Große Koalition fordert Neuwahlen in Thüringen
Die Flagge des Bundeslands Thüringen: Prognosen sehen die Linke und die AfD als stärkste Kräfte
Bodo Ramelow
Bodo Ramelow
Björn Höcke
Björn Höcke

25.10.2019

Erfurter Pfarrer zur Landtagswahl in Thüringen "Das kann uns als Christen aufwecken"

Kurz vor der Wahl in Thüringen ist die politische Mitte geschwächt. Prognosen sehen die Linke und die AfD als stärkste Kräfte. Der Erfurter Pfarrer Michael Neudert verfolgt den Wahlkmapf - vor allem einen Werbeflyer findet er bedenklich.

DOMRADIO.DE: Die zwei stärksten Kräfte in Thüringen kommen, wenn man den Prognosen glaubt, aus dem ganz linken und aus dem ganz rechten Lager. Was sagen Sie dazu?

Michael Neudert (Pfarrer der Gemeinde St. Laurentius in Erfurt): Was soll man dazu sagen? Das ist zunächst einmal die Realität. Die hat irgendwo Gründe und Ursprünge. Freilich wäre es mir lieber, Menschen aus der politischen Mitte an die Regierung zu bringen. Aber das bleibt wahrscheinlich ein Wunsch.

DOMRADIO.DE: Haben Sie denn das Gefühl, Thüringen ist gespalten?

Neudert: Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl nicht. Im Gespräch outen sich die Menschen nicht als besonders politisch links oder rechts. Es ist eigenartig still in diesen politischen Fragen, auch in den Umkreisen unserer Gemeinden.

DOMRADIO.DE: Wir haben das ja auf Bundesebene schon gesehen: Die Volksparteien haben gerade überall mit starken Einbußen zu kämpfen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Neudert: Es sind schon so viele Wissenschaftler befragt worden, wo die Erklärung liegt. Ich habe gerade mit einem Menschen gesprochen, der aus der linken Ecke kommt, und er meint, dass es vielleicht doch ein Fehler war, dass man Politik zu kompliziert gemacht und ausgedrückt hat. Die AfD und die Linken können oft einfache Sätze formulieren und einfache Ideen entwickeln, die politisch vielleicht unmöglich sind, aber sich in den Köpfen festsetzen.

DOMRADIO.DE: Bodo Ramelow ist auch sehr wortgewandt. Seit 2014 ist er Ministerpräsident in Thüringen, der erste Ministerpräsident der Linken. Über ihn haben Sie im DOMRADIO.DE-Interview vor fünf Jahren mal gesagt: "Der würde mir nicht so gut gefallen." Gefällt er Ihnen heute besser?

Neudert: Die Aussage habe ich damals vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen mit der SED und ihrer Nachfolgeparteien in der DDR-Zeit gemacht. Aber vielleicht hat sich die Linke doch in bestimmten Teilen verändert und vielleicht gehört Bodo Ramelow dazu.

Ich habe irgendwo mit einem Lächeln gelesen, dass manche Leute nicht wissen, dass Bodo Ramelow von der Linken ist. Sie glauben, er wäre von der SPD, und so ist das auch manchmal für mich. Ich kenne den Ministerpräsidenten von unterschiedlichen Sternsingertreffen. Und von daher meine ich, dass er ein ehrlicher Mensch ist, der nach Lösungen und Ansätzen sucht, die oftmals auch aus dem christlichen Welt- und Menschenbild stammen könnten.

DOMRADIO.DE: Bodo Ramelow wirbt immer wieder für Rot-Rot-Grün. Er redet über Sachthemen wie Gesundheitsversorgung und fehlende Busverbindungen auf dem Land. Er ist unglaublich beliebt. Wieso kommt da ein Kandidat wie Mike Mohring von den Christdemokraten nicht ran?

Neudert: Das weiß ich nicht genau. Möglicherweise bereitet der CDU die Frage nach der Repräsentation Schwierigkeiten: Wie zeigen wir uns? Sind wir eine einige Partei? Gibt es im Hintergrund irgendwelche Streitereien? Die Skepsis gegenüber den alteingesessenen Parteien ist größer geworden. Und die Menschen haben jetzt nach 30 Jahren Wende den Wunsch auf etwas Neues. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das Neue auch wirklich etwas Neues wäre.

DOMRADIO.DE: Die AfD mit Spitzenkandidat Björn Höcke würde nach den aktuellen Hochrechnungen zweitstärkste Kraft. Macht Ihnen das Sorge?

Neudert: Wenn ich höre, was aus dem Mund von Herrn Höcke kommt, habe ich Sorge, dass die AfD mit ihm allzu weit nach rechts geht. Das könnte düstere und graue Seiten der Erinnerungskultur aufwühlen.

Was von der AfD in die Häuser flattert, kann uns als Christen durchaus aufwecken. Auf einem Werbeflyer steht, dass sie die direkte Demokratie stärken und die nicht legitimierten Interessengruppen, wie zum Beispiel die Kirchen, dezidiert aus der Landespolitik verbannen wollen. Das ist für uns als Christen schon bedenklich. Der Weihbischof hier hat die demokratisch denkenden Bürgerinnen und Bürger gebeten, wachsam zu sein.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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