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Kreuz auf einem Holztisch

30.10.2019

Studiengang zum Thema Sterben an der Universität Regensburg "Ein Zukunftsthema in einer alternden Gesellschaft"

Künftig soll es an der Universität Regensburg den Masterstudiengang "Perimortale Wissenschaften" geben. Der Moraltheologe Rupert Scheule sieht Bedarf und arbeitet an der Entwicklung des Studiums zum Thema Sterben, Tod und Trauer.

DOMRADIO.DE: Der Studiengang "Perimortale Wissenschaften" befasst sich ganz mit dem Thema "Tod, Trauer und Sterben". Ist der Bedarf da?

Prof. Dr. Rupert Scheule (Diakon und Professor für Moraltheologie an der Universität Regensburg): Ja, der Bedarf ist da. Sterben, Tod, Trauern sind ein Zukunftsthema in einer alternden Gesellschaft. Das wird uns anhaltend beschäftigen. Die Babyboomer-Jahrgänge, die geburtenstarken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg kommen jetzt langsam in die Zeit, sich mit ihrem bevorstehenden Tod beschäftigen zu müssen, und ich glaube, so wie uns die Babyboomer immer alle Themen diktiert haben in den letzten Jahrzehnten, wird auch dieses Thema hochgradig relevant sein und werden.

DOMRADIO.DE: Viele verdrängen das Thema gerne. Aber junge Menschen, Studenten sollen sich damit befassen. Wer hat Lust auf so ein Studium?

Scheule: Das ist schon eine berechtigte Frage. Wir hatten ursprünglich auch gedacht, wir müssen etwas planen für Menschen in der mittleren Lebensphase, die diesen Studiengang in Teilzeit studieren können. Das haben wir extra auch so konzipiert. Aber dann ist uns in einer Umfrage, die wir an der Uni Regensburg und an der benachbarten Ostbayerischen Technischen Hochschule gemacht haben, aufgefallen, dass das Interesse gerade bei jungen Leuten ganz groß ist und ganz frisch ist und dass sie neugierig sind auf die großen Themen überhaupt – und auf dieses große Thema "Tod und Sterben" auch. Wir haben Kontakt zu Interessenten, die jetzt vielleicht im Studium der Sozialen Arbeit oder der Pädagogik sind, vielleicht ein Praktikum im Hospiz oder auf dem Friedhof gemacht haben und gesehen haben: Mir fehlen da Hintergrundkenntnisse. Mir fehlen da ganz bestimmte Kompetenzen, um dann dauerhaft und gesund in diesem jeweiligen Berufsfeld aktiv zu werden.

DOMRADIO.DE: Was sollen die Studenten lernen? Welche Fächer wird es geben? Welche zukünftigen Arbeitsbereiche kann man sich dann hinterher für Sie vorstellen?

Scheule: Insgesamt will unser geplanter Studiengang, so muss man ja immer noch sagen, Studierende befähigen, sich wissenschaftlich und persönlich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen. Das ist mal ganz allgemein gesprochen. Wichtig werden können die Kompetenzen, die man hierbei erwirbt, auf dem Friedhof, im Raum des Bestattungswesens, in den Hospizen, in den Krankenhäusern, aber auch in der Seelsorge. Was richtig ist, ist, dass es im Moment kein kompaktes Berufsbild gibt für Perimortalwissenschaftler. Aber es wird auch Teil unserer Aufgaben sein, die Menschen zu befähigen, sich dieses Berufsbild dann selber zu erarbeiten, in dem sie unterwegs sein werden. Ich bin fest davon überzeugt, da gibt es Berufsbilder, weil in diesem Thema, verzeihen Sie mir den Ausdruck, Musik drin ist.

DOMRADIO.DE: Kann der anstehende Feiertag uns helfen, das Thema Tod und Sterben nicht so sehr zu verdrängen, wie viele von uns das tun?

Scheule: Das ist ja eine bemerkenswerte Feierkultur, die wir auch in Deutschland an Allerheiligen und Allerseelen haben. Eigentlich ist Allerheiligen ein hoher, freudiger Festtag, an dem wir Aller Heiligen gedenken. Allerseelen ist der eigentliche Totengedenktag. Wir fassen beides eigentlich zusammen und machen einen Trauertag draus. Ich würde uns empfehlen, beides zu machen, an die Heiligen zu denken – und wir hoffen natürlich auch, dass unsere Verstorbenen Heilige sind, also im Heil sind, bei Gott sind, aber eben auch, dass wir die Allerseelen-Komponente, das reine Totengedenken unter diesem Vorzeichen betrachten. Da finde ich es schon interessant, mal nachzusehen, wie Totengedenken früher in unserer Kultur war und wie es heute in anderen Kulturen ist? Das wird auch Teil unseres Studiengangs sein, ein bisschen den Blick zu weiten. Es gibt mehr als die nordrhein-westfälische oder die bayerische Friedhofsordnung, an der man sich in Sachen Trauerkultur ausrichten kann.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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