voderholzer weiterhin in seiner Predigt zum Hochfest des Regensburger Bistumspatrons Wolfgang.

Der Bischof richtete seine Kritik gegen eine entsprechende Empfehlung der am Sonntag beendeten Amazonas-Synode an Papst Franziskus. Mit Zweidrittelmehrheit hatten sich deren Teilnehmer bei der Abstimmung über das Schluss-Dokument dafür ausgesprochen, bewährte verheiratete Männer ausnahmsweise zu Priestern zu weihen, damit in entlegenen Regionen häufiger die Messe gefeiert werden könne.

Voderholzer sagte, dies sei "nicht besonders originell oder gar neu und in seiner Zielsetzung durchschaubar". In der weltumspannenden einen und deshalb katholischen Kirche gebe es keine kirchlich zweitrangigen Regionen. Der Bischof zeigte sich überzeugt davon, dass es dort, wo der "Hunger nach dem Brot vom Himmel" wirklich groß sei, auch die Bereitschaft wachsen werde, "dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen - sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa".

Voderholzer: Ehelosigkeit ist angemessen

Der Bischof deutete an, dass Interessenten am Priesterberuf wegen der aktuellen Debatte verunsichert seien. Sie sollten sich aber nicht verwirren lassen, riet er ihnen. "Die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils steht und ist gültig: Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist als die Lebensform Jesu und der Apostel dem Priesteramt in vielfacher Hinsicht angemessen."

Zu allen Zeiten und Orten sei der Zölibat eine Provokation gewesen. Jesus selbst sei deshalb schon als "Eunuch" verspottet worden. Der Zölibat sei Ausdruck des Vertrauens auf die Kraft geistlicher Fruchtbarkeit und Zeichen der Hoffnung auf eine größere, alles Innerweltliche übersteigende Erfüllung.

Der "synodale Weg" ist ein kirchlicher Reformprozess, der am 1. Dezember in Frankfurt beginnen soll. Bischöfe und katholische Laien wollen in einer verabredeten Struktur die Folgen des Missbrauchsskandals, klerikalen Machtmissbrauch, Fragen der katholischen Sexualmoral und die Rolle der Frauen in der Kirche diskutieren. In zwei Jahren soll der Prozess beendet sein.

(epd, KNA)

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