"Freiwilliges Ordensjahr" in Deutschlands Klöstern

Auszeit im Gottesgarten

Seit Juli gibt es in Deutschland das "Freiwillige Ordensjahr".  Von jungen Menschen bis hin zu Rentnern kommen viele Anfragen. Zwei Klöster in Bayern öffnen Ihre Türen und zwar aus guten Gründen.

Autor/in:
Marion Krüger-Hundrup
Gästezimmer im Kloster der Benediktinerinnen / © Thomas Louapre (KNA)
Gästezimmer im Kloster der Benediktinerinnen / © Thomas Louapre ( KNA )

Selbst wer die Hektik des Alltags noch nicht abgestreift hat, ist beeindruckt: Hier im "Gottesgarten am Obermain" bekommt der gestresste Zeitgenosse eine Ahnung davon, wie sich Ruhe finden lässt. Seine Sehnsucht nach einem Ort, an dem er sich geborgen fühlt, kann erfüllt werden.

Er steigt einfach den Berg hinauf zur Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein, zu den Klöstern der Franziskaner und Franziskanerinnen. Wohnt Gott darin? Vielleicht auch in mir?

Idee aus Österreich

Immer mehr machen sich auf, bei einer Auszeit im Kloster auf solche und andere Fragen Antworten zu finden. "Kloster auf Zeit" boomt. Anlass für die Deutsche Ordensobernkonferenz, sich ein seit 2016 erfolgreiches österreichisches Beispiel zu eigen zu machen: Seit Mitte Juli bieten 28 Klöster von Schleswig-Holstein bis Bayern das "Freiwillige Ordensjahr" analog zum "Freiwilligen Sozialen Jahr" an.

Und bis jetzt gibt es über 40 Anfragen von jungen Menschen bis Rentnern, die für mindestens drei Monate bis zu einem Jahr das Angebot annehmen wollen.

"Ich bin überrascht, wie viele sich schon gemeldet haben", freut sich Schwester Maria Stadler, die auf Bundesebene das Ordensjahr koordiniert. Die eigene Ordensgemeinschaft der 51-jährigen Religionspädagogin, die Missionarinnen Christi in München, ist als Gastgeberin für Frauen dabei.

Dreizehn Schwestern und sieben Studentinnen aus aller Welt bilden eine "multikulturelle Wohngemeinschaft, in der auch drei Frauen aus Eritrea Kirchenasyl gefunden haben", erzählt die Ordensfrau. In der Landeshauptstadt haben zudem die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul und die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser ihr Tore geöffnet.

Sankt Franziskusschwestern in Franken

Im fränkischen Vierzehnheiligen bieten die Sankt Franziskusschwestern schon seit Jahren in ihrem Mutterhaus die Möglichkeit eines zeitlich begrenzten Mitlebens: "Eine Bereicherung für die Frauen und für unsere Gemeinschaft, eine Win-win-Situation", bilanziert Schwester Dorothea Köhle. Die 55-jährige Sozialpädagogin und Exerzitienbegleiterin ist Ansprechpartnerin für Interessierte. So richtet sich das Freiwillige Ordensjahr an Frauen ab 18 Jahren - bundesweit natürlich auch an Männer - nach Schul- oder Universitätsabschluss, an Berufseinsteiger sowie an Menschen in der Lebensmitte und Rentner.

"Die Zeit in der Ordensgemeinschaft kann dazu dienen, eine Balance von Gemeinschaft, Gebet und beruflichem Engagement zu finden, sowie Lebensentscheidungen zu überdenken", sagt Schwester Dorothea.

Auch der persönliche Glaube könne eine Vertiefung erfahren. Es gehe nicht darum, Ordensnachwuchs zu rekrutieren. Ein Urlaub im Kloster sei es aber erst recht nicht: "Wir erwarten, dass die Frauen verbindlich mitleben und die Tagesstruktur mit Gottesdienst, Gebetszeiten, Arbeit, Rekreation annehmen."

Auszeit oder Neuorientierung?

In Vierzehnheiligen können die Frauen, wenn sie nicht anderweitig einem Beruf nachgehen, etwa in der Großküche, auf der Pflegestation oder in der Wäscherei mithelfen. Am 13. August wird die erste Teilnehmerin eines Ordensjahrs ins Kloster einziehen und im hauswirtschaftlichen Bereich vertraglich abgesichert mitarbeiten:

"Eine 45-jährige hoch qualifizierte Managerin eines größeren Unternehmens, die sich beruflich umorientieren will", berichtet Schwester Dorothea.

Koordinatorin Maria Stadler stellt bei Anfragen fest: "Die Jüngeren wollen ausprobieren, ob das Ordensleben etwas Dauerhaftes für sie ist, die Älteren wollen eine Auszeit zur Überprüfung von Perspektiven." Beide Motivationen spielten für Daniela Weitzel eine Rolle, als sie 2018 in Vierzehnheiligen anklopfte. Die heute 40-jährige Diplom-Theologin wollte nicht ins pastorale Getriebe einer Pfarrei zurück - und zugleich galt es zu prüfen, ob das Klosterleben etwas für sie sein könnte.

Weitzel hat es herausgefunden. Sie ließ sich anstecken von den bodenständigen Schwestern, "die die Ärmel aufkrempeln, wo Not ist". Im Mai begann ihr Postulat, parallel absolviert sie im Fernstudium eine Ausbildung zur Online-Redakteurin.


Quelle:
KNA